Neuburger Rundschau | Reinhard Köchl
Nur er darf das. Einfach mal den Zuschauerraum im Hofapothekenkeller um zwei Tische reduzieren, um dort einen Teil seiner Bläsersektion zu platzieren. Joe Haider nahm schon immer in den vergangenen Jahrzehnten im Neuburger Birdland eine Sonderstellung ein, kam mal mit Streichern, heißen Hardbop-Quintetten oder einfach nur im schlichten Pianotrio. Doch das Ding mit einer Big Band im winzigen Gewölbe mit seinem fein austarierten Sound, wo sensible Ohren schon bei einem einzigen heftigen Drumbeat schmerzverzerrt zusammenzucken – mein lieber Scholli!
1998 traute sich die deutsche Jazzlegende das schon mal anlässlich des 40. Birdland-Geburtstages, als er ein Munich Jazz Orchestra rekrutierte. Mittlerweile ist der Kauz am Piano schon 90 und kommt erneut mit einem zwölfköpfigen Klangkörper in Neuburg vorbei; seinem „Joe Haider Orchestra“.
Und erstaunlicherweise kriegen er und seine elf überwiegend aus seiner Wahlheimat Schweiz stammenden Mitmusiker, die allesamt seine Söhne oder gar Enkel sein könnten, das hin. Die Big Band macht jede Menge Druck, die Saxofone (Dani Blanc, Domenik Landolf, Thomi Geiger) verzieren die Arrangements mit feinen Ornamenten, die Posaunen (Vincent Lachat, Bernhard Bammert, Adrian Weber) schaffen weite Räume, während die Trompeten (Dave Blaser, Daniel Schenker, Bernhard Schoch) eine Etage höher immer wieder mit spitzen, schrillen Stichen in die feine Swing-Wohlfühl-Heimeligkeit einbrechen.
Aber niemand im voll besetzten Keller hält sich die Ohren zu, alles wirkt wohl dosiert und geregelt. Ein Jazzorchester auch einmal in dieser Umgebung erleben zu können, ist schlicht eine Attraktion, auch weil diese Formationen wegen ihrer Größe und der damit einhergehenden problematischen Finanzierbarkeit immer mehr zu den Dinos des Genres mutieren. Welcher Facettenreichtum, welche Klangvielfalt und welch weite Spielwiese für Notensetzer sich dabei ergeben, das kostet Haider genüsslich aus.
Da kann ein reines Bläser-Intro für „Im Getting Sentimental Over You“ in eine fließende, unschuldige Ballade münden und einen fliegenden Teppich für fein geblasene Soli wie der Bassklarinette von Dominic Landolf führen. Oder der tausendfach durchgenudelte Standard „Caravan“, aus dem der alte Brummbär einige neue, noch ungehörte Seiten herauskitzelt. Sein Arrangement der Tizol-Ellington-Nummer brodelt unter der Oberfläche, kocht aber nie über. Auch eine Kunst!
Einbußen gibt es freilich auch, denn die alles beherrschende Frage des Abends lautet: Wie sieht eigentlich der Schlagzeuger aus? Man hört Dominic Egli nur, denn vor ihm hat sich Lorenz Beyeler mit seinem dicken Kontrabass aufgebaut, schließlich muss jeder Quadratzentimeter Platz genutzt werden, gerade weil der Aufbau einer Big Band auf der kleinen Bühne einem organisatorischen Wunderwerk gleichkommt. Aber was da aus dem hintersten Winkel nach vorne dringt, klingt vorzüglich. Egli und Beyeler swingen fein und beharrlich. Und vor allem: sie verbinden unmerklich die einzelnen Pole.
Dann gibt es natürlich noch die altbekannten, aber nie langweiligen Joe Haider-Ansagen. „Mit 60, da gings noch“, sagt er, um nach einer Kunstpause fortzufahren: „Und mit 90 erst recht!“ Ihm gefällt es sichtlich, im Birdland alle Strippen in der Hand zu halten und abermals alle mit seiner Vitalität an den Tasten zu überraschen. Diesmal bleibt vor allem die Schlussnummer „Peace“ von Horace Silver in Erinnerung, in der Haider ein weiches, fast wehmütiges Intermezzo am Flügel zum Besten gibt, bei dem jede fallende Stecknadel die Andacht gestört hätte. Solche Töne hat man von dem inzwischen altersmilden Raubein tatsächlich noch nie gehört!
Donaukurier | Karl Leitner
Zwei Fragen kann man nach diesem Konzertabend im Birdland in Neuburg eindeutig positiv beantworten. Passt auf die kleine Bühne des Jazzclubs in der Altstadt zusätzlich zum großen Bösendorfer-Flügel auch noch ein 12-köpfiges Orchester? Und: Entspricht die These, Jazz halte jung und fit, wirklich der Wahrheit?
