Presse

Roberto Negro „Dadada“ / Papier Ciseau | 25.09.2021
Neuburger Rundschau | Ssirus W. Pakzad
 

Noch spannender als die Vita des Roberto Negro ist eigentlich nur die Musik dieses italienischen Pianisten und Komponisten: nie lässt sich vorausahnen, wohin und wie sich seine detailreichen Stücke bewegen könnten. Ständig lockt der in Turin als Sohn eines Unternehmerpaars geborene, im Kongo aufgewachsene und heute in Frankreich lebende 40jährige seine Zuhörerinnen und Zuhörer auf falsche Fährten. Mit lausbübischem Grinsen schlägt er einen Haken nach dem anderen, öffnet Wundertüte um Wundertüte. Es gehe ihm darum, sich und andere stets zu überraschen, wird er nach seinem umjubelten Konzert im Neuburger Birdland sagen.

Dort führte er die Musik zweier Alben auf: eines spielte er mit dem Quartett „Papier Ciseau“, das andere mit dem Trio „DaDaDa“ ein. Die auf diesen Werken enthaltenen Stücke sind ziemlich dada und oft auch erfrischend gaga. Roberto Negro traut sich was, erzeugt Spannung, weil er stets mit starken Kontrasten arbeitet. Seine Musik kann kindlich unbefangen und sehr spielerisch, im nächsten Augenblick aber wieder sehr streng und verdammt erwachsen sein. Sie ist mal unglaublich zart, mal brutal, mal frei improvisiert, mal ausnotiert, mal tief einatmend, mal von hechelnder Intensität, mal verwunschen und diffus, mal ganz klar und gerade heraus. Es steckt so viel an Information, Emotionen und versteckten Hinweisen in seinen einst aus Improvisationen entwickelten Kompositionen, dass sie stets mit einem langen Nachhall enden. Es dauert oft viele Sekunden, bis dann endlich ein Applaus losbricht, der in dieser Stärke im Birdland bislang selten zu war. Pure Hysterie.

Für seine cinematisch anmutenden musikalischen Abenteuer hat sich Roberto Negro die passenden Spielgefährten ausgesucht – zwei, die sich wie er selbst stets ergebnisoffen präsentieren: zum einen den vielleicht bedeutendsten Sopransaxofonisten seiner Generation, den 38jährigen Franzosen Émile Parisien, der mit vollendetem Ton zu spielen weiß, der unendlich viele Wendungen kennt oder neue ausprobiert, der elegant, aber auch mit rebellischem Schalk durch Negros Vorlagen kurvt. Und dann ist da – als Dritter im Bunde – der italienische Schlagzeuger Michele Rabbia. Wobei der Begriff Schlagzeuger eine nicht vollständig zutreffende Berufsbezeichnung für den 56jährigen ist. Natürlich gibt er auch mal den Rhythmus, den Puls vor, ist für Akzente zuständig. Meist aber dient Rabbia dem Trio als Soundzauberer, der Flächiges, sanft Schimmerndes beisteuert, der mit Stöcken, Besen oder bloßen Händen auf Trommeln, Becken, mit Klangschalen, gespanntem Bogen oder auch mit endlich einmal sinnvoll genutzten Plastiktüten gar Wundersames erzeugt. Auch Elektronik setzt er ein – so sensibel wie kaum jemand sonst heutzutage. Wo andere im Spiel mit den digitalen Möglichkeiten nur nerven, nutzt Rabbia sein Equipment zur sinnvollen Unterstützung: er verlängert manuell erzeugte Töne, gibt ihnen mehr Fülle und Raum, umspielt sie sanft.

Das Konzert von Roberto Negro, Émile Parisien und Michele Rabbia war nicht weniger als eine Sensation, war ein Auftritt, der noch lange, sehr lange nachwirken wird. Am Ende blieb die Frage, was wir vom Bandleader dieses Dreiers wohl noch erwarten dürfen? So viel sei schon einmal verraten: im Interview erzählte Roberto Negro, dass er gerade an Musik für ein großes Ensemble arbeitet, besetzt mit Klavier, Bass, Schlagzeug, Cello, Harfe, Vibrafon, Waldhorn, zwei Trompeten und Klarinette. Hoffentlich ist er mit diesem üppigen Klangkörper auch einmal im Birdland zu hören.


Roberto Negro „Dadada“ / Papier Ciseau | 25.09.2021
Donaukurier | Karl Leitner
 

Bumm! Was für ein sensationelles Konzert! Welch überbordende Kreativität! Welch atemberaubende Klänge aus einem anderen Universum! Papier Ciseau mit Roberto Negro am Flügel, Emile Parisien am Sopransaxofon und Michaele Rabbia am Schlagzeug und an der Perkussion verwandeln das Birdland in einen Tempel der Avantgarde und lassen das Publikum am Ende vor Begeisterung tobend zurück.

