Presse

Nachruf auf Lee Konitz | 17.04.2020
Augsburger Allgemeine | Reinhard Köchl
 

Es scheint, als würde Corona eine tiefe Schneise in den alten, den klassischen Jazz reißen, die Generation derjenigen, die dieser Musik erst zu Anerkennung und Popularität verhalfen, nach und nach ausradieren. Nun ist auch der legendäre amerikanische Altsaxofonist Lee Konitz in einem New Yorker Krankenhaus am Mittwoch nach einer Lungenentzündung an den Folgen von Covid-19 gestorben. Dies teilte sein Sohn Josh mit.

Der Tod von Konitz, der 92 Jahre alt wurde, fällt natürlich in das allseits bekannte Erklärungsschema „Risikogruppe“. Dennoch wirft er nicht zum ersten Mal Fragen auf, warum ältere Menschen in den USA und speziell Frauen und Männer, die sich unschätzbare Verdienste für ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal ihres Landes erworben haben, nicht besser geschützt werden. Vieles kann im Nachgang nur mit Bitterkeit rekapituliert werden, auch die mangelnde Wertschätzung für den knorrigen, weißhaarigen Musiker in seinen letzten Jahren, in denen er rastlos zwischen Amerika, Polen und Deutschland hin- und herpendelte. Hierzulande kam es noch vor, dass sie ihn feierten, sein Lebenswerk würdigten, wie zum Beispiel im Birdland-Jazzclub in Neuburg, wo Konitz seit der Wiedergründung 1985 zu den Dauergästen zählte. „Wir verlieren einen echten Freund, und ich mein persönliches Idol“ zeigte sich Birdland-Chef Manfred Rehm gestern bestürzt.

Die Konzerte im Neuburger Hofapothekenkeller – es mögen im Laufe der Jahre gut und gerne an die 20 gewesen sein, das letzte fand im November 2017 statt – waren stets Feste der Improvisationskultur. Immer wenn der Meister am Altsaxofon dem Birdland einen Besuch abstattete, zelebrierte er würdevoll eine fast in Vergessenheit geratenen Kunstform, die er im Laufe der vergangenen sieben Jahrzehnte ganz entscheidend mit prägte. Bei Lee Konitz trugen zwar die Titel fast immer dieselben Namen, sie klangen aber jedes Mal anders; in punkto Tempo, Harmonien, Variationen und vor allem aufgrund seines immensen solistischen Einfallsreichtums. Als kleines Zuckerl gab es für Rehm als Zugabe bei jedem Gastspiel stets dessen Lieblings-Standard „Invitation“ – in der jeweiligen Tagesform.

Keiner verstand sich so meisterhaft in der Kunst der Improvisation, wie Lee Konitz. Er nannte es „Instant Composing“, das Komponieren im Augenblick des Spielens. Der 1927 in Chicago geborene Musiker erlangte schon in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre Berühmtheit, als er einen Kontrapunkt zu Charlie Parkers lavaartigen Bebop-Läufen setzen wollte. Mit noch mehr Energie oder Spielfreude war das nicht zu machen. Das wollte Konitz auch nicht, er sah sich nicht als Antipode von Parker. Man kannte und schätzte sich, gerade, weil jeder musikalisch seinen eigenen Weg ging. Ein erstes Ausrufezeichen gelang ihm mit der Mitwirkung bei den Sessions zu Miles Davis epochalem Werk „Birth Of The Cool“ 1949. In dieser doch ziemlich konträren Ästhetik kamen Konitzʼ Sound sowie sein Konzept der motivischen Improvisation bestens zur Geltung. „Cool“ oder gar unterkühlt war die Spielweise von Lee Konitz jedoch weiß Gott nicht. Sein nie versiegendes Füllhorn an Ideen rührte vielmehr von den komplexen Übungen her, die der Pianist Lennie Tristano seinen Mitmusikern auferlegt hatte und sich auf dem schmalen Grat zwischen Barock und Freejazz bewegte.

In Tristanos Umkreis bewegte sich Konitz von Anfang an. Dort wurden immer wieder Inventionen von Johann Sebastian Bach als Material herangezogen. Wenn man dann auf dieser Grundlage wieder über Standards wie „All The Things You Are“ improvisierte, dann klang das in der Tat nicht mehr nach Parker und Bebop, sondern neu und anders. Bis zum Ende seines Lebens vermochte er den Harmoniefolgen dieses Standards immer wieder neue Aspekte abzugewinnen, und nannte seine unzähligen Versionen irgendwann mal augenzwinkernd nur noch „Thingin’“ – was für Konitz zwei elementare Werte vereinte: Thinking (Denken) und Singing (Singen). Seine fließenden Linien besaßen stets sangliche Qualität.