Wenn man die vorderen Tische im Zuschauerraum ein wenig verschiebt, ist die Platzfrage schnell gelöst. Wobei Birdland-Chef Manfred Rehm sagt, der bislang ungebrochene Rekord liege ja sowieso bei 21 Mann. Und Joe Haider, eine der grauen Eminenzen des europäischen Jazz, um den und dessen Orchestra es an diesem Abend geht, ist am 3. Januar diesen Jahres 90 geworden, womit auch die zweite Frage beantwortet wäre. Er ist oft im Birdland aufgetreten, mit Bands in allen Stärken, einem Streichquartett, mit unterschiedlichsten Projekten, aber sein großes, mit neun Bläsern bestücktes Ensemble ist natürlich allein schon wegen ihres Umfangs besonders spektakulär. Und wegen ihres damit verbundenen Sounds. „Sind wir auch wirklich laut genug?“ fragt Haider, der immer für einen Witz gut ist. Akustisch ist tatsächlich einiges los, obwohl man aus gutem Grund auf Mikrophone komplett verzichtet hat. Lediglich der Kontrabass und Haiders Flügel sind leicht verstärkt, damit sie sich akustisch überhaupt bemerkbar machen können.
Und die Musik? Die lebt von den speziell auf diesen opulenten Klangkörper zugeschnittenen Arrangements, den individuell für die Saxofon- und Klarinettengruppe, die Posaunenabteilung, die Trompetenfraktion und schließlich für die komplette Bläserphalanx entworfenen Partituren, von den Solisten, von Haiders umsichtiger Führung und nicht zuletzt von der Strahlkraft der ausgewählten Stücke selbst. Duke Ellington, Dave Brubeck, Tommy Dorsey, Joe Henderson und Horace Silver liefern die Vorgaben, Haider und seine Kollegen setzen sie in Szene, hinterlassen immer dann einen besonders nachhaltigen Eindruck, wenn sie die markanten Themen mit Verve in den Saal wuchten oder die Solisten gruppenweise oder auch im kompletten Verbund unterstützen. Es gibt kaum einen Freiraum im Arrangement, der nicht weidlich genutzt würde und vor allem in zweiten Abschnitt läuft die Band zu ganz großer Form auf.
„Single Petal Of A Rose“, das Ellington einst für die Queen geschrieben hat (O-Ton Haider: „Ist das eigentlich nach deren Tod in die Erbmasse eingegangen und gehört nun König Charles?“) ist eine hinreißende Ballade, die belegt, dass der Bläsersatz nicht nur schmettern, sondern auch ganz subtil zu Werke gehen kann. Und die Zugabe, in der Haider Horace Silver’s „Peace“, seine eigene Trio-Aufnahme „Grandfather’s Garden“ und „Solveig’s Song“ aus Edvard Grieg’s „Peer Gynt Suite“ als Solist zusammenführt, ist wohl der Moment des Abends mit dem größten Tiefgang, ein in Töne gegossener Augenblick der Hoffnung und Zuversicht in einer Welt, in der, wie Haider es ausdrückt, „man immer wieder den Eindruck hat, dass anscheinend alle verrückt geworden sind.“ Man wisse zwar nie, was komme, er freue sich aber trotzdem bereits heute auf seinen nächsten Besuch im Birdland, sagt der immer noch ungemein kreative und umtriebige Tausendsassa des Jazz, bei dem man nicht das geringste Anzeichen von Altersmüdigkeit feststellen kann. Joe Haider live? – Immer wieder gerne. Und am besten noch ganz oft.
Donaukurier | Karl Leitner
Das ist echtes Timing. Am 1. Januar wurde das Akkordeon zum Instrument des Jahres erklärt und bereits 14 Tage später ist es der Star beim Konzert von Tango Transit. Verantwortlich dafür sind Birdland-Chef Manfred Rehm, der die Band nach Neuburg eingeladen hat, und Martin Wagner, der als Meister aller Tasten und Knöpfe so virtuos mit ihm umgehen kann wie kaum ein anderer.
Dass er und seine Kollegen Hanns Höhn am Kontrabass und Andreas Neubauer am Schlagzeug eine wahrlich heiße Truppe sind, hat sich spätestens seit dem September 2023 herumgesprochen. Damals war das Trio schon mal im Keller unter der ehemaligen Hofapotheke zu Gast und hatte schwer beeindruckt. Folglich ist das Birdland-Gewölbe wieder einmal proppenvoll, die Erwartungen groß und die Voraussetzungen ideal für drei Musiker, deren Stärken Fragilität und Feinfühligkeit sind, aber eben auch Energie, Power und Vorwärtsdrang ohne Rücksicht auf irgendwelche Grenzen. Man nennt sich zwar Tango Transit, ist aber nicht nur in der Nachfolge Astor Piazzollas unterwegs, sondern auch in Sachen Bolero, Calypso, Samba, Rumba, Jazz oder Blues – auch bei Bedarf wie bei „Busy Waiting“ mit all dem gleichzeitig in einem einzigen Stück – dreht mit halsbrecherischen Bearbeitungen von „Ein Jäger aus Kurpfalz“ und „zwischen Berg und tiefem Tal“ das deutsche Volkslied auf links.