Dabei spielen die drei, die längst zur europäischen Spitzenklasse des Modern und des experimentellen Jazz zählen, höchst abenteuerliche Musik. Die erste Hälfte des Konzerts trägt die Überschrift „DaDaDa“, die zweite „Papier Ciseau“. Das sagt schon einiges, aber längst nicht alles. Es geht um Dadaismus und Dekonstruktivismus, ja, aber eben auch um straffe Organisation und auskomponierte Passagen, es geht um Ligeti, Satie und Debussy, aber auch um geradezu kindlich verspielte Melodien, es geht um Klangfetzen wie aus dem Kurzwellenradio, Überreichweiten, Schmatzgeräusche und Echos aus dem Ultraschallgerät, aber auch um ganz herkömmliche Linien und Akkorde auf den weißen und schwarzen Tasten und um Saxofonsoli alter Schule.

Ganz wichtig ist die Elektronik, die von allen dreien nicht nur zur Erzeugung von Geräuschen eingesetzt wird, sondern auch gleich wieder zu deren Verfremdung, als Gestaltungselement für diese geradezu wahnwitzigen Kompositionen, die Namen tragen wie „Odile“, „Telex“, „Shampoo“ oder auch „Neunzehn“. Oft steht nur ein via Laptop abgerufenes zaghaftes Blubbern oder ein schüchternes Rauschen an deren Beginn, dann entwickelt sich daraus plötzlich eine nicht aufzuhaltende Eigendynamik, die Instrumente setzen ein, erzeugen eine fast bis zur Unerträglichkeit gesteigerte Spannung, die sich dann in einer Eruption, einem orgiastischen Ausbruch entlädt. Man sitzt als Zuhörer mittendrin und fragt sich ein ums andere Mal, was hier eigentlich abläuft. Hier sprüht eine Band geradezu vor Leidenschaft, birst schier vor Ideenreichtum, versprüht dabei auch noch Humor und Witz und klatscht sich nach vollbrachter Großtat ab, sichtlich selber glücklich über das Ergebnis ihres Tuns.

Man würde den Dreien an diesem Abend alles zutrauen. Wenn Parisien bei einem seiner entfesselten Soli das Publikum anstiert, mitunter dabei nur auf einem Bein stehend, dann ist er der Rattenfänger im positiven Sinne, der Hypnotiseur, dem man bedingungslos überall hin folgen würde, ohne das Ziel zu kennen. Der Rausch des Augenblicks ist einfach zu verführerisch. Und am Ende gibt es wohl keinen einzigen Gast im Birdland, der nicht begeistert wäre von diesem Trio, das ja beileibe keine einfach zu konsumierende Musik macht, sondern der Zuhörerschaft schon einiges abverlangt. Sogar die Zugabe fällt aus dem Rahmen. Die drei verteilen sich im Birdland-Gewölbe und nutzen die tolle Akustik des Raumes für einen dezenten aber deswegen nicht minder spektakulären Abgang.

Es wird Negro, Parisien und Rabbia derzeit ja nachgesagt, sie seien auf dem besten Weg, sich in den europäischen Jazz-Olymp zu spielen. Nach diesem Konzert zu urteilen, sind sie dort längst angekommen, und zwar ganz oben.


Adam Nussbaum Quartet | 24.09.2021
Donaukurier | Karl Leitner
 

Huddie Ledbetter alias Leadbelly (1889-1949) ist eine Legende des Country Blues. Eric Clapton, Rory Gallagher und CCR übernahmen seine Stücke in ihr Programm, Ram Jam brachten sein „Black Betty“ sogar in die Hitparaden. Jazzmusiker hingegen haben sich seines Erbes eher selten angenommen. Das ändert nun das Adam Nussbaum Quartet aus New York City mit seinem Projekt „Leadbelly Reimagined“. Wie selbiges in der Live-Version klingt, kann man an diesem Abend im Birdland in Neuburg erfahren.

Der Blues ist der Anfang aller Dinge, auch des Jazz. Gerade der unverstärkte Country- und der Delta Blues ist geprägt von tiefer Emotionalität. Weil er sich einer einfachen Form bedient, ist er die ideale Ausdrucksform für Gefühle abseits jeglicher Heuchelei, spiegelte in seiner Ur-Form oft die unmenschlichen Lebensbedingungen der Schwarzen in den USA wider und war nicht selten ein Hilfeschrei. Es ging in seiner Frühzeit nicht um kompositorische Spitzfindigkeiten, wohl aber um Ehrlichkeit. Wer den Blues nicht als Lebensgefühl vermitteln konnte, zählte nichts, wer ihn „hatte“, wurde akzeptiert.