Ohne ihn, diesen Elder Stateman des Jazz, wäre die Improvisation heute nur mehr ein Mythos. Bis zuletzt blieb Lee Konitz zugänglich, offen, interessiert und am Puls der Zeit. Er spielte mit Musikern, die seine Enkel oder gar Urenkel hätten sein könnten. Nicht nur sie werden ihn schmerzlich vermissen.


Michael Musillami Trio + 2 | 13.03.2020
Donaukurier | Karl Leitner
 

Was vor ein paar Tagen noch niemand ahnen konnte: Dieses Konzert mit dem amerikanischen Gitarristen Michael Musillami und seiner Band wird für längere Zeit das letzte im Jazzclub unter der ehemaligen Hofapo­theke gewesen sein. Denn wie viele Ver­anstalter bundesweit hat sich nun auch Birdland-Chef Manfred Rehm entschlos­sen, alle Konzerte bis Ostern abzusagen.

Jazz in Zeiten des Ausnahmezustands? – Eindeutig ja. Die Zahl der Besucher hält sich in Grenzen an diesem Abend und die Musiker, die allesamt aus New York kommen, erzählen, wie ihnen die Behörden bereits bei der Abreise vor einigen Tagen erklärt hätten, dass sie bei der Rückkehr in die Heimat damit rechnen müssten, auf jeden Fall medizinisch getestet und isoliert voneinander über­prüft zu werden, vermutlich aber sogar für unbestimmte Zeit in Quarantäne zu kommen. Hut ab vor dem Mut, dass sie sich unter diesen Bedingungen über­haupt in den Flieger nach Europa gesetzt haben.

Und die Musik? – Ja, die gibt es auch. Musillami, der von Kennern der Jazzgitarrenszene durchaus in einem Atemzug genannt wird mit John Scofield und Pat Metheny, aber eben nicht über deren Lobby und somit nicht über deren Be­kanntheitsgrad verfügt, hat seine Band „Trio+1“ mit Joe Fonda am Kontrabass, George Schuller am Schlagzeug ins Birdland mitgebracht und zusätzlich als Gast Thomas Heberer an der Trompete. In den Kompositionen Mussilami’s treffen gemächliche Passagen auf hektische Betriebsamkeit. Die verschworene Ge­meinschaft des seit 17 Jahren existieren­den Trios und der sich ständig auf über­aus kreative Weise einmischende „Gast“ an der Trompete, ziehen, zerren und rüt­teln an den in schöner Eintracht vorge­stellten Themen, lassen sie in sich zu­sammenfallen, bringen sie mit Feuereifer zum Einsturz, ordnen die Einzelteile und fügen sie auf teils fast wundersame Wei­se neu zusammen. Wie sich am Ende eins ins andere fügt, ist in der Tat in höchstem Maße erstaunlich.

Und hinter jedem einzelnen Stück steckt eine Geschichte. Der Tod eines Schülers Musillami’s bei „For Robert Paris“, die akustische Hommage an seinen Mentor in „D’Iorio“, das verschmitzte „Uncle Pheno’s Garden“ in Erinnerung an seinen Onkel, der dem Beruf des Tre­sorknackers nachging, und schließlich „June Recovery“, eine von mehreren Kompositionen, die während Mussila­mi’s Rekonvaleszenz nach seiner erfolg­reichen Operation aufgrund eines Ge­hirntumors entstanden.

Auch die Zugabe am Ende ist mit Be-dacht gewählt. Eine wunderschöne Bearbeitung von „In A Sentimental Mood“, der weltberühmten Komposition Duke Ellington’s, fängt genau die wehmütige Stimmung ein, die nach den Konzert im Birdland herrscht. Es ist erst einmal vor­bei. Manfred Rehm plant zwar, pünktlich am 17. April mit dem Gastspiel der schwedischen Posaunistin Karin Ham­mar, ihrer Band Fab 4 und dem Projekt „Circles” den Konzertbetrieb wieder auf­zunehmen, aber ob das auch tatsächlich möglich sein wird, kann heute wohl nie­mand wirklich einschätzen.