Mit „Night In Egypt“ und dem „Transsylvanian Tango“ treibt man sich in schwer zugänglichen Weltgegenden herum, zollt in „Vienna April“ dem Wiener und mit „Waltz For Angie“ dem Musette Walzer Anerkennung und landet schließlich bei Pink Floyd’s „Money“. Was für ein sonderbares Sammelsurium, was für eine abenteuerliche Songauswahl, möchte man meinen. Freilich nur auf den ersten Blick, weil natürlich sehr wohl eine Klammer existiert, die das alles so wunderbar zusammen hält und funktionieren lässt. Zum einen sind das die komplexen rhythmischen, melodischen und harmonischen Strukturen, die die Band ihren Stücken angedeihen lässt. Sogar ein Klassiker wie Piazolla’s „Libertango“ muss sich eine komplette Neuausrichtung gefallen lassen. Dazu kommen das enorme Können der Musiker und die Tatsache, dass das Trio bereits seit knapp 20 Jahren unverändert besteht. Das schweißt zusammen, sorgt für blindes Verständnis und für Musik wie aus einem Guss, auch wenn es metrisch über Stock und Stein geht. „Als wir angefangen haben, mussten uns noch die Eltern zu den Auftritten bringen, weil keiner einen Führerschein hatte“ sagt Wagner. Beständigkeit zahlt sich aus.
Das Programm des Abands nennt sich nach dem letzten Album der Band und heißt „Akrobat“. Wenn damit gemeint ist, dass drei Herren waghalsige Kunststücke vollführen, bei denen es ganz besonders auf absolute Verlässlichkeit ankommt und auf perfekt aufeinander abgestimmte Abläufe, dann ist er optimal gewählt. Wenn das Ergebnis dann auch noch gut ausschaut bzw. sich gut anhört und man auf ein Fangnetz bzw. auf Noten verzichten kann, was dem Ganzen bei aller Stringenz eine enorme Lockerheit verleiht, dann verspricht das einen wirklich großen, denkwürdigen Abend mit Musik, die ohne vorherige Planung nicht funktionieren würde, die aber immer wirkt, als sei sie eben gerade erst entstanden. Und für einen solchen steht das Trio denn auch. Zwei Zugaben sprechen eine deutliche Sprache.
Neuburger Rundschau | Peter Abspacher
Das Akkordeon ist im Jazz, egal ob in einer Bigband oder in kleineren Formationen, nicht gerade der Star unter den Instrumenten. Diese Rolle spielen eher das Saxofon, das Piano, die Klarinette, die Gitarre oder auch mal der Kontrabass. Der umjubelte Auftritt der Band Tango Transit im Birdland Jazzclub lieferte eine hinreißende Begründung dafür, das gerade das Akkordeon zum Instrument des noch jungen Jahres 2026 ausgerufen wurde.
Martin Wagner, der Bandleader und Komponist oder Arrangeur der meisten Songs, spielt sein voluminöses, mit ungewöhnlich vielen Tasten und Registern ausgestattetes Akkordeon als wahrer Teufelskerl. Der Mann ist musikalisch physisch und psychisch geradezu mit seinem Instrument verschmolzen.
Rasende Leidenschaft, verrückte Tonkaskaden in allen möglichen Varianten, melancholische Träumereien, Wut, Zorn, Sehnsucht und unbändige Emotion – all das erfüllt immer wieder das bis auf den letzten Platz besetzte Kellergewölbe. Und Martin Wagner liefert ein Minenspiel und körperlichen Einsatz, bei dem jeder einzelne Gesichtsmuskel und auch die meisten anderen der über 200 einzelnen Muskeln des Körpers gefordert sind.
Manchmal wirkt der Akkordeon-Virtuose wie außer Rand und Band, wenn zum Beispiel bei „Waltz for Angie“, „Night in Egypt“ oder seiner Interpretation des Welthits „Money“ von Pink Floyd die Post abgeht. Da hält es Wagner nicht mehr auf seinem Klavierhocker, er schraubt sich in die Höhe, singt die wildesten Presto-Figuren mit und greift sich buchstäblich den ganzen Raum.
Aber außer Kontrolle ist das nicht. Die musikalische Substanz seiner Songs ist dafür zu stark, es geht eben nicht vordergründig darum, wie viele Töne in einer Sekunde man noch bewältigen kann, ohne dass ein wildes Durcheinander herauskommt.
