Presse

Keys, Sax, Bass & Voice
Wasilesku – Zoelch – Schiekofer | 06.12.2025

Donaukurier | Karl Leitner
 

Es sind Namen, über die man immer wieder stolpert, wenn man sich in der Region in Sachen Jazz um­hört und umschaut. Pianist Oliver Wasi­lesku leitet die SwingIN Big Band, Kon­trabassist Uli Schiekofer kennt man un­ter anderem durch seine Zusammenar­beit mit Rudi Trögl und Altsaxofonist Christof Zoelch ist auch Teil der Stamm­band von Kerstin Schulz. Wenn diese drei sich zusammentun, darf man sich durchaus auf ein musikalisches Erlebnis der besonderen Art einstellen.

Bereits bei seinem Gastspiel im ver­gangenen Jahr im Birdland Jazzclub be­geisterte das Trio sein Publikum, und auch diesmal räumt es im wieder einmal proppenvollen Gewölbe ab, und zwar mit neuem Programm und neuem Kon­zept. In der regionalen Jazzszene gibt es einige sehr gute Sängerinnen, bei den Sängern schaute es bislang in dieser Hin­sicht eher mau aus. Nun nicht mehr, denn Oliver Wasilesku entpuppt sich an diesem Abend nicht nur einmal mehr als erstklassiger Pianist, Arrangeur und Pro­grammgestalter, sondern auch als her-vorragender Vokalist.

Welch gelungene Überraschung! Sein Programm umfasst Stücke, die man mit Nat King Cole, Frank Sinatra oder auch Tony Bennett in Verbindung bringen kann, aber er kopiert die großen Namen nicht, ist weder Crooner noch Soulsän­ger, sondern schlüpft in die Rolle des Vermittlers. Absolut sicher in der Intona­tion, ausdrucksstark und auch risikofreu­dig verbindet er Jazzsongs der Ära zwi­schen 1932 und 1952, die zu ihrer Zeit selber Pop waren, mit dessen Ausdrucks­formen von heute. In seinen Versionen nähern sich Klassiker wie „I’ve Got You Under My Skin“, „How Deep Is The Ocean“ oder „The Way You Look To­night“ der aktuellen Spielweise des Jazz-Pop an, für die beispielsweise Leute wie Jon Regen in New York oder Paddy Mil­ner in London stehen. Wie jene ist er ein überragender Pianist, begleitet sich selbst, hat Erfahrung mit allen Formaten von der Big Band bis zur Soloperfor­mance, überrascht mit der Tragfähigkeit und der Qualität der Stimme die Zuhörer und zaubert ihnen gleichzeitig ein Lä­cheln ins Gesicht. Der Gesang, die von Wasilesku runderneuerten, teils komplett neu arrangierten Songs und die dadurch entstandenen Groove-Versionen etwa von „Old Devil Moon“ und „Pennies From Heaven“ sind das eine. Die Band setzt noch eins drauf.

Der Mann am Klavier und Uli Schieko­fer am Kontrabass sind an diesem Abend ein Traumpaar, unzertrennlich, eine kompakte Einheit. Beide genügen auch als Solisten höchsten Ansprüchen, ganz klar, aber ihre Tightness ist schon außer­gewöhnlich. Dazu kommen die coolen Soli, die Christof Zoelch seinem Saxo­fon entlockt. Sie spiegeln nicht nur per­fekt die Ära wieder, aus der die Stücke des Abends stammen, sondern sind in ih­rer Dramaturgie auch höchst geschickt strukturiert. Im Notfall würden Piano und Bass auch als Duo prächtig funktio­nieren, mit Zoelchs solistischen Kom­mentaren als Sahnehäubchen oben drauf wird die Sache zu einem echten Ereignis und das Trio zu einem Aushängeschild für die Region und auch darüber hinaus. Fehlt nur noch, dass Wasilesku beim nächsten Auftritt im Birdland auch noch eigene Stücke mitbrächte. Selber kompo­nieren? – Auch das wäre ihm zuzutrauen.


Cassablanka | 05.12.2025
Neuburger Rundschau | Reinhard Köchl
 

Proppenvoll! Kein freier Stuhl mehr, kaum noch Stehplätze. Eigentlich könnte man ja das ganze Jahr über die „Local Heroes“ auftreten lassen. Zu solchen Anlässen kommen Leute, die sonst normalerweise kaum den Weg in den Neuburger Birdland-Jazzclub finden und die dort regelmäßig auftretenden Weltstars links liegen lassen. Ein Konzert wie das des Salonorchesters Cassablanka ist deshalb weniger ein kulturelles, sondern vielmehr ein gesellschaftliches Ereignis: Sehen und gesehen werden, oder Verwandten und Freunden auf der Bühne moralische Unterstützung zu geben. Was beileibe nichts über die Qualität der (Amateur-) Bands aussagt, die sich regelmäßig zum Jahresende unter dem Motto „Jazz aus der Region“ im Hofapothekenkeller zur Schau stellen. Eher etwas über das Publikum.