Swingin‘ Ladies + 2 | 07.03.2020
Neuburger Rundschau | Thomas Eder
 

Swingmusiker der oberen internationalen Liga sind gut miteinander vernetzt. Man kennt sich aus verschiedenen Projekten wie dem Hotel Ascona Swing Festival oder den legendären River Boat Shuffles und anderen Flusskreuzfahrten, wo mehrere Tage lang in immer neuen Konstellationen zur Unterhaltung der Passagiere musiziert wird. Aus diesem Swing-Syndikat waren letzten Samstag vier Virtuosen aus vier Ländern im Birdland zu Gast: Nicki Parrott (Kontrabass und Gesang, Australien), Stephanie Trick (Piano, USA), deren Ehemann Paolo Alderighi (Piano, Italien) und Engelbert Wrobel (Klarinette und Saxophon, Deutschland), der die Zuschauer mit zahlreichen Anekdoten und Wortwitz in herzhafter Manier durch den Abend führte.

Natürlich standen keine zwei Pianos auf der Bühne, denn das Klavierpärchen teilte sich die 88 Tasten des Bösendorfers so wie es sich in einer guten Ehe gehört. Und los ging es mit dem Temptation Rag von Henry Lodge, bei dem sich Stephanie und Paolo als vierhändiges Ausnahmegespann präsentierten. Immer schön locker und ständig abwechselnd, mal die eine auf den hohen Tönen, mal in der tiefen Etage, dann andersrum, immer im Wechsel und dann wieder ohne den Partner. Die Pianofraktion war in ständiger Bewegung und tauschte ununterbrochen die Plätze, wenn nicht gerade ein Solostück im Stride-Piano-Stil oder ein Duett von Hoagy Carmichael auf dem Programm standen. Eine sehr sportliche Art zu musizieren.

Die andere Lady der Band war die bezaubernde Bassistin Nicki Parrott, die treue Zuschauer schon öfter auf Deutschlands bedeutendster Jazzbühne erleben durften. Ihre unprätentiöse Art zu begleiten macht sie zu einer Ausnahmeerscheinung im Genre, was nicht heißt, dass sie mit originellen Einwürfen sparte. Ganz im Gegenteil waren ihre solistischen Blüten ein kaum wegzudenkender Teil ihrer großartigen Performance. Und wenn das Bassspiel durch ihre glasklare weiche Stimme dezent in den Hintergrund trat und sie als Sängerin glänzte, spätestens dann war es um das Publikum geschehen. Bei „Honeysuckle Rose“, ein im Antonio-Carlos-Jobim-Medley verpacktes „Girl of Ipanema“ oder „On the Sunny Side Of The Street“ waren alle Anwesenden selig.

Und dann war da noch Dauerbrenner Engelbert. Wer ihn kennt, freut sich auf ihn. Nicht nur wegen seinen unterhaltsamen Ansagen, sondern weil der Mann weiß, an welcher Stelle er dem ganzen noch unbemerkt den letzten Anstrich verleihen muss. Und das wissen genaue Beobachter zu schätzen. Sein großes Vorbild ist Benny Goodman. Aber wie er seine spektakulären Soli in einer unbeeindruckten Leichtigkeit vorträgt, steht er seinem Idol in nichts nach. Am Samstag Abend reüssierte der Westfale noch als „Aushilfssänger“ und Bongospieler, was für uns Zuschauer das Tüpfelchen aufs i war.

Ein hervorragendes Konzert mit vielen Höhenpunkten unter denen man die grandiose Interpretation von Fats Waller‘s „Martinique“ besonders hervorheben sollte.

Danke liebe Swingin‘ Ladies and Gentlemen für diesen vergnüglichen Abend, bei dem man ganz entspannt seine Seele baumeln lassen konnte. Die Köpfe und Beine der Zuschauer werden sicher noch einige Tage begeistert nachwippen.


Emile Parisien Quartet | 06.03.2020
Donaukurier | Karl Leitner
 

Was ist das denn? Melodien und Rhythmen rasen durch das Birdland, baumeln und taumeln, wanken und schwanken, mal scheint die Musik auf der Stelle zu treten und die Zeit still zu stehen, dann wieder rütteln heftige akustische Böen an den Grundfesten des Gewölbes. Minimalistische Figuren und orgiastische Ausbrüche folgen unmittelbar aufeinander. Manchmal scheint es, ein Orkan tobe und fege über Neuburg hinweg und die vier Musiker, die hier auf der Bühne stehen, wollten alles in Grund und Boden spielen.