Die wahre Substanz steckt im Wörtchen Transit. Mit seinen vorzüglichen Mitstreitern Hanns Höhn (Bass) und Andreas Neubauer (Schlagzeug) trifft dieses Trio die Seele des argentinischen Tango genauso überzeugend wie den erotisch angehauchten Zauber orientalischer Nächte, den Schmerz und die Kraft der Jazzer von New Orleans. Der Kontrabass und das Schlagzeug agieren auf musikalischer Augenhöhe mit dem Akkordeon, sie gehen manch scharfen Ritt des Bandleaders eine Strecke weit mit und setzen gleich darauf einen eleganten, weicheren und rhythmisch mit Raffinesse gewürzten Kontrapunkt.
Und die drei Jazzer haben noch einen besonderen musikalischen Spaß zu bieten. Aus den scheinbar so einfachen Volksliedern „Ein Jäger aus Kurpfalz“ und „Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal“ machen Wagner, Höhn und Neubauer ein pures Hörvergnügen irgendwo zwischen Jazz, Rock und Pop. Frech, frisch, frei und wenn man so will vogelwild. Auch so etwas gehört zu einem tollen Konzert.
Donaukurier | Karl Leitner
Es ist eindeutig eine Win-win-Situation. Jedesmal, wenn die Dutch Swing College Band, die große weltweite Institution des Oldtime Jazz, sich in Ingolstadt im Audi Forum die Ehre gibt, gönnen sich die Musiker nach der Anreise aus den Niederlanden am Vorabend des Konzerts erst einmal „eine halbe Bauernente und dazu dieses leckere bayerische Bier“, wie Leader, Kontrabassist und Band-Senior Adrie Braat mit sehnsüchtigem Blick kundtut. Das gehöre nun mal seit nunmehr zehn Jahren wie der auch diesmal wieder ausverkaufte Saal zum Ritual bei jedem Ingolstadt-Konzert des Sextetts, mit dem das Audi Forum und auch die Band selbst regelmäßig ein neues Konzertjahr eröffnen.
Im Gegenzug haben die hiesigen Fans der Musik von Louis Armstrong, Sidney Bechet, Kid Ory und Duke Ellington Gelegenheit, „Sweet Georgia Brown“, „The Bourbon Street Parade“, „Muscrat Ramble“ und all die anderen Klassiker ihrer Zeit zu hören, vorgetragen von einer der vermutlich besten und ganz sicher dienstältesten Bands innerhalb ihres Genres. Gegründet in Den Haag am 5. Mai 1945, dem Tage der Befreiung Hollands von den Nazis, hat die Band logischerweise etliche personelle Veränderungen hinter sich. Das derzeitige Line Up freilich ist schon ein ganz besonders hochkarätiges. Trompeter Keesjan Hoogeboom ist zugleich musikalischer Direktor der Band, David Lukás (Klarinette, Tenor- und Sopransaxofon) ist für den Großteil der Arrangements verantwortlich, Schlagzeuger Frits Landsbergen ist Humorbeauftragter und Posaunist Bert Boeren sowie Peter Kanters an Gitarre und Banjo komplettieren das Ensemble.
Nun laufen Musiker, deren Repertoire aus Stücken besteht, von denen die meisten zwischen 80 und 100 Jahre alt sind, immer Gefahr, dass sie irgendwann anfangen sich zu wiederholen. Was ja auch logisch wäre, nachdem der Großteil des Publikums jeden Abend ja nur darauf wartet, bis die ersten Takte von „Ice Cream“, „Petite Fleur“ oder „Tea For Two“ erklingen. Damit sich der damit irgendwann verbundene Ermüdungsfaktor erst gar nicht einstellt, wird ständig umarrangiert, das Programm neu zusammengestellt – reichhaltig genug ist der Fundus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ja – werden die solistischen Abläufe abgeändert und sogar ein paar „Fremdkörper“ in die Setlist eingebaut. Diesmal hat die Band Stücke ihrer Kollegen Chris Barber und Monty Sunshine im Gepäck, dazu den „Doghouse Blues“, eine Komposition des Bandgründers Peter Schilperoort und schließlich das brandneue „Klaaz“, ein Geschenk zum letztjährigen Bandjubiläum aus der Feder von Menno Daams. Dadurch ändert sich stilistisch zwar so gut wie nichts, wird aber ein weiteres Indiz offensichtlich für die ständige Weiterentwicklung der Band innerhalb ihres ganz speziellen Bereichs, den sie seit so vielen Jahren so maßgeblich mitbestimmt.
An welcher Position einer fiktiven, die letzten zehn Jahre umfassenden Qualitätsskala das Konzert von 2026 stehen müsste, ist aus dem Gedächtnis heraus nicht feststellbar und auch gar nicht entscheidend. Wichtig ist, dass die Band sich derzeit in extrem guter Verfassung befindet, deswegen auch einen hervorragenden Eindruck hinterlässt und allein schon deswegen ganz gewiss nicht zum letzten Male im Audi Forum zu Gast gewesen sein dürfte. Die Vermutung, dass bereits Vorbestellungen in Sachen Bauernente getätigt wurden, liegt also nahe.