Schlagzeuger Adam Nussbaum, Tenorsaxofonist Ohad Talmor und die beiden Gitarristen Steve Cardenes und Nate Radley haben es sich zur Aufgabe gemacht, den heutigen Modern Jazz mit dem Blues der 1920er und 1930er Jahre zu kombinieren, also die authentische, archaische, rein emotionale Komponente zu verknüpfen mit der stets um neue Ausdrucksformen bemühten, kreativen und, ja, durchaus auch intellektuellen des heutigen Jazz. Bei welchen Stücken dies am ehesten gelingt, kann man gut an der Reaktion des Publikums ablesen. „Rock Island Line“ (gecovert und für den Skiffle aufbereitet von Lonnie Donegan) und „Tell Me Where Did You Sleep Last Night“ (gecovert und für den Grunge aufbereitet von Nirvana) kommen bestens an. Immer dann, wenn der Rock-Anteil ansteigt, die Band also straight spielt, und dafür die Dichte der jazzigen Verästelungen abnimmt, das harmonische Bluesschema deutlicher wird, der Groove rhythmische Finessen verdrängt, desto mehr setzt sich beim Hörer der Bauch gegen das Gehirn durch.

Nussbaum und seine Kollegen loten das ganze Spektrum aus, spielen in der ersten Hälfte jazziger, in der zweiten bluesiger, lassen auf diese Weise zwei Betrachtungsweisen aus verschiedenen Blickwinkeln zu. Der Country Blues aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts und der Modern Jazz von heute sind die Eckpunkte, die hier behutsam einander angenähert werden. Jeder einzelne im Publikum muss wohl für sich selbst entscheiden, an welcher Stelle der langen Distanz zwischen diesen zwei Polen er sich verortet. Waren um 1920 herum Blues und Jazz in New Orleans noch weitgehend Hand in Hand unterwegs, gilt das, nach unzähligen Umwälzungen in beiden Lagern und trotz des Marsalis-Clans einer- und dem der Neville Brothers andererseits, ja längst nicht mehr automatisch. Adam Nussbaum wagt den Schulterschluss über ein komplettes Jahrhundert hinweg trotzdem und sorgt damit für einen höchst interessanten, aber vermutlich eben auch polarisierenden Abend.


Ron Carter Quartet | 21.09.2021
Donaukurier | Karl Leitner
 

Es gibt viele herausragende Kontrabassisten im Jazz, aber die Institution an diesem Instrument ist Ron Carter. Wenn der 1937 in Michigan geborene Gigant zu Gast im Birdland ist, wird sogar der ansonsten veranstaltungsfreie Dienstag zum Konzerttag und die Jazzfans strömen aus ganz Süddeutschland zusammen.

Was macht diesen Ron Carter so besonders? Dass er auf über 2.200 offiziell veröffentlichten Tonträgern zu hören und damit der gefragteste Musiker des Jazz überhaupt ist? Dass er mit dem einfühlsamen Pianisten Donald Vega, dem dezent agierenden Payton Crossley am Schlagzeug und dem immens ausdrucksstarken Tenorsaxofonisten Jimmy Greene eine handverlesene, exzellente Band mit ins Birdland bringt, bei der er zwar als Chef fungiert, sich aber gleichzeitig als Primus inter Pares versteht? Dass er so hinreißende Eigenkompositionen wie „Little Waltz“ und auch Fremdmaterial wie „There’ll Never Be Another You“ und Miles Davis‘ „Seven Steps To Heaven“ so absolut überzeugend interpretiert? Dass ihm mit seinem großen Solo anlässlich Charles Mitchell’s „You Are My Sunshine“ schließlich ein wahrer – man kann es schier nicht anders bezeichnen – „Geniestreich“ gelingt?

Das alles zeichnet Ron Carter an diesem Abend im Birdland aus, macht das Konzert zu einer Sternstunde im mit Top-Acts ja nicht gerade spärlich besetzten Programm des Clubs. Das Einzigartige aber ist sein Ton, dieser lässige, kräftige, klare und volle Sound, auf den er so viel Wert legt, der aber gleichzeitig so ungemein leicht ist, niemals übertreibt, auf dem man es sich als Zuhörer so wunderbar bequem machen kann, der immer auch Sicherheit ausstrahlt. Wobei man stets aber auch die Kraft spürt, die hinter seiner Spielweise steckt, diese regelrecht zu greifende Spannung. Carter konserviert die Dramatik des Augenblicks die ganze Zeit über, spielt mit ihr, gibt den Grad der Intensität vor, lässt seinen Mitmusikern aber auch Raum, sich auf dem von ihm vorgegebenen Level zu entfalten. „Bei uns weiß niemand, was wann genau passiert“, sagt Carter über seine Band.

Nun, was im Birdland tatsächlich passiert, ist offensichtlich. Magische Momente, hervorgerufen von einer Persönlichkeit, die nie ihr Ego vor sich her trägt, sondern sich und ihre Virtuosität ganz in den Dienst der Musik stellt. Schade, dass man dieses Konzertereignis nicht in konservierter Form mit nach Hause nehmen kann. Auf den beiden CDs „Foursight: Stockholm Vol.1“ und „Vol.2“ finden sich zwar Teile Programms wieder, aber kein Auftritt ist wie der andere, vor allem bekanntlich im Jazz nicht.