Mit der neunköpfigen Formation um ihren Mastermind Alexander Großnick haben am Freitagabend einige alte Bekannte wieder ihre Visitenkarte abgegeben. Man kennt sich und registriert deshalb auch mit großem Vergnügen den Fortschritt, den die Damen und Herren von Cassablanka von Jahr zu Jahr zur Schau stellen. Das Paradestück der Combo ist ihr üppiger, akkurater Bläsersatz, bei dem neben Tenorsaxofonist Großnick, Baritonsaxofonist Nils Niermann, Trompeter Gerhard Hörmann und Posaunist Christian Rehm mit Peter von der Grün am Altsaxofon einmal mehr ein leibhaftiger Landrat seine musischen Qualitäten unter Beweis stellt. Von der Grün wäre als Mitglied des Landesjugendjazzorchesters Bayern beinahe selbst einmal professioneller Musiker geworden. Seine Soli, aber auch die von Alexander Großnick, überzeugen durch überraschende Wendungen und eine ganz erstaunliche technische Reife.

Es ist die Liebe zum Detail, die überzeugt, die Aneinanderreihung verschiedener Preziosen, bei denen man glaubt, erahnen zu können, wie oft dieser Break oder jener Tonartwechsel wohl geübt wurden, bis sich letztlich alles zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügt. Und ja: Es swingt – nicht zuletzt dank der im Hintergrund agierenden Pianistin Brigitte Pettmesser, Bassistin Renate Hörmann und Schlagzeuger Florian Herrle, die man leider auf der kleinen Bühne so gut wie nicht zu Gesicht bekommt. Sylvia von der Grün, die Schwester des Landrats…, pardon, Altsaxofonisten, demonstriert ihre erstaunliche Intonationssicherheit bei Standards wie „How High The Moon“, „Polkadots And Moonbeams“, „Sʼ Wonderful“ oder „At Last“, während bei Cassablanka die Auswahl selten gespielter Evergreens wie „Just Friends“, A Nightingale Sang In Berkeley Square“ oder die adaptierte Beatles-Nummer „Here, There And Everywhere“ ins Ohr sticht. Eine reife, leidenschaftliche Performance dieser engagierten kleinen Big Band.


Cassablanka | 05.12.2025
Donaukurier | Karl Leitner
 

Wer im diesjährigen Jazzherbst in der Region nach Bands mit großer Besetzung oder gar nach richtigen Big Bands suchte, kam voll auf seine Kosten. Inner- und außerhalb der Ingol­städter Jazztage wie auch bei anderen Gelegenheiten traf man von Orchestern mit Weltruf bis zur Amateur- oder Nach­wuchsband auf großformatige Ensem­bles, die sich in erstaunlicher zeitlicher Dichte quasi die Klinke in die Hand ga­ben.

Nun, nachdem die Konzertsaison 2025 sich ihrem Ende zuneigt, treten im Bird­land Jazzclub „Cassablanka“ auf. Es ist nicht das erste Gastspiel des Nonetts im Gewölbe unter der ehemaligen Hofapo­theke, denn in der Reihe „jazz regional“, die in der Birdland-Philosophie ebenso eine Rolle spielt wie das Aufgebot an internationalen Stars, haben sie längst ihren festen Platz.

Alexander Großnick, Bandleader und Tenorsaxofonist, Peter von der Grün am Altsaxofon, Nils Niermann (Baritonsa­xofon), Gerhard Hörmann (Trompete), Christian Rehm (Posaune), Brigitte Pett­messer (Klavier), Renate Hörmann (Kontrabass), Florian Herrle (Schlag­zeug) und Silvia von der Grün (Gesang) haben gerade noch auf der kleinen Club-Bühne Platz und sind recht schnell auf Betriebstemperatur. Sie seien zwar alle ziemlich nervös, sagt Niermann, der durch das zweistündige Programm führt, aber davon merkt man nichts, im Gegen­teil, nach dem Einstieg mit Duke Elling­ton und Henry Mancini kommt der erste von etlichen noch folgenden Höhepunk­ten ausgerechnet bei dem tausendmal ge­hörten „What A Wonderful World“, das jeder kennt, die wenigsten vermutlich aber als Cha Cha, gefolgt von „Here, There And Everywhere“ von den Beat­les, George Gershwin’s „Fascinating Rhythm“ in besonderem Arrangement, Charlie Parker’s „Yardbird Suite“, dem weniger bekannten „A Nightingale Sang In Berkeley Square“, das ausnahmsweise nicht amerikanischen, sondern engli­schen Ursprungs ist, und ganz zum Schluss als zweite Zugabe schließlich „White Christmas“, das kurz vor Weih­nachten ganz einfach sein muss, auch wenn draußen kein Schnee liegt.