Donaukurier | Karl Leitner
Das Quartett um die aus der Elfenbeinküste stammende und in Freiburg im Breisgau lebende Sängerin Cécile Verny eröffnet seit nunmehr 19 Jahren regelmäßig im Januar die Konzertsaison im Birdland Jazzclub in Neuburg, seit den letzten 15 Jahren jeweils mit Konzerten an zwei aufeinander folgenden Abenden. Und weil das, was sich seit Jahren bewährt, von sich reden macht, geschieht das auch regelmäßig vor ausverkauftem Haus.
Auch die Auftritte des Jahres 2026 reihen sich nahtlos ein in diese unvergleichliche Serie mit ihrer Mischung aus Jazz, Pop, Chanson und Soul, vorgetragen von einer Sängerin, deren ausdrucksstarke, voluminöse und wandelbare Stimme immer wieder erneut für Aufsehen sorgt, und von einer Band, die seit Jahren mit absoluter Präzision läuft wie ein Schwarzwälder Uhrwerk und die kompositorischen Vorgaben der in ihr versammelten Komponisten auf geradezu makellose Weise umsetzt. Das sind neben Verny selbst Andreas Erchinger (Klavier, Keyboards, Synthesizer), Lars Bender (Schlagzeug, Perkussion) und Bernd Heitzler (E-Bass, Kontrabass).
Man mag freilich einwenden, von dem Quartett, das da auch an diesem ersten Abend – denn von ihm ist hier die Rede – wieder mal ein Lächeln in die Gesichter der Zuhörer zaubert und einmal mehr beweist, wie gut Jazz ist, wenn er auch Pop ist, und wie reif Pop klingen kann, wenn er aus dem Jazz kommt, im Grunde genommen seit dem 17. April 2019 nichts Neues mehr gehört hat. Damals kam das immer noch neueste Album „Of Moons And Dreams“ auf den Markt und aus ihm sowie aus „Fear And Faith“ von 2013 stammen immer noch fast alle Songs des Programms. Lediglich das fast wie versehentlich als Zugabe in die Setlist gerutschte „Grateful“ weist den Weg in die Zukunft.
Andererseits spiegelt dieser Einwand nur die halbe Wahrheit wider. Songs wie „Krakatoa Moon“, „My Steps Their Beat“ oder „The Wild Heart Of The Earth verlieren ja nicht an Qualität, nur weil man sie schon des Öfteren gehört hat. „No I.D.“ und „As Soon As They Have All Aligned“ bleiben auch beim x-ten Male echte Kracher und überdies wurden sie ja auch noch in eine alternative Verpackung gesteckt. Noch nie präsentierte die Band ihren Best Of-Mix aus oftmals erprobtem und bewährten Material so spannend wie in diesem Jahr. Die Songs durchliefen im Vorfeld anscheinend einen Umarbeitungsprozess, der neue Arrangements ebenso enthält wie die behutsame Neuausstattung bekannter Strukturen mit akribischen ausgewählten Sounds und vergleichsweise zahlreichen Soli. Die Band als Ganzes rückt in diesem Jahr eindeutig in den Mittelpunkt, Instrumentalteile bekommen verstärkt Gewicht, die Längen der einzelnen Songs nehmen zu, die der Balladen erwartungsgemäß weniger, dafür die der Up- und Midtempo-Nummern um so deutlicher.
„Aus Alt mach Neu“. Diese alte Floskel trifft ziemlich genau, um was es der Band derzeit anscheinend geht. Man bereitet ein neues Album vor, ist aber noch in der Planungsphase und noch nicht so weit, dessen neuen Songs öffentlich zu präsentieren. Was für ein Glück, wenn man in dieser Zeit des Übergangs über eine ganze Reihe von Bandklassikern verfügt, die auch und gerade in ihren Neubearbeitungen einen derart nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Neuburger Rundschau | Reinhard Köchl
„Wir sind eine Tanzkapelle!“ Klingt grundsätzlich schon mal interessant, auch wenn so ein Satz auf der heiligen Bühne des Birdland-Clubs fällt, wo dessen Chef Manfred Rehm wegen solch populistischer Ausritte mahnend die Stirn runzelt. Und dann noch die Besetzung mit lediglich zwei Gitarren. Doch Joe Bawelino und Gige Brunner haben in der Tat jede Menge schwungvoller Rhythmen im Gepäck: Slowfox, Samba, Walzer. Und sie schicken sich an, eine lieb gewordene Tradition mit neuem Leben zu erfüllen. Denn das regelmäßige Weihnachtskonzert zweier Saitenhelden, auf das sich nicht nur Stammgäste immer wieder freuten, seit der Club 1991 im Hofapothekenkeller eine neue Heimstatt fand, schien nach dem Tod von Helmut Nieberle 2020 und der Erkrankung von Helmut Kagerer schlagartig beendet. Nun aber besteht Hoffnung auf einen Neustart, womöglich gar mit Langzeiteffekt – dank Bawelino und Brunner.