Dabei ist alles perfekt geplant, nichts dem Zufall überlassen. Bei all der Dynamik, der gewaltigen Kraft, die hinter all dem steckt, dem sicht-, hör- und spürbaren Feuer in dieser Musik, ist doch alles durchdacht und dient einem übergeordneten Konzept, in dem freie Passagen ihren fest definierten Platz haben und sich scheinbar mühelos einfügen in die Regelhaftigkeit, die dem Ganzen durchaus zugrunde liegt. Dennoch ist diese Musik ständig in Bewegung. Kaum denkt man, man habe die Struktur einer Komposition begriffen, reißt einem die Band auch schon wieder den Boden unter den Füßen weg.

Verantwortlich für diese in jederlei Hinsicht außergewöhnliche und in wahrstem Sinn spektakuläre Musik sind Sopransaxofonist und Bandleader Emile Parisien, Pianist Julien Touéry, Kontrabassist Ivan Gélugne und Julien Loutelier am Schlagzeug, die derzeitige Speerspitze des französischen Jazz, und deren aktuelles Album mit dem Titel „Double Screening“. Dafür hat Die Formation den Jahrespreis 2019 der Deutschen Schallplattenkritik erhalten, und das wahrlich nicht umsonst. Parisien und seine Band, die bereits seit 15 Jahren in dieser Besetzung existiert, was auch das traumwandlerische Zusammenspiel erklärt, drückt mit Stücken wie „Double Screening“, „Spam I-III“, „Hashtag I-IV“, „Algo“ und „Mal-ware Invasion“ die grassierende Zerrissenheit und zunehmende Überforderung durch das digitale Zeitalter mit den Mitteln der Musik aus. „Diese Musik fährt in die Beine, ohne das Hirn zu vernachlässigen“, heißt es in der Laudatio zum erwähnten Kritikerpreis. Und, was auch beim Konzert im Birdland überdeutlich wird: Sie hat Witz und verfügt über Humor. Wie Oldtime Swing und enthemmter Bebop in Portionen von der Länge lediglich eines Taktes einender gegenübergestellt werden, wie synthetisch anmutende Geräusche ausschließlich mit manuellen Mitteln erzeugt werden und somit nicht durch den Spamfilter fallen, wie das Piano dem Saxofon – nur um einen Wimpernschlag verzögert – in halsbrecherischem Tempo und völlig unisono eine regelrechte Verfolgungsjagd liefert, muss man erst einmal gehört haben.

Ja, in der Tat. Diese Musik hat etwas Visionäres an sich und macht zugleich ungeheuer Spaß. Das gilt für die CD-Fassungen der insgesamt 14 Stücke des Projekts, mehr aber noch für deren ausgedehnte Live-Versionen. Wenn man Parisien dabei zusehen kann, wie er mit vollem Körpereinsatz zu Werke geht oder dem personifizierten Chronometer Julien Loutelier beim Umgang mit Becken und Trommeln, dann bekommt die Sache noch einmal eine ganz andere Dimension. Was für ein Konzert!


Emile Parisien Quartet | 06.03.2020
Neuburger Rundschau | Reinhard Köchl
 

„Double Screening“ heißt die aktuelle CD des französischen Saxofon-Shootingstars Emile Parisien. Genauso nennt man eine bestimmte Aufspaltung der Wahrnehmung, eine besondere Form des Multitaskings. Wenn jemand beispielsweise einen Film auf einem iPad schaut und zur selben Zeit Facebook auf dem Smartphone nutzt, dann ist das „Double Screening“. Vielleicht auch digitale Verzettelei. Über deren Folgen klärte Parisien jetzt bei seinem zweiten Neuburg-Gastspiel auf – aber so analog, musikalisch entschlossen und grandios, wie dies nur einer Zukunftshoffnung des Jazz möglich ist.