Die Band spielt nicht wie bei den Kon­zerten die Jahre davor in ständig wech­selnden, sondern diesmal von Beginn an in voller Besetzung durch, lediglich Sil­via von der Grün gönnt sich zwischen­durch Pausen, der Abwechslung wegen, und weil das bei den Big Bands früher nun mal so üblich war. Der Swing steht im Mittelpunkt, um ihn dreht sich alles an diesem Abend, der für die Band an diesem Ort natürlich ein echtes Heim­spiel ist. Die Reaktion auf Seiten des Pu­blikums ist dementsprechend und ginge es um Bowling, könnte man durchaus begeistert ausrufen: „Volltreffer! Alle Neune!“

Natürlich kann eine Band wie diese, de­ren Mitglieder allesamt anstrengenden Berufen nachgehen und für die ein Pro­bentermin, an dem auch wirklich alle Zeit haben, schon eine Herausforderung ist, nicht das Big Band-Genre neu erfin­den. Und sie will das auch nicht. Ihr Me­tier an diesem Abend sind im Gegensatz zu früheren Konzerten mit einem großen Anteil auch an reinem Old Time Jazz und Dixieland, in dieser Saison die Klas­siker aus den 1920er bis 1950er Jahren, die sie auf ihre Art in die Gegenwart transportiert. Die Band hat ihr Betäti­gungsfeld also klar umrissen und ist er­staunlich gut darin. Sehr gut sogar.


Libor Šmoldas NY Trio | 29.11.2025
Donaukurier | Karl Leitner
 

Libor Šmoldas gilt als führender Jazzgitarrist Tschechiens, unterhält seit über einem Jahrzehnt mit dem Kontrabassisten Jay Anderson und dem Schlagzeuger Adam Nussbaum sein NY Trio, mit dem er mittlerweile drei Alben veröffentlicht hat und in unregelmäßigen Zeitabständen immer wieder auftritt. So wie im Birdland Jazzclub in Neuburg. Grund für seine Tournee sind „Dusk“, das aktuelle Album des Trios, und dessen Stücke, die sich auf recht originelle Weise mit den verschiedenen tageszeitlich bedingten Stimmungen zwischen dem frühen Morgen und dem späten Abend beschäftigen.

Überraschenderweise spielt Šmoldas daraus aber nur zwei Exzerpte und geht über lange Strecken des Abends lieber den Weg der Risikovermeidung, indem er Standards interpretiert, oft und gerne verwendete, zigmal gehörte und dem Publikum hinlänglich bekannte Stücke, auf die sich alle Jazzer ohne große Diskus-sionen sofort verständigen können. Die anderen freilich sind die interessanteren. Šmoldas‘ „Grasshopper“ oder das für seinen Sohn geschriebene „For Robin“, der – dem Stück nach zu urteilen – ein recht aufgewecktes Kerlchen sein dürfte. Nachdem Nussbaum’s – der an diesem Abend im Birdland seinen 70. Geburtstag feiert – wunderschöner Blues mit dem Titel „Sure Would Baby“ verklungen ist, war’s das aber auch schon mit den Neuigkeiten des Tages für dieses Mal, denn der Rest besteht aus „Moon River“, „Long Ago And Far Away“, „Darn That Dream,“ „Stella by Starlight“ und ähnlichen Dauerbrennern, dessen Themen man sofort erkennt, wenn Šmoldas sie anspielt.

Nun gut, dann eben Standards, denkt man. Die klingen natürlich auch nach oftmaligem Gebrauch immer noch gut, sobald drei so erfahrene und versierte Musiker wie die des NY Trios sich ihrer annehmen. Šmoldas‘ sanfte, mühelose und melodische Herangehensweise tut gut und mit ihren Interpretationen holt die Band durchaus einiges aus den Vorlagen heraus. Auch wenn man nicht wirklich neue Erkenntnisse aus ihnen gewinnen kann, überzeugen die Versionen, die zwar entspannt sind, aber nie Gefahr laufen, langweilig zu werden, weil die Band auf eine abwechslungsreiche Struktur Wert legt und einen untrüglichen Sinn für dynamische Prozesse offenbart. Und dass darüber hinaus alles, was die drei Musiker – unabhängig von der Setlist – in handwerklicher Hinsicht auf die Bühne bringen, erstklassig sein würde, hatte man sich auch vor dem Konzert schon ausmalen können.

Am Ende des Abends stehen drei Zugaben. Vielleicht als Reaktion darauf, dass die Band und ihre Musik ganz einfach eine positive, angenehme Atmosphäre in das Birdland-Gewölbe zauberten, vielleicht deswegen, weil auf Nummer sicher gehen mitunter doch eher goutiert wird als Risikobereitschaft, vielleicht aber auch, weil Nussbaum’s Späße und gute Laune ihre Wirkung nicht verfehlen. Dennoch beschleicht einen nach dem Konzert das Gefühl, dass Šmoldas und seine Kollegen die Chance verpasst haben, ihre eigene Visitenkarte abzugeben mit mehr Stücken aus der eigenen Kreativwerkstatt. Standards interpretieren? Das machen andere auch, ob aus einer Notwendigkeit oder einer Verlegenheit heraus, sei dahin gestellt. Beim NY Trio kam die Entscheidung für diese Strategie relativ überraschend. Noch dazu, weil doch die Band über eigenes und noch dazu wirklich gutes Material verfügt.