Dass es am Ende keine Zugabe gibt, nimmt Carter niemand krumm. Schließlich ist er 83 und hat gut zwei Stunden mit Maske gespielt, hat sie nur kurz für die Ansagen abgenommen. Das ist überaus anstrengend. Und außerdem war nach einem kurzen Ausflug zu John Coltrane’s „A Love Supreme“ – ja, auch mit ihm hat er Platten aufgenommen – und seinem Dank ans Publikum in Form von „You And The Night And The Music“ ja eh alles gesagt. Ein wahrlich denkwürdiger Abend im Birdland.


Ron Carter Quartet | 21.09.2021
Augsburger Allgemeine | Reinhard Köchl
 

Natürlich die Musik: Ron Carter! Einer der letzten Überlebenden einer immer mehr verblassenden, glorreichen Zeit, ein „Jazzosaurier“. Muss man unbedingt hin. Immerhin ist der Mann ja schon 84. Aber da ist auch noch etwas anderes: Auf der Bühne des trotz des Wochentermins seit langem wieder mal pumpvollen Neuburger Birdland-Jazzclubs stehen vier Musiker, die während des gesamten zweieinhalbstündigen Konzertes einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Nur Tenorsaxofonist Jimmy Greene nimmt seine Maske für seine Einsätze kurzzeitig ab. So etwas gab es hier und wahrscheinlich in Deutschland noch nie.

Carter, Greene, der Pianist Donald Vega und der Schlagzeuger Payton Crossley tun dies – wie sie später erklären – aus Respekt vor dem Publikum, vermutlich aber auch, weil sie die höchst unterschiedlichen Auslegungen der Corona-Regeln auf ihrer derzeit laufenden Europatournee verunsichern: An einem Abend penibel streng, am anderen wieder erschreckend sorglos. Während hierzulande Stars wie Nena der Verbreitung des Virus bei ihren Konzerten trotzig querdenkend alle Türen öffnen, zeigen uns ausgerechnet vier farbige Amerikaner, wie es geht. In ihrer Heimat kommt das Tragen einer Maske sowieso einem politischen Statement gleich: Die es tun, sympathisieren mit den Demokraten, die es ablehnen, halten den Republikanern und Trump die Treue.

Es passt zur edlen Haltung von Ron Carter, dieser Instanz am Kontrabass, auch in dieser Frage klare Kante zu zeigen. Der Gentleman aus Downtown Manhattan, der an der Seite von Miles Davis selbst zu Ruhm und Ehre gelangte und durch seine Mitwirkung an weit mehr als 2200 Alben heute als der meist aufgenommene Bassist der Welt gilt, macht auch nach über sechs Jahrzehnten im Geschäft und an diesem ganz speziellen Abend im Birdland mehr, als bloß seinen Job. Er zelebriert nach wie vor jede Note, genießt das fließende, organische Zusammenspiel mit seiner Band und bekennt aufrichtig, dass er sich freue, wieder in dem atmosphärischen Club in Neuburg, in dem er schon mehrere Male auftrat, und vor dessen Fans spielen zu dürfen: „We missed you!“ Spontane Antwort aus dem Publikum: „We missed you, too!“

Die Wiederhörensfreude mündet in einer – fast schon von ihm erwarteten – hinreißenden Performance. Da sind die feinen Zwiegespräche, die er mit seinem Pianisten oder seinem Drummer führt, die behutsam entfalteten. nebelverhangenen Balladen wie „My Funny Valentine“ und sein wie ein kunstvolles Stuckgemälde gestaltetes Solo über das Thema von „You Are My Sunshine“. Faszinierend, wie behutsam die Saiten vibrieren. Punktgenauer Ton, bedingungslos klar. Und leise. Die längsten Finger des Jazz tanzen scheinbar schwerelos auf dem Holzsteg entlang; sehnig, filigran und elegant. So wie Ron Carter klingt in der Tat kein anderer. Sein Kontrabass fabriziert häufig einen knackigen Groove wie ein E-Bass, und doch ist es immer klar definierbar der Sound eines klassischen Instruments. Irgendwann schwillt das Geräusch unter den Skorpion ähnlichen Händen unwiderstehlich an. Payton Crossley streichelt dazu dezent die Becken, und Jimmy Greene sowie Pianist Donald Vega schieben den Chorus auf die fein gehäkelte Rhythmusdecke.