Auf den 37-jährigen Franzosen hagelte es Auszeichnungen und hymnische Kritiken, seit sein letzter Ton im April 2017 im Birdland verklang. Was damals vor vollem Haus über die Bühne ging, hätte sich angesichts der gewachsenen Popularität des Protagonisten diesmal unbedingt wiederholen müssen. Doch selbst im beschaulichen Neuburg gibt es offenbar inzwischen erste Auswirkungen der Corona-Angst und eine gewisse Reserviertheit im Ausgehverhalten der Menschen zu spüren. Anders lassen sich die ungewöhnlich locker besetzten Stuhlreihen im Hofapothekenkeller kaum erklären. Parisien wäre jedoch nicht der gefeierte Jungstar, wenn ihn dies in seiner Spielfreude gebremst hätte. Mit ansteckender Leidenschaft, überbordender Fantasie und frappierender Virtuosität öffnen er und seine organisch aufeinander abgestimmte Freundescombo unerschöpfliche Weiten, die kein www. brauchen.

Parisien macht Musik nicht nur des schönen Klanges wegen. Er verpackt die Fragen zum Zustand unserer Gesellschaft in aufrührerische, emotionale, packende Klänge. Was tun wir, wenn wir mal nicht mit unserem Smartphone verbunden sind? Wenn wir mal nicht aufs Tablet schauen und nicht vor dem Bildschirm sitzen? Kann man noch improvisieren in einer Welt, die zunehmend von Algorhythmen bestimmt wird? Gibt es Raum für Poesie in einer Gesellschaft, die immer mehr mit künstlicher Intelligenz verschmilzt? Die Antworten stecken in Titeln, die Namen wie „Algo“, „Hashtag“, „Malware Invasion“ oder „Daddy Long Legs“ tragen.

Der Primus inter pares und seine enorm flexible, fordernde Band mit dem Pianisten Julien Touéry, dem Bassisten Ivan Gélugne und dem Schlagzeuger Julien Loutelier kreieren dabei einen Klangraum, der die Digitalwelt nachstellt. Aber nicht so, wie man zunächst denken würde. Die Musik von Emil Parisien und Co. kommt ganz ohne Laptop, Sequenzer und Sampler aus. Das Quartett musikalisiert Haker und Aussetzer von CDs, das Ruckeln von digitalen Files, das Flackern von Bildschirmen mit traditionellen Instrumenten. Dabei entsteht ein schwindelerregendes Switchen zwischen sich widersprechenden Stilen und Rhythmusebenen.

Einerseits besticht Emil Parisiens Tongebung und Klangkultur auf dem eigentlich in hoher Tonlage angesiedelten Sopransaxofon, das er wie ein orientalisches Blasinstrument in mystisch dunkle Tiefen führt. Zum anderen überrascht die Struktur der Stücke, ihr feiner, spannender, erzählerischer Duktus, bei dem die Band bewusst Malware hineinschmuggelt, also Schadsoftware, Trojaner, die den musikalischen Fluss urplötzlich ins Taumeln, Schliddern und Kippen bringen. Turbogeschwindigkeit bestimmt das Tempo. Dann gibt es aber immer wieder kurze, ruhige Zwischenspiele, lyrische Intermezzi voller Feeling, und Power-Swing in aberwitzig synkopengespickten Neobop-Höllenritten, die einem schier den Atem rauben.

Alle vier Musiker sorgen für improvisatorische Geistesblitze. Touéry präpariert den Flügel so originell, dass ein John Cage glücklich gewesen und vielleicht sogar noch zum Jazz konvertiert wäre, wenn er zudem Gélugne bei seinen wilden Eskapaden am Basskorpus erlebt hätte. Julien Loutelier, der Jüngste (und einzige Nicht-Brillenträger) der Band, entpuppt sich am Drumset als ständiger kreativer Unruheherd. Der Reiz der Datenströme, die Lust, sich in der Welt der Bits und Torrents zu verlieren, steckt ebenso in dieser faszinierenden Musik, wie jede Menge trockener Humor und bittere Ironie. Ein vielbeklatschtes Bravourstück mit Tiefenwirkung.


Jeremy Pelt – George Cables Duo | 29.02.2020
Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

Unverhofft kommt oft. Auch im Duo verzauberten Jeremy Pelt und George Cables, der eine an der Trompete, der andere am Piano, das Publikum im lückenlos ausverkauften Birdland Jazzclub. Bassist Peter Washington musste krankheitshalber kurzfristig absagen. Dem Duo fehlte freilich nichts Merkliches an diesem Abend, der vor Spielwitz nur so sprühte und zudem von emotionaler Tiefe und starkem Miteinander geprägt war.