Libor Šmoldas NY Trio | 29.11.2025
Neuburger Rundschau | Peter Abspacher
 

Eine auch in der sehr weiten Welt des Jazz seltene Besetzung mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Kein Piano, kein Saxofon, keine Klarinette, Posaune oder Trompete – also ohne soundstarke Melodie- und Harmonieinstrumente. Und im Programm eine Einordnung unter dem Begriff „modern“, der auch abgedrehte und nicht sofort zugängliche Klangwelten erwarten lässt.

Vielleicht war der Birdland-Keller bei diesem Konzert des Libor Smoldas NX Trios einmal nicht so gut gefüllt wie sonst üblich. Libor Šmoldas (Gitarre), Jay Anderson (Bass) und Adam Nussbaum (Schlagzeug) brachten aber nach kurzer Anlaufzeit eine Stimmung in die Bude, als ob dieser bundesweit renommierte Jazzclub bis auf den letzten Stehplatz belegt wäre.

Das lag an mehreren Faktoren. Der technisch wie musikalisch teuflisch gute Gitarrist ließ vergessen, dass der Glanz des Bösendorfer-Flügels oder einer Saxofon-Combo diesmal Pause machten. Der Virtuose am Kontrabass brachte weit mehr als ein stabiles Grundgerüst ins Gesamtbild ein. Jay Anderson zelebrierte weit ausgreifende Tonkaskaden in kluger Phrasierung und verblüffte mit improvisatorischen Volten. Und Adam Nussbaum am Schlagzeug mischte alles mit Knalleffekten und manch schelmischem Gag auf.

Das Trio zeigt dabei einen Hang zum musikalischen Überschwang, im Falle des Schlagzeugers auch zum Übermut. Der Gitarrist legt sich bei „Moon River“ oder auch bei der Eigenkomposition „Grasshoppers“ auf fast romantische Manier ins Zeug, er macht aus kleinen Melodien ein sehr süße musikalische Verführung. Gelegentlich scheint Smoldas es zu genießen, die Grenzregionen zwischen inniger Empfindung und Edelschnulze auszutesten. Das gilt vor allem für die Anleihen bei der Country-Musik im zweiten Set.

Auf eine ganz andere Art lebt der Mann am Schlagzeug seine Vitalität aus. Adam Nussbaum ist ein musikalischer Gaudibursch, ein übermütiger Schelm. Seine Knaller auf Trommel und Becken lassen manchen kurz zusammenzucken, fast wirken sie wie Weckrufe. Nötig sind sie nicht, denn bei der süffigen, sehr gefälligen Musik droht niemand auf der Bühne oder im Publikum abzuschlaffen. „Modern“ im Sinn von schwierig oder spröde ist da nichts.

Bei seinen Soli erlaubt Nussbaum sich den Spaß, die anderen manchmal zu foppen – er deutet musikalisch an, das das Solo zu Ende geht, biegt aber wieder ab, als Gitarrist und Bassist gerade schon einsetzten wollen. Eskapaden dieser Art schenkt sich der Bassist Jay Anderson.

Vielleicht war der Schlagzeuger auch etwas aufgedreht, weil er Geburtstag feierte. Das Trio-Ständchen „Happy Birthday“ wurde vom Publikum kräftig mitgesungen. Nach dem Gesang wäre Gelegenheit gewesen, dieses alte Stück mit der puren Lust des Improvisierens in eine andere Ebene zu heben, gerne mit Mut, Übermut und Überschwang. Schade, dass das Publikum nicht in diesen Genuss kam.


Dell, Lillinger, Westergaard & Degen | 28.11.2025
Donaukurier | Karl Leitner
 

Eine Herausforderung für das Mainstream-Ohr einer-, ein ideales Betätigungsfeld für die Gruppe all jener andererseits, die ständig auf der Suche sind nach ihnen bislang noch nicht untergekommenen musikalischen Formen, neuen Eindrücken und Hörerfahrungen. Wer zu ihr gehört, kommt um die Namen des Vibrafonisten Christopher Dell, des Schlagzeugers Christian Lillinger und des Kontrabassisten Jonas Westergaard nur schwerlich herum. Nach diversen Gastspielen im Birdland mit Kollegen und in unterschiedlichen Besetzungen stehen sie diesmal als – verstärkt durch Bob Degen am Flügel – in der vom Trio zum Quartett erweiterten Band namens „Supermodern“ auf der Bühne.