Die meisten Stücke strukturiert das Quartett im Stil von Suiten. Keine Pausen, nur leichte Veränderungen bei den Tempi und Tonarten, die eine andere Atmosphäre einziehen und den Beginn eines neuen Songs erkennen lassen. Die „Sätze“ heißen „Cominando“, eine knisternde Hardbop-Struktur, die den Geist der 1960er Jahre innerhalb weniger Takte ins 21. Jahrhundert transportiert, „Joshua“, seine Reminiszenz an Miles, den alten Freund und Partner oder „Mr. Bow Tie“. Carters Puls gibt stets die Richtung vor, würde aber niemals die Fantasie der Zuhörer, die Wucht des Momentums durch einen Ego-Anfall zerstören. Auch an einem Abend wie diesem, der mit der herrlichen Zugaben-Danksagung „You And The Night And The Music“ endet, fällt es einem zum tausendsten Mal auf, dass es eigentlich der lange, drahtige Kerl war, der den Kontrabass endgültig aus der Schmuddelecke des Hintergrundinstruments hervorzerrte und ihn ins Zentrum der Bühne rückte. Jeder seiner Töne ist ein Statement für sich, wohl ausgesucht und etwas ganz Besonderes. Zusammen sind sie eine machtvolle Botschaft. Die Musik brummelt in den Köpfen weiter, selbst wenn Ron Carter keine Töne mehr erzeugt und nur noch seine sehnigen Finger spielerisch in der Luft bewegt. Dieser Zauber funktioniert immer und immer wieder – ob mit oder ohne Maske.


Pablo Held Trio & Nelson Veras | 18.09.2021
Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

Pianist Pablo Held, Bassist Robert Landfermann und Schlagzeuger Jonas Burgwinkel gelten als eines der wichtigsten Pianotrios der aktuellen europäischen Jazzszene. Bei ihrem gemeinsamen Konzert mit dem Gitarristen Nelson Veras im Neuburger Birdland zeigte sich eindrucksvoll, warum das so ist.
Fast schon symptomatisch der Einstieg ins Titelstück des aktuellen Al-bums »Ascent«: Ein fein geknüpfter Rhythmusteppich mit fantasievoll gestalteten Mustern, auf dem sich alsbald mit großer Entdeckerfreude ein munteres Geschehen entfaltet.

Kaum zu überbieten das Zusammenspiel der Drei an innerem Zusammenhang und -halt, gemeinsamem Spielverständnis, aufeinander bezogener Kommunikationskultur und interaktiver Fantasie. Die ist indes nicht ungezügelter Selbstzweck, sondern immer getragen von einem inneren roten Faden, der es meist nicht leicht macht, zwischen Komponiertem und Improvisierten trennscharf zu unterscheiden. Die Komplexität der Musik des Trios spannt weite Bögen von immer wieder Staunen erregender Dichte.

Die Attraktivität und Raffinesse des Gebotenen wird noch einmal erhöht durch den Vierten im Bunde. Der brasilianische Gitarrist Nelson Veras schmiegt sich mit seiner Nylon-besaiteten Gitarre förmlich in den kunstvoll verschlungenen Tanz des Trios, einerseits eng eingebunden, andererseits mit distinguiert dosierter Würze, die mal um Mal das Ge-schehen auf neue Pfade lenkt: Feinste Ausgewogenheit der Inspiration, sublim perlende Läufe und ein traumwandlerisches Gespür für den glücklich gelungenen Augenblick!

Mal hüllen wahre Klangwolken den Jazzkeller in ein Getriebe von geradezu stiebender Dichte, dann wiederum lichtet sich das Geschehen zu entwaffnender Offenheit. Gleichwohl: Jeder Ton zählt. Dass dabei Feeling, Transparenz und Leichtigkeit nie verloren gehen, selbst ausgefuchste Episoden des Flugs der Elementarteilchen nicht zu Kopfgeburten erstarren, das ist eben auch in diesem herausragenden Konzert das Geheimnis des Jazz, der ohne seine swingende Grundessenz auch dann nicht zu den-ken ist, wenn er zu intensivem Hinhören einlädt.


Pablo Held Trio & Nelson Veras | 18.09.2021
Donaukurier | Karl Leitner
 

Das Trio des Pianisten Pablo Held mit Robert Landfermann am Kontrabass und Jonas Burgwinkel am Schlagzeug existiert bereits seit 15 Jahren. Ab und zu laden sich die drei einen Gastmusiker ein. Auf der Bühne des Birdland Jazzclubs in Neuburg hat diese Rolle der brasilianische Gitarrist Nelson Veras inne, wobei „Gast“ eher „assoziiertes Mitglied“ bedeutet.

