Ulf Wakenius & AMC Trio | 26.02.2010

Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

So kann’s gehen: Da hatte der große Oscar Peterson den jungen schwedischen Gitarristen Ulf Wakenius angerufen und gefragt, ob er in seinem Quartett mitspielen wolle. Der junge Mann freute sich, sagte zu, kaufte einen ganzen Stapel CD’s und schaffte sich etwa 100 Standards a la Peterson drauf. Und so stand er dann eines Abends – ohne eine einzige gemeinsame Probe – auf der Bühne der Münchener Philharmonie, und: Peterson spielte keinen einzigen der für üblichen Standards, die Ulf Wakenius so fleißig einstudiert hatte. Irgendwie fand und wand er sich dann doch durch das Geäst der Harmonien des Abends, erntete das Lob des Meisters und erfuhr aus dem Mund des britischen Drummers Martin Drew, dass er die Feuertaufe bestanden habe.

Längst hat sich Ulf Waenius einen eigenen Namen gemacht, eigene Projekte aus der Taufe gehoben, nicht zuletzt mehrmals im Neuburger Birdland das Publikum begeistert mit seinem brillanten, rasanten, vielseitigen Spiel, durchaus auch mit leisen Tönen, mit Humor und Sensibilität. Gemeinsam mit dem AMC-Trio gab er sich nun erneut die Ehre im Jazzkeller, nun seinerseits unter Verzicht auf Standards, spielte mit allen Haken und Ösen, schöpfte aus einem riesigen Repertoire an Ideen und Einfällen mit Esprit, Phantasie, Blues, Biss und Feeling.

Peter Adamkovic am Bösendorfer, Martin Marincak am Bass und Stano Cvanciger am Schlagzeug setzten dazu in höchster gleichberechtigter Homogenität kompositorische Impulse, z.T. inspiriert aus der ostslowakischen Folklore, und spielerische Akzente, welche mit treffsicherer Ästhetik und sanftem Mut die Grenzen des Jazz erweitern, lautmalerisch, erzählerisch, spannend, ohne dabei die Nerven zu strapazieren. Einer der Höhepunkte des Abends: „Waiting For The Wolf“ mit geduldig getupftem Piano über lebhaft vibrierendem Rhythmus des Schlagzeugs und ostinat groovendem Bass, tiefer und tiefer hinein ins Dickicht der Musik, aus der mehr und mehr die Melodie der Gitarre sich herausschält mit Wärme, Schärfe, unberechenbarem Lauern, sich Nähern, Entschwinden, bedrohlich, schaurig schön im Dunkel der Nacht. Weit weg von der Philharmonie, ganz nah dran am Leben.