Dabei könnten die beiden Gitarreros unterschiedlicher kaum sein, nicht unbedingt optisch, sondern eher was den Spielstil anbelangt. Jeder nähert sich auf seine Weise den Themen, wobei das ungleiche Duo dabei immer wieder erstaunlicherweise einen gemeinsamen Nenner findet. Während der 62-jährige Gige alias Gerhard – im Hauptberuf Comiczeichner – dem im Folk gebräuchlichen Finger-Styling frönt und mit frappanter Gelenkigkeit kernig durch den Dschungel der wild wuchernden Harmonien galoppiert, versteht sich „Big Papa“ Joe mit seinen 79 Jahren als ein feiner Dekorateur eines großen Ballsaals, der die Tradition des Sinti-Gitarren-Übervaters Django Reinhardt fortführt, aber auch die großen Amerikaner Joe Pass, Wes Montogomery und George Benson mit jeder Faser aufgesogen hat. Bei solch konträrer Mixturen knirscht es normalerweise an allen Ecken und Enden. Doch Bawelino und Brunner kennen einander nun schon viele Jahre und wissen, dass sie vor allem als Duo glänzen können, wenn sie sich auf die Linien des jeweiligen Gegenübers einlassen, anstatt gegen sie anzuspielen.
Nur in ganz wenigen Fällen, wenn vor allem Brunner im Überschwang des Höllentempos die Gäule durchgehen, wird es ein wenig verhuscht und unsauber. Aber den Affenzahn schätzen beide offenbar sehr, wobei sie bei einigen Themen wie Fats Wallers „Honeysuckle Rose“ sogar problemlos über die Runden kommen, ohne dabei in eine Radarfalle zu tappen. Der Rest gleicht einer vorweihnachtlichen Wohlfühl-Musicbox für Erwachsene. Viele Themen besitzen einen hohen Wiedererkennungswert wie „Caravan“, „Samba De Orfeo“, das untrennbar mit den Beatles verknüpfte „Till There Was You“, „Whispering“ oder „Bye Bye Blackbird“. Die Kolorierung obliegt ganz klar Bawelino, der jeden Ton wie im wehmütigen „Nuages“ wägt und prüft, bevor er ihn erklingen lässt, oder lieber Schleifen und Linien knüpft, als effekthascherisch zu gniedeln. Vor allem in „Me Hum Mato“, einer Komposition der Sinti-Legende Schucknack Reinhardt, zeigt er sich von seiner intensivsten Seite. Bei „Big Papa“ klingt sogar dieses Stück, dessen Übersetzung aus der Sinti-Sprache so viel wie „Ich bin besoffen“ bedeutet, wie ein erhabener, melancholischer Sehnsuchtsmoment.
Wie üblich beim „B-Duo“ gibt es gleich drei Zugaben, eine davon ist der legendäre „Schorschi“, nämlich „Sweet Georgia Brown“. Wenn die beiden Freunde durch ihr Repertoire schlendern, wird mit einem Mal ihr Geheimcode in der Harmoniebegleitung sicht- und hörbar: die tiefe, fette, gemeinsam angeschlagene E-Saite. Damit lässt sich selbst bei kritischen Zuhörern ein Lächeln über die Zwei-Mann-Tanzkapelle auf die Lippen zaubern.
Donaukurier | Karl Leitner
Dieser Konzerttermin im Birdland Jazzclub kurz vor Weihnachten ist ein ganz besonderer. Seit man sich erinnern kann, ist er Gitarrenduos vorbehalten. Viele Jahre waren Helmut Nieberle und Helmut Kagerer im Gewölbe unter der ehemaligen Hofapotheke zu Gast, bevor die Aufgabe, das Publikum des Clubs auf das Fest einzustimmen, dann kurzzeitig dem Duo mit Martin Müller und Alex Kroll und dem mit Paul Brändle und Andreas Dombert zufiel.
In diesem Jahr unterhalten Joe Bawelino und Gige Brunner die Gäste mit einer ganzen Reihe von Standards und Klassikern des Jazz, von denen man die meisten begrüßt wie alte Freunde. „How High The Moon“, „There Will Be Another You“, „Oh Lady Be Good“, „Midnight In Vermont“ – man kennt sie, wenn nicht dem Namen nach, dann zumindest vom Hören, vielleicht nicht in Versionen, die auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten zweier Gitarren zugeschnitten sind, aber doch so gut, dass sie einem eigentlich nichts wesentlich Neues mehr bieten. Und obwohl man sich eigentlich längst satt gehört haben müsste, tun sie doch gut so kurz vor dem Fest, wenn Traditionelles wieder an Bedeutung gewinnt, die Lust auf ständig Neues zumindest kurzfristig etwas nachlässt, im Idealfall die Hektik abnimmt und man allmählich zur Ruhe kommt.