Wie kaum sonst eine Formation im deutschen Jazz lotet das Quartett alle Möglichkeiten des Modern Jazz aus, überschreitet immer wieder die Grenzen hin zur Avantgarde, spielt Unerhörtes und gleichzeitig bislang Ungehörtes, ist stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Held selbst spricht vom „freien Komponieren“ als seiner Art, Stücke zu entwerfen. Daraus entstehen lange, ungemein spannungsgeladene Werke wie „Bernsteinfantasie“ oder „Ascent“ aus der gleichnamigen neuen CD, in denen Fripp’sche Loops ebenso vorkommen wie dezente klangliche Landschaftsmalereien, in denen es rasant über Stock und Stein geht, teils auf ungemein verschlungenen Pfaden und mit Musikern, die fast bersten vor Energie. Eine markante Bassfigur, eine mehrmals auftauchende Akkordreihe auf dem Flügel, eine wiederkehrende Schleife des Gitarristen – das sind ganz bewusst eingerammte Markierungspfosten, die dem Hörer den Zugriff erleichtern und die Sache immer wieder erden.

Das Publikum ist durchaus gefordert. Konzentriertes Zuhören ist unverzichtbar, aber es gibt auch Passagen, in denen man genüsslich ein- und abtauchen kann in diese ganz eigenen Klangwelten, in diesen Kosmos, der für das Quartett im Laufe des Konzerts immer mehr zum Markenzeichen wird. Würde man einen der Musiker besonders herausheben, täte man den anderen unrecht. Hier wird – wie an anderer Stelle im Jazz durchaus nicht unüblich – niemand „gefeatured“, während die Kollegen in den Begleitmodus schalten. Nein, diese Stücke sind auf ein Ensemble hin angelegt. Hier gibt es zwar auch Soli und spontan vollzogene Richtungswechsel, das Grundkonzept des Quartetts aber ist die ständige gemeinsame Bewegung aller Beteiligten auf ein genau definiertes Ziel hin. Es findet ein permanenter Austausch statt, wobei natürlich nach 15 gemeinsamen Jahren jeder ganz genau weiß, wie seine Kollegen ticken, dass sie auf jeden Fall mitziehen werden, wohin die Reise auch gehen mag.

Dieses Konzept funktioniert dermaßen perfekt, dass man als Zuhörer nur staunen kann. Auch die ursprünglich für Jazzband und Kammerorchester transkribierten „Exzerpts from Rachmaninov’s 4th Piano Concert“ fügen sich ein in dieses Schema, bieten gleichermaßen straffe Organisation und Freiraum für Improvisationen. Der „Absacker“ in der Zugabe schlägt die Brücke zu einem gemeinsamen Konzert des Pablo Held Trios mit John Scofield als Gast an gleicher Stelle. Damals – 2014 war’s – spielte man auf äußerst behutsame Weise Held’s „Nocturne“. Nelson Veras ist nicht Scofield, das ist offensichtlich, aber auch unter seiner Federführung wird diese zarte Komposition zu einem Kleinod. – Ein äußerst intensiver Abend mit großartiger Musik.


Joe Magnarelli – Dmitry Baevsky Quintet | 17.09.2021
Neuburger Rundschau | Thomas Eder
 

Sie waren schon mal da. Im März 2019 als New York Blue Note Quintet. Nur der Pianist und der Bassist wurden wohl aufgrund der gegenwärtigen Reise-Einschränkungen anders besetzt und die Band umbenannt. Das tat der Performance aber keinen Abbruch.

Das Quintett eröffnete mit einem fetzigen Blues. Die beiden Bläser stellten in herrlicher Einigkeit das Thema vor, bevor sich jeder einzeln musikalisch präsentierte.

Erst Bandleader Joe Magnarelli mit knackigem aber warmem Trompetensound, gefolgt von Dmitry Baevsky am Altsaxophon. Bei dem in St. Petersburg geborenen Wahlpariser, der während seines Spiels wie festgewachsen auf der Bühne wirkte, war man ständig überrascht, mit welch präsentem Ton er seine nicht enden wollenden Einfälle auf sein Instrument überträgt. Die Ideen purzelten aus ihm mit viel Gefühl und wohl überlegt wie aus einer Ballmaschine. Hätte er in diesem Höllentempo die Zeit dazu, würde er seine Geschichten bestimmt noch intensiver ausschmücken. Spannend.

Mini Schulz agierte auf einem Kontrabass, der lange Zeit von Buster Williams gespielt wurde – ein Instrument auf dem die tiefe E-Saite anhand von kleinen Kapodastern auf D oder C heruntergestimmt werden kann. So etwas sieht man nicht so oft und wie originell Mini mit dem Bogen hantiert, das hört man nicht so oft, dafür umso lieber.

Bernd Reiter am Schlagzeug ist der Mann, der die Bude zusammenhält. Diese Musik verlangt energische Beckenarbeit und oft harte Schläge. Die Gefahr ist groß, dass der Drummer den Pianisten überdeckt und es ist hohe Kunst die Balance zwischen diesen beiden Instrumenten zu finden. Aber selbst empfindliche Zuhörer mussten zugeben, dass dem Bernd das wieder mal auf vortreffliche Weise gelungen ist.

Und so kam auch Oliver Kent an den weißen und schwarzen Tasten immer wieder voll zur Geltung. Man hörte gerne hin, was der wendige Österreicher dem Publikum darbot wenn er als Solist an der Reihe war.