Wenn die drei auf einer Konzertbühne auftauchen, hat man es als Zuhörer nicht selten mit weitgehend avantgardistischer Musik zu tun. Aktuell setzen sie sich auf ihre ureigenste Weise mit dem Nachlass des legendären Modern Jazz Quartet auseinander, das selber einst im Birdland gastierte, mit dem „Third Stream“, mit der Verbindung von amerikanischem Cool Jazz und und europäisch geprägter Kammermusik, mit der Auflösung der im letzten Jahrhundert üblichen Kategorien U- und E-Musik. Bei Supermodern dient oft ein einzelner Takt als Ausgangspunkt. Er wird in diversen rhythmischen Varianten und Verschachtelungen mantraartig wiederholt. Die Stellen, an denen sich die Reproduktionen überlagern, werden bearbeitet. In manchen Phasen des Konzerts kann man diesem Konzept, an dem das gesamte Kollektiv beteiligt ist, recht gut folgen, etwa wenn das Piano die Vorgaben des Vibrafons wie eine Echowand zurückwirft und der Augenblick der Verzögerung genau die Stelle ist, die das Quartett herausfordert und zum kreativen Handeln zwingt.

Es ist offensichtlich, dass hinter einem Konzept wie diesem jede Menge Kopfarbeit und Intellekt steckt und man nicht unbedingt Musik erwarten kann, die für die Nebenbei-Rezeption entwickelt wurde. Dennoch entsteht mit den Stücken, die oftmals nur mit Arbeitstiteln wie „Skizze 01“ oder „Turn X“ versehen und suitenartig zu Blöcken zusammengezogen werden, hochenergetische Spannungsfelder, die sich kaskadenartig entladen und zusammen mit der Virtuosität der Beteiligten – bei Dell und Lillinger zeigt sich jene ganz besonders – und der ständigen Kommunikationsbereitschaft innerhalb des Quartetts, eine Musik, die auch wegen ihrer Körperlichkeit beeindruckt. Cluster, Soundscapes und flächige Klänge stehen heftigen Eruptionen gegenüber, gehen auseinander hervor, bedingen und befruchten sich gegenseitig. Wer als Zuhörer bereit ist, sich in dieses Spannungsfeld hineinziehen zu lassen, dem könnten sich durchaus neue Welten erschließen.

Dass das Konzept aufgeht, zeigt sich am Ende daran, dass das Auditorium nach zwei Zugaben verlangt, was man angesichts der Komplexität des Gebotenen ja nicht automatisch voraussetzen darf. Und es beweist einmal mehr den enormen Unterschied zwischen der Konserve, die es unter der Bezeichnung „Supermodern II“ auch gibt, und der Live-Situation. Die Musiker nicht nur zu hören, sondern bei ihrem Tun auch noch aus nächster Nähe zu beobachten in einem Club von internationaler Bedeutung, den man als Bewohner der Region auch noch quasi direkt vor der Nase hat, bereitet doppeltes Vergnügen. Wer hier noch zögert, dem ist nicht zu helfen.


„Applaus“-Award 2025 für den Birdland Jazz Club | 22.11.2025
Donaukurier | Karl Leitner
 

Man hätte es ja fast schon ahnen können. Nach 2013, 2015, 2017, 2019, 2021 und 2023 hat sich der Neuburger Birdland-Jazzclub wieder um den „Applaus“, den Spielstättenpreis der vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien beworben. Und die Auszeichnung auch prompt erhalten. Und so fuhr Birdland-Chef Manfred Rehm dieser Tage nach München, um die Auszeichnung entgegen nehmen. Nach Bernd Neumann, Monika Grütters und Claudia Roth in den vergangenen Jahren wurde er ihm diesmal von Staatsminister Wolfram Weimer überreicht.

Seit 2013 hat sich einiges geändert. „Damals wurden die Häufigkeit und die Regelmäßigkeit von Konzertveranstaltungen besonders gewürdigt“, sagt Rehm, „heute geht es um die Qualität der Livemusikprogramme des Vorjahres, also um das, was wir 2024 gemacht haben.“ Der Preis, umfasst insgesamt rund zwei Millionen Euro, wird in verschiedenen Kategorien verliehen und dient der finanziellen Stärkung von kleineren und mittleren Livemusikclubs, die oftmals mit hohem finanziellem Risiko ein kulturell herausragendes Programm anbieten, soll die soziale Bedeutung von Livemusikspielstätten unterstreichen und Aufmerksamkeit erregen für die strukturellen Herausforderungen und Belange der Spielstätten in den Kommunen und Regionen. Für das Birdland bedeutet das eine Zuwendung von insgesamt 40.000 Euro, die Rehm ganz gezielt einsetzen will. „Das Geld wird zum Großteil in die Gagen für junge Musiker laufen“, sagt er. „Wir haben junge Musiker ja schon immer gefördert. Das machen wir nun verstärkt, indem wir ihnen die gleichen Gagen anbieten wie den international renommierten Bands und Künstlern, die regelmäßig bei uns zu Gast sind. Erstens, damit sie davon ihr Leben finanzieren und zweitens, um sie auf eine Stufe zu Stellen mit Künstlern, die schon lange im Geschäft sind.“