Diese Situation nutzen Bawelino und Brunner aus, und zwar auf ebenso professionelle, charmante, humorvolle wie familiäre Weise. „Wir sind eigentlich eine Tanzkapelle“, sagt Brunner mit einem Augenzwinkern, „und haben überhaupt keine Angst vor Gassenhauern, weil wir die großen Hits vergangener Tage ganz einfach lieben.“ Nicht wenige sind um die 100 Jahre alt – Fat’s Waller’s „Honeysuckle Rose“, „Whispering“ oder Ray Henderson’s „Bye Bye Blackbird“ zum Beispiel – und manche auch ziemlich abgedroschen, aber sie passen ganz einfach in die jahreszeitliche Umgebung und in eine Situation, in der es nicht um musikalische Analysen geht sondern darum, mit ihnen zusammen ein paar schöne, entspannte Stunden zu genießen.
Die beiden Gitarristen haben natürlich Vorkehrungen getroffen, damit der Abend nicht eintönig oder vielleicht sogar langweilig wird. Beide sind hervorragende Gitarristen, Bawelino baut immer wieder unerwartete Querschläger in seine Improvisationen ein, Brunner punktet als humorvoller Conferencier und ist der Lateinamerika-Spezialist an diesem Abend, integriert Luiz Bonfá und Antonio Carlos Jobim, Bossa Nova und Samba in die Setlist. Beide wechseln sich als Begleiter und Solisten ab, die Kommunikation innerhalb des Duos ist traumhaft sicher und bisweilen hat man den Eindruck, als säßen da nicht zwei Musiker, die insgesamt 12 Saiten bearbeiten, auf der Bühne, sondern ein ganzes Ensemble.
Trotz all der Gelassenheit und der Ausgeglichenheit, die Musik und Musiker gleichermaßen ausstrahlen, trotz der Ruhe und der Entspanntheit, die über der Szenerie liegt und obwohl der Abend so gar nichts vordergründig Spektakuläres an sich hat, zeigen die altehrwürdigen Stücke Wirkung, denn drei Zugaben kommen selbst beim Birdland-Publikum selten vor. Man ist kritisch, aber man zeigt auch deutlich, wenn einem etwas gut gefällt. So wie das Konzert von Joe Bawelino und Gige Brunner im Besonderen und die Birdland-Tradition vorweihnachtlicher Gitarren-Duos im Allgemeinen.
Donaukurier | Karl Leitner
„Alle Jahre wieder …“ – kommen Kerstin Schulz und ihre Band 4 Of A Kind in den Birdland Jazzclub nach Neuburg. Weit ist die Anreise der Musiker ja nicht. Schulz und Kontrabassist Michael Harnoß leben in Neuburg, Pianist Jens Lohse und Schlagzeuger Tom Diewock sind Ingolstädter und Tenorsaxofonist Christof Zoelch ist in Eichstätt zu Hause. Seit Jahren ist das Quintett als Aushängeschild der regionalen Jazzszene Stammgast im Birdland und legt auch beim diesjährigen Gastspiel im Keller unter der ehemaligen Hofapotheke Zeugnis davon ab, dass der Prophet im eigenen Land sehr wohl etwas gilt, und dass man eine Sängerin oder eine Band, die mit Jazz zu tun haben, nie in- und auswendig kennt, nur weil man sie des öfteren schon auf einer Bühne erlebt hat.
Und so ist das Birdland-Gewölbe wieder mal restlos ausverkauft, ziehen Schulz und die Band einmal mehr gänzlich neue Saiten auf und bestätigen all jene in der Wahl ihrer Abendgestaltung, mit der sie gute Livemusik der jahreszeitlich bedingten Alternative in Form des Weihnachtsmarktes am Karlsplatz draußen vor der Tür den Vorzug geben. Schulz, stimmlich prächtig in Form und längst erfahren genug, sie für ihre Zwecke optimal einzusetzen, steht wie gewohnt im Mittelpunkt. Sie ist für die Songauswahl verantwortlich, die sich wie erwartet deutlich unterscheidet von der des letzten Jahres, und dafür, dass Jazz, Blues und Pop gleichermaßen zu ihrem Recht und die Liebhaber von intimen Balladen wie etwa Hoagy Carmichaels „Nearness Of You“ oder „Bob Dorough’s „But For You“ ebenso auf ihre Kosten kommen wie jene, die es mehr mit Tom Waits, U2 oder den Eurythmics haben. Schulz beweist einmal mehr, dass sie sich in jedem Genre wohl fühlt und sogar im Bereich des Soul und dem des Chansons eine hervorragende Figur abgibt.