Den Takt gab Joe Magnarelli an, der in New York lebt und in den Bands vieler Berühmtheiten der Musikwelt seinen musikalischen Fingerabdruck hinterlassen hat, was übrigens auch für die anderen Mitglieder dieser Formation gilt. Wenn er von der Trompete aufs Flügelhorn wechselte und eine Ballade anstimmte und der Schlagzeuger noch mit feiner Besenarbeit einstimmte, dann übertrug sich die Tiefenentspannung von der Bühne in den Saal.

Es war ein typisches Bebop-Konzert, wie es auch in den 1940er bis 1960er Jahren üblich war und bei dem das Publikum die Soli jedesmal mit Applaus quittierte. Die Songs stammten aus den Federn von Harold Mabern, Benny Golson, Jerome Kern oder Joe Magnarelli.

Die Zugabe „Be my love“ von Nicholas Brodszky wirkte wie der lässig improvisierte Abspann nach einer großen Show von der die begeisterten Zuschauer mit Sicherheit noch lange zehren werden.


Joe Magnarelli – Dmitry Baevsky Quintet | 17.09.2021
Donaukurier | Karl Leitner
 

Endlich gibt’s auch wieder Live-Jazz mit internationaler Beteiligung. Im Birdland Jazzclub in Neuburg zumindest. Das freut nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker, die so ziemlich alles dafür tun, dass die Live-Szene wieder so richtig in Schwung kommt. So hat die Band, die da auf der Birdland-Bühne steht, gerade eine neunstündige Autofahrt von Bologna hinter sich, als sie sich anschickt, einen feurigen Ritt durchs Bebop-Land zu unternehmen.

Man orientiere sich dabei am Great American Songbook, hieß es vor dem Konzert, aber zum Glück schlagen der New Yorker Trompeter Joe Magnarelli, der in Paris lebende Altsaxofonist Dmitry Beavsky, Pianist Oliver Kent aus Wien, der Stuttgarter Bassist Mini Schulz und Schlagzeuger Bernd Reiter aus Graz auch jene Seiten dieses Standardwerks auf, die vergleichsweise oft überblättert werden, und interpretieren nicht nur die durchaus erwartbaren Jerome Kern und Benny Golson, sondern eben auch beispielsweise „I Remember Britt“ und „Beehive“ von Harold Mabern, jenes Pianisten, der selber schon zu Gast im Birdland war, oder „Nascimento“ von Barry Harris.

Bereits die ersten Takte der Eröffnungsnummer zaubern einem unwillkürlich ein Lächeln ins Gesicht, denn man spürt sofort: Hier haben sich fünf Herren getroffen, die sich mit mit dieser großartigen Musik, diesen wunderschönen Melodien leidenschaftlich verbunden und an diesem speziellen Abend pudelwohl fühlen. Angetrieben von Bernd Reiter, dieser einmal mehr fulminant auftretenden Allzweckwaffe am Schlagzeug, die die Präzision eines Metronoms kombiniert mit dem bedingungslosen Drang zum Swing, schaukeln sie sich gegenseitig hoch solistischen Großtaten. Natürlich stehen dabei Magnarelli und Beavsky, die beiden, die mit ihrer beeindruckenden Vita als Mitglieder der Bands von Lionel Hampton und Buddy Rich und somit ihrem Namen für das Quintett bürgen, im Vordergrund. Doch mit welch wunderbaren solistischen Ideen etwa Oliver Kent, der Mann am Flügel, Mabern’s „I Remember Britt“ – eine der wenigen langsameren Nummern im Programm und vielleicht sogar die beste des ganzen Abends – solistisch veredelt, kann nicht unerwähnt bleiben.

Nach gut zwei Stunden und „Mister Mags“, der einzigen Eigenkompositionen des Programms, die Magnarelli für seinen Vater geschrieben und bereits 2001 auf dem gleichnamigen Album veröffentlicht hat, biegt die Band ein auf die Zielgerade. Das Publikum fordert zwar mehr, aber es bleibt letztendlich bei einer Zugabe. Irgendwann fordern die neun Stunden im Auto dann doch ihren Tribut. Aber Abende wie dieser in einem Club, der auch in der internationalen Jazzwelt einen so hervorragenden Namen hat, Konzerte vor diesem tollen Publikum entschädigten für alle Strapazen, sagt Bernd Reiter nach dem Konzert. „Um ins Birdland zu kommen, ist uns kein Weg zu weit.“


Rolf Kühn „Yellow+ Blue“ | 10.09.2021
Augsburger Allgemeine | Reinhard Köchl
 

Dieser Ton! Dunkel, erhaben, leuchtend, mal voll, dann wieder schlank, sich wie Efeu an der Tonleiter emporrankend, entweder lang mit großem Atem gehalten oder wie schnelle Morsezeichen in den Raum gestanzt und Melodien formend wie ein Töpfer sein Gefäß. Er wechselt sein Erscheinungsbild innerhalb von Sekunden: von erhaben klassisch auf dreckig knurrend wie ein Straßenköter. Jeder Klarinettist muss jahrzehntelang üben, bis er es auch nur halbwegs so hinbekommt. Aber Rolf Kühn hat ihn einfach, diesen Ton – und gibt ihn auch nicht mehr her, selbst mit bald 92 Jahren. Natürlich auch nicht bei seinem jüngsten Gastspiel zur Saisoneröffnung im Neuburger Birdland-Jazzclub.