Direkt wird sich das Preisgeld aber erst zeitversetzt auswirken, weil „wir die Planungen und die Kalkulation für 2026 zum überwiegenden Teil schon zu einem Zeitpunkt abgeschlossen haben, als wir noch gar nicht wussten, dass wir diese Zuwendung bekommen würden.“ Ein finanzielles Polster zu haben, tut immer gut. „Hotel- und Restaurantkosten, Reise- und Transportkosten – alles ist wesentlich teurer geworden in letzter Zeit“, erzählt er. „Aber nur weil alles teurer, unzuverlässiger und komplizierter wird, würden wir keineswegs auf die Idee kommen, in Zukunft weniger Veranstaltungen anzubieten oder Abstriche an der Qualität zu machen. Nein, an Häufigkeit und Form der Konzerte, mit denen wir seit Jahrzehnten gute Erfahrungen gemacht haben, werden wir auf keinen Fall etwas ändern.“ – Womit das Preisgeld bestens angelegt und das Birdland solide aufgestellt ist. Gute Nachrichten in Zeiten der kulturellen Abwärtsspirale.


Lage Lund Quartet
und „radioJazznacht extra“: Fernanda von Sachsen Quartett | 22.11.2025

Neuburger Rundschau | Reinhard Köchl
 

Na, wieder mal die vierstündige Livesendung des Bayerischen Rundfunks verpasst, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag faszinierende Impressionen des Birdland Radio Jazz-Festivals nach außen trug und damit beste unbezahlte Werbung für Neuburg machte? Wäre nicht das erste Mal. Während der restliche Freistaat nämlich über das, was jedes Jahr Ende November aus dem Keller der Hofapotheke dringt, regelmäßig ins Schwärmen gerät, hält sich die Resonanz in der „Kulturstadt“ fast schon traditionell in überschaubaren Grenzen. „Das Birdland ist wirklich etwas ganz Besonderes“, preist deshalb auch BR-Redakteur Roland Spiegel, mit seinem Kollegen Uli Habersetzer im ersten Stock der Hofapotheke sitzend, während der „Jazznacht“ auf BR Klassik und Bayern 2 zwischen 22 abends und zwei Uhr morgens die Einzigartigkeit des Clubs gebetsmühlenartig wie der Rufer in der Wüste.

Für Spiegel ist die 15. Auflage des Festivals, das er zusammen mit Birdland-Chef Manfred Rehm 2011 ins Leben rief, gleichzeitig sein Abschied in den Ruhestand. Deshalb hat sich Rehm auch nicht lumpen lassen, dem BR-Redakteur bei seinen letzten Neuburg-Gastspiel ein besonderes Geschenkpaket in Form eines exquisiten, hochkarätigen Programms mit acht Konzerten – fünf davon mit Frauen als Bandleaderinnen – zu schnüren. „Da kann man nur den Hut ziehen“, freut sich Spiegel, „Es ist überaus geschmackssicher zusammengestellt und geprägt von einer nicht versiegenden Abenteuerlust. Typisch für einen Programmgestalter, der ein guter Zuhörer ist.“ Nicht umsonst hat der „Impresario“ drei Tage vor dem großen Finale „seines“ Festivals, das trotz der ARD Programmreform auch in Zukunft bundesweit ausgestrahlt werden soll, erneut den „Applaus“-Award für das „Beste Livemusikprogramm“ in Deutschland erhalten (wir berichteten).

Und so beginnt der Schlussakkord auch mit geballter Frauenpower, nämlich der koreanischen Pianistin Gee Hye Lee und ihrer Freundin, der Nürnberger Schlagzeugerin Mareike Wiering, die mit ihrem famosen Quintett bereits im Januar im Birdland zu Gast waren. Herausragend dabei einmal mehr der deutsche Wundertrompeter Jakob Bänsch, der in der kurzen Zeit offenbar noch einen Schritt nach vorne gemacht zu haben scheint. Immer noch 22 Jahre ist der Bursche jung und klingt doch schon so reif und wandlungsfähig, als hätte er mehrere Karriere-Jahrzehnte auf dem Buckel.

Diese Farbenpracht gelingt ihm vor allem dank der emotionalen, bewegenden und faszinierenden Kompositionen der Bandleaderin, die in ein Fest aus pulsierenden Rhythmen und dramatischen Endungen münden, und wunderschönen harmonischen Klanglandschaften, die Sonnenuntergänge sowie einen weiten Horizont evozieren können. Großes Kino, lang anhaltender Applaus!

Tags darauf fallen die Reaktionen bei dem Gastspiel des hochdekorierten norwegischen Gitarrenzauberers Lage Lund eher verhaltener aus. Die Dramaturgie seiner Performance, die er mit Weltklasse-Kollegen wie dem Bassisten Orlando LeFleming, dem Mehldau-Drummer Jeff Ballard und dem Kölner Pianisten Pablo Held kredenzt, könnte man als „linear“ bezeichnen.