Dennoch wäre sie aufgeschmissen ohne ihre ersklassig besetzte Band, die sie nicht nur unterstützt, sondern gleichberechtigter Partner ist. Sie verfügt über alle Tugenden einer wirklich guten Jazzband, die Musiker beweisen durch die Bank Sinn für aussagekräftige Soli und setzten die Arrangements bravourös um. Durch sie bekommt jeder einzelne Song genau das klangliche Umfeld, das er braucht, um seine optimale emotionale Wirkung zu entfalten, sich deutlich vom Original abzuheben und trotz höchst unterschiedlicher Herkunft als „typisch Kerstin Schulz & 4 Of A Kind“ identifizierbar zu sein. Und durch die Detailarbeit von Sängerin und Band kommen auch die „Exoten“ – Lisa Wahlandt’s „Wunsch“ und Pink Martini’s „Sympathique“, wofür Schulz vom Englischen ins Deutsche und ins Französische wechselt – ihren Platz im Programm.
Sie vervollständigen nicht nur die breite stilistische Palette, dienen nicht nur der Struktur des Konzerts, sind nicht nur wichtig für die Dynamik des Abends, sondern ein weiteres Mosaiksteinchen im Erscheinungsbild dieser Band, die zwar in erster Linie „nur“ in der Region unterwegs ist, die man aber – als deren Botschafter sozusagen – in dieser Form auch bedenkenlos auf Tour durch die Republik schicken könnte. Und noch eins wird deutlich: Es ist absolut zweitrangig, ob Musiker in arbeitsrechtlicher Hinsicht Amateure oder Profis sind, ob sie haupt- oder nebenberuflich auf der Bühne stehen, in der Bildergalerie an den Clubwänden verewigt sind oder nicht. Auf die Klasse kommt es an.
Neuburger Rundschau | Peter Abspacher
In der Adventszeit, wenn sich die „Local heroes“ im Birdland Jazzclub die Ehre geben, ist das Gewölbe unter der alten Hofapotheke immer bestens gefüllt. Beim Konzert von Kerstin Schulz & Band 4 Of A Kind sogar mehr als das. Auch die winzigen Stehtische, die Barhocker und ein paar Treppenstufen mussten herhalten, um alle Zuhörerinnen und Zuhörer unterzubringen.
Nun ist es nicht ganz so schwer, ein Publikum zu begeistern, das zu einem beträchtlichen Teil aus Freunden und Fans von Kerstin Schulz und ihrer vier Bandmitglieder Christof Zoelch (Saxofon), Michael Harnoß (Bass), Tom Diewock (Schlagzeug) und Jens Lohse (Piano) besteht. Die Herausforderung liegt darin, dies Jahr für Jahr wieder zu schaffen. Das gelingt nur, wenn die Aktiven den Anspruch an sich selbst hoch zu halten und sich auch auf neues Terrain wagen.
Diesen Mut und das dazugehörige Können haben Kerstin Schulz und ihre vier Mitstreiter bewiesen. Die Jazz-Altistin mit ihrem raumfüllenden Organ hat noch einmal einen Sprung nach vorne gemacht. Sie zeigt an diesem Abend, wie viele Seiten der Stimmführung, der Dynamik, der Emotionen sie drauf hat. Nach zwei Stunden strahlt sie eine glückliche Erschöpfung aus – und ein bisschen (berechtigten) Stolz.
Stolz auf ihre Leistung dürfen alle fünf Aktiven sein. Das Konzept, Top-Songs der Popmusik wie „Don’t think twice“ von Bob Dylan, „Sweet dreams“ von Eurythmics, „Temptation“ von Tom Waits oder „Dance me to the end of love“ von Leonhard Cohen in ihre Jazz-Sprache zu transformieren, ist ambitioniert, und es geht auf.
Die Sängerin versenkt sich oft regelrecht in die Seele der einzelnen Songs, mit weichem Cantabile, fast in der Sopran-Lage („Temptation“), mit leicht rauchigem Sound voll kontrollierter Power (bei „Tennessee Whiskey“) und mit dramatischen Ausbrüchen, wo es geboten ist. Und alles in einer klaren Artikulation, die jedem Detail des Textes Gewicht gibt.
Kluge, saubere Artikulation und konzentriertes Mitdenken zeichnen bei diesem Konzert alle vier Bandmitglieder aus. Am Schlagzeug sitzt mit Tom Diewock ein Jazzer mit dem Gespür, dass weniger oft mehr sein kann, ein Meister der kleinen Akzente. Michael Harnoß gibt dem Kontrabass Leichtigkeit und Wärme, Christof Zoelch lässt die Intensität des Altsaxofons in seinen Soli ebenso wie im scheinbar unbedeutenden Motiv aufblühen. Und am Bösendorfer-Flügel ist mit Jens Lohse ein blitzgescheiter und natürlich fingerfertiger Jazzer am Werk.
Auch musikalischer Witz kommt nicht zu kurz. Der Song „Wunsch“ von Lisa Wahlandt fächert zwischen „Ich wünsch mir einen jungen Mann, mit dem man Pferde stehlen kann“ bis zum „einen reichen Mann, der mir die Pferde kaufen kann“alle möglichen Wünsche einer Frau auf. Man darf und soll sich vieles dazu denken. Diese Musik ist erfrischend und schön frech. Ein vergnüglicher Abend.