Wo fast allen Generationskollegen schlicht die Luft ausgeht, wo sie ihren Ansatz im höheren Register schlicht nicht mehr halten können und deshalb auf das leichtere Sopransaxofon umsteigen (wie an gleicher Stelle 1995 der große Jimmy Giuffre bei seinem vermutlich letzten Konzert) oder lieber gleich in den Austrag gehen, da spielt Kühn einfach weiter. So, als hätte seit den Zeiten von Benny Goodman, in dessen Orchester er einst mitwirkte, niemand mehr einen Tag vom Kalenderblatt abgerissen. Wie macht er das nur? Natürlich üben, während der Pandemie bedingten Zwangspause noch mehr als sonst. Aber es ist auch diese besondere Gabe, eins mit einem Instrument zu werden, das wie für ihn geschaffen scheint; so als hätte jemand bei seiner Erfindung Rolf Kühn als Prototypen eines Benutzers vor dem geistigen Auge gehabt.

Mit der Klarinette kann der Berliner einfach alles: swingende, boppende Phrasen ebenso wie freie Themen, völlig entschleunigte Balladen oder erregende Dia- oder Trialoge mit seiner fantastischen Begleitcrew um den einfühlsamen, emphatisch reagierenden Pianisten Frank Chastenier, die wie eine impressionistische Malerin kolorierende Bassistin Lisa Wulff sowie den hyperaktiven, scheinbar vierarmigen und -beinigen Schlagwerker Tupac Mantilla. Nichts wirkt dabei bemüht, zwanghaft konstruiert oder aufgesetzt. In der sublimen Zähmung des Widerständigen entstehen die typischen fließenden, tänzelnden Linien mit der Durchlässigkeit eines Aquarells. Kühn hat alle stilistischen Gradwanderungen selbst miterlebt, mit den Besten aus verschiedenen Generationen gespielt. Eine wandelnde Datenbank des Jazz. Oder viel treffender: ein nationaler Kulturschatz.

Deshalb war es irgendwie logisch, Rolf Kühn in diesem Jahr als Türöffner für die neue, hoffentlich von Corona weitgehend unberührte Jazzsaison in den renommierten, längst weltweit bekannten Jazzclub an die Donau für gleich zwei – natürlich ausverkaufte – Konzerte einzuladen. Eine Ehre, die jahreslang dem Trompeter Dusko Goykovich zuteil wurde. Da der jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kann und im Oktober 90 wird, musste nun eben ein 92-Jähriger her. Der gibt jedem Selbstbemitleider nebenher noch eindrucksvoll Anschauungsunterricht auf offener Bühne, wie man in Würde altern kann und trotzdem im Herzen jung bleibt. Sitzend zwar, aber mit wachen Augen und offenen Sinnen, kommentiert er Tupac Mantillas Body-Drumming, das wie eine Mischung aus Steptanz und Schuhplattler aussieht, mit dezent nuancierten, kurz geschwungenen Linien. Mal biegt seine Band in eine dunkle Gasse ab, wo sie einem Albtraum-Blues begegnet, mal wärmen die Strahlen von Edel-Standards wie „Angel Eyes“ oder „Body And Soul“ das aufmerksame Auditorium. Wie angenehm, dass deswegen noch längst nicht alles perfekt sein muss – zum Glück! Im offenen Impro-Labor unterbrechen die vier ein Stück gleich zwei Mal, ändern die Tempi, setzen neu an, bis der Meister zufrieden lächelt. Am Tag darauf klingt es wieder eine Nuance anders.

Das Beste kommt, wie es sich auch bei Rolf Kühn gehört, zum Schluss: Joni Mitchells „Both Sides Now“, nur mit Pianist Chastenier und ihm, intim, leise, anrührend, unschuldig, verletzlich, körperlich spürbar, voller erhabener Schönheit und altersweiser Erzählkunst – zum Niederknien! Der Mann weiß wirklich, wie man die Zeit anhält. „Ich hätte nur eine Bitte“, gibt Rolf Kühn seinem begeisterten Publikum noch mit auf den nächtlichen Nachhauseweg. „Kommt in zwei Jahren wieder! Das liegt wirklich nur an euch!“ So klingt grenzenloser Optimismus. Der Ton macht eben die Musik.