Die Musik wirkt wie ein Netz aus spinnwebartigen Konstruktionen, die sich nur schwer aus den Ecken fegen lassen. Auch wenn Lund fein gedrechselte Linien voller innerem Kunstsinn aus seiner Halbakustischen zaubert, so ist das Konzert doch ein Paradebeispiel für die Art von künstlicher Intellektualität und Distanz, die dem Jazz bei der öffentlichen Anerkennung häufig im Weg steht. Das beste Beispiel dafür ist ein Stück, das ausgerechnet einen deutschen Titel trägt: „Langsam“ – nomen est omen.

Und dann gibt es sie doch noch, die kleinen Wunder. Am Samstagabend kurz vor Mitternacht war dies wieder mal der Fall. Aus den tiefsten Tiefen der Hofapotheken-Katakomben erhob sich völlig unverhofft ein Stern und strahlte hell leuchtend über ganz Bayern. Der Name des Himmelskörpers ist Fernanda von Sachsen und dürfte nun vor allem deshalb bei vielen Menschen bekannt sein, weil der zweite Teil ihres fulminanten Konzertes live aus dem proppenvollen, restlos begeisterten Jazzkeller übertragen wurde. Die blutjunge Sängerin aus München und ihre grandiose Band agieren wie aus einem Guss und bieten ein Kaleidoskop des alten und des neuen Jazz, das einen schier fassungslos zurücklässt.

Fernanda von Sachsen erzählt voller Inbrunst und erstaunlich intonationssicher Geschichten, sie fühlt dabei jedes Wort und schickt ihr Stimme wie ein vokales Chamäleon durch alle Atmosphären, vom hauchzarten Balladenflüstern bis zu spitzen Avantgarde-Schreien, vom rasanten Bebop-Scat bis zur jiddischen Hochzeitstanz-Rufen. Der perfekte Rausschmeißer für ein mehr als einzigartiges Festival!


Fernanda von Sachsen Quartett | 22.11.2025
Donaukurier | Karl Leitner
 

Draußen vor dem Birdland Jazzclub stehen zwei LKW des Bayerischen Rundfunks. Die Crew des ersten zeichnet auf, was im Keller unter der ehemaligen Hofapotheke und in dem darüber eingerichteten Studio geschieht, die des zweiten schickt es per Satellit via BR-Klassik und Bayern 2 vier Stunden lang rund um den Globus. Mehr Aufsehen und mehr Publikum – man kann durchaus von zigtausend Menschen ausgehen – kann sich ein kleiner Club, in den gerade mal knapp 100 Leute passen, nicht wünschen. Das Birdland Radio Jazz Festival macht es möglich. Seit mittlerweile15 Jahren.

Nach sieben Konzerten in den vergangenen Wochen endet es mit einem echten Paukenschlag. Traditionsgemäß ist der letzte Konzerttermin einer jungen, aufstrebenden Band vorbehalten, dessen erstes Set mitgeschnitten wird, während das zweite komplett und live über den Äther geht. Das ist auch diesmal so, nur hätte vermutlich niemand gedacht, welch großartigen Eindruck das Fernanda von Sachsen-Quartett aus München dabei hinterlassen würde. Im Zentrum stehen auf völlig unorthodoxe Weise interpretierte Standards und Eigenkompositionen einer Frontfrau, der stilistische Belange dermaßen egal sind, dass man quasi fast mit allem rechnen muss und darf. Sie flüstert und rappt, ist Chanteuse und Sirene, setzt Sprechgesang ein, benutzt ihre Stimme als zusätzliches Instrument mit eigener Klangfarbe, verrührt all das zusammen mit einem Kunstlied Robert Schumanns, jüdischen Klagegesängen und Elementen des Pop auf geradezu hinreißende Weise zu einer Art Jazz-Hörspiel und verpasst dem Konzept mit dezent eingesetzten Geräuschen wie dem Rauschen eines Ultraschallgeräts oder eines tropfenden Wasserhahns noch den letzten Schliff.

Wobei Schliff nicht Glätte bedeutet. Nichts ist hier glatt, im Gegenteil, Sängerin und Band gehen mit purer Lust ans Werk, die auch sofort aufs begeisterte Publikum überspringt, mit Unbekümmertheit und mit ganz viel Können. Wie weit von Sachsen, deren Stil von den Traditionen des Vokal-Jazz ebenso geprägt ist wie von ihrer klassischen Ausbildung, Pianist Pablo Struff, Sebastian Claas am Kontrabass und Schlagzeuger Jonas Sorgenfrei in ihren musikalischen Werdegang als Band bereits fortgeschritten sind, obwohl sie noch nicht mal eine eigene CD vorweisen können, belegen ihre eigenen Stücke, von denen man hoffentlich möglichst viele auf dem geplanten Tonträger wiederfinden wird. Melodien voller Poesie, ausdrucksstarke Harmonik und markante Rhythmen sind deren Markenzeichen und Songs wie „Outside Land“ oder „Would You Say The Same If I Were A Man“ sind echte Volltreffer.

Die Band nutzt die Gunst der Stunde, legt einen überragenden Auftritt hin, und freut sich sichtlich auch selbst über den gelungenen Coup. Sie ist eindeutig die große Überraschung des Festivals, das doch so prall gefüllt war mit guter Musik verschiedenster Couleur, eines Festivals, das exemplarisch und in komprimierter Form die vielfältigen Spielformen des Jazz aufzeigte, eines Festivals, das nicht nur sich selbst, die Musiker und den Birdland Jazzclub per Radio weltweit bekannt macht, sondern auch die Stadt Neuburg. Als immens effektiver Werbeträger nämlich, der die Kommune keinen Cent extra kostet. Die Künstler für das nächste Jahr sollen, wie man hört, bereits größtenteils gebucht sein.


Lage Lund Quartet | 21.11.2025
Donaukurier | Karl Leitner
 

Der norwegische Meistergitarrist Lage Lund war schon mal im Birdland Jazzclub in Neuburg. 2008 und 2013 war das, als Sideman in den Bands anderer. Jetzt ist er als Chef seines eigenen Quartetts vor Ort, zusammen mit dem Kontrabassisten Orlando deFleming, dem Schlagzeuger Jeff Ballard und Pablo Held, der kurzfristig für den erkrankten Danny Grissett am Flügel sitzt. Im Gepäck hat er ausschließlich Eigenkompositionen aus den letzten Jahren, mit denen es aber eine besondere Bewandtnis hat.

Er liebe es zu komponieren, sagt Lund gleich zu Beginn, aber er hasse es, seinen Stücken einen Namen zu geben, weshalb er immer ganz abscheuliche erfinde. „Wenn die Leute hören, dass ich beabsichtige, ein Stück mit dem Titel ,Octoberry‘ zu spielen oder eines, das ,Boogie‘ heißt, dann schrauben sie ihre Erwartungen automatisch zurück.“ Er freue sich aber durchaus, wenn es nachher heißt: „Ach, so grottenschlecht war das ja gar nicht. Ich hatte Schlimmeres erwartet.“ – Die Vokabel „schlecht“ freilich existiert schlicht nicht, wenn man sich mit Lund beschäftigt, auch an diesem Abend nicht, denn die Band geht mit Eleganz und Gefühl zu Werke, Lund zeigt ein ums andere Mal als Solist, woher er seinen exzellenten Ruf hat, kehrt in seinem Spiel sein Innerstes nach außen und leitet seine Combo mit Umsicht und Fürsorge. Pablo Held steuert einige wunderschöne Soli bei und mit dem Gespann deFleming/Ballard scheint Lund seine Idealbesetzung mit nach Neuburg gebracht zu haben.

Die Stücke gehören zwei verschiedenen Kategorien an. Da sind zum einen die wogenden, verspielten, die wie entrückt zu schweben scheinen. Es ist, als müssten sie sich erst aus einem Nebel herausschälen, die Konturen werden erst allmählich sichtbar, treten erst mit der Zeit deutlich hervor. Nicht umsonst heißt eines von ihnen – was diesmal durchaus aussagekräftig ist – „Langsam“. Je mehr es dabei freilich ins Meditative geht, desto mehr Längen werden hörbar. In diesen Phasen schraubt Lund Parameter wie Dynamik oder Tonstärke dermaßen weit herunter, dass man sich trotz all der Schönheit gekonnter Filigranarbeit fast ein wenig nach mehr Elan sehnt. Der stellt sich mit der zweiten Gruppe von Kompositionen ein. Mitte des ersten Sets beginnt deren große Zeit mit dem lebhaft-vertrackten „Jimbo“, das Lund für seinen 2024 verstorbenen Kollegen, den Keyboarder Jim Beard, geschrieben hat, wird fortgesetzt mit dem flotten „Circus Island“ und erreicht seinen Gipfel mit dem melodisch und rhythmisch besonders anspruchsvollen „Cigarettes“, einer trotz des Titels (O-Ton Lund: „I know, it’s terrible. Sorry For That!“) exzellenten Kompositionen.

Lage Lund und sein Quartett bestreiten das siebte von acht Konzerten im Rahmen des Birdland Radio Jazz Festivals und fügen dem in dessen Rahmen gezeigten Querschnitt durch die Vielfalt des aktuellen Jazz wieder eine neue Komponente hinzu. Lund bezeichnet seine Musik als „Zeitgenössische skandinavische Exotik“, andere würden einfach nur „Moderner Gitarren-Jazz in all seinen Facetten“ sagen. Wichtig ist, dass möglichst viele Formen und Spielweisen ein Forum erhalten und ein Publikum finden, wie es während des Radio Festivals in komprimierter Form und im „Alltags-Programm“ des Birdland das restliche Jahr über der Fall ist. Nachzuhören ist das Konzert des Lage Lund Quartets am Freitag, 27. März 2026, ab 23 Uhr auf BR-Klassik.