Vom brodelnden Bebop zu seelenwärmenden Balladen, von bluesverwurzelter Erdenschwere zu feurig jauchzendem Himmelssturm reichte das Repertoire des mit allen Wassern gewaschenen Duos, nicht zuletzt gespickt mit Kompositionen des Altmeisters am Flügel: »I‘m All Smiles«, »Looking For The Light« oder »Helen‘s Song« sind längst im erlauchten Kreis moderner Standards angekommen. Beiden Protagonisten auf der Bühne machte es sichtlich Spaß, beide hatten Einiges zu bieten: Jeremy Pelt legte in einem seiner »Lieblingsclubs« einmal mehr die Messlatte für zeitgemäßes Trompetenspiel denkbar hoch mit explosiver Virtuosität und blitzgescheiter Eloquenz, frei nach dem Motto: Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Auf der anderen Seite berührte sein sanfter, vibratoarmer Balladenton mit fast schon zerbrechlich wirkender Nähe.

Altmeister George Cables ließ seinem Sinn für feinperlend sprudelndes Temperament, das auch Ecken und Kanten mühelos integriert, freien Lauf mit jener pianistischen Brillanz, die seine bereits mehr als fünf Jahrzehnte währende große Karriere kennzeichnet. Mit nur sparsam eingesetztem Pedal lenkte er das Ohr mit unbestechlicher Konsequenz auf die innere Substanz und Präzision seines hinreißenden Spiels, dessen Eleganz, Originalität und Tiefe mit den Jahren die Reife eines großen Weines erreicht haben. Dialogbereitschaft, Phantasie, Konzentration und Esprit prägten das Zusammenspiel zweier Meister, in der Tat: »The Art of Intimacy«, wie die aktuelle CD heißt; der Zusatz »vol. 1« gibt Aussicht auf eine gelegentliche Fortsetzung, hoffentlich auch in Jeremy Pelts bayerischem Lieblingsclub.


Jeremy Pelt – George Cables Duo | 29.02.2020
Donaukurier | Karl Leitner
 

Was macht eine aus drei Musikern bestehende Band, wenn ein Drittel der Belegschaft plötzlich krankheitsbedingt ausfällt? Das Konzert absa­gen? Nicht in diesem Fall. Lieber aus der Not eine Tugend machen, zu zweit auf­treten und zwei erstklassige Sets hinle­gen, von denen alle, die dabei sind, si­cher noch lange reden werden. Bassist Peter Washington fehlte im Birdland, da­für gaben George Cables am Flügel und Jeremy Pelt an der Trompete ihrerseits alles.

Duos sind ja geradezu prädestiniert dafür, unübliche Wege zu gehen, ausgetrampelte Pfade zu verlassen und Neues auszuprobieren. Nirgends kann man die zwischen Musikern stattfindende Ver­ständigung so gut beobachten wie im Duo, keine Besetzungsart ist so sehr ge­eignet für waghalsige Experimente, nir­gends gilt die Devise „Mal sehen, was passiert!“ so sehr in wie diesem Fall. Wer sich also auf ein Duo-Format ein­lässt, muss in der Tat wirklich gut sein. Und Cables und Pelt sind wirklich gut. Ersterer spielte in der Tradition Mc Coy Tyners in den Bands von Joe Henderson und Dexter Gordon und es gibt eigent­lich nur ein Adjektiv, das seine Spielwei­se treffend charakterisiert. Er ist schlicht­weg brillant. Ebenso wie Pelt, der aus der Hardbop-Fraktion kommt und Lee Morgan und Freddie Hubbard als entscheidende Einflüsse angibt.

Obwohl sie im Duo auftreten, sind von ihnen an diesem Abend jedoch keine melodischen, harmonischen oder rhythmischen Experimente zu hören, nein, beide kommen überein, den stilistischen Rah­men des Mainstream Jazz als natürliche Grenze zu akzeptieren. Was freilich in­nerhalb dieses Rahmens abläuft, ist großartig. Das alte Spiel von Frage und Antwort, das Übergeben und die Abnah­me von Themen oder Motiven, das Weiterspinnen musikalischer Ideen des Part­ners – das alles geschieht mit einer Souveränität und einer Lockerheit, die ihresgleichen sucht. Es ist viel Blues im Raum, immer wieder ziehen die beiden dessen Schema als Grundlage heran, um auf ihm zu ihren solistischen Höhenflügen anzusetzen.

Und dann sind da noch diese beiden funkelnden Perlen mitten in all dieser vor Kreativität schier berstenden Betriebsamkeit. „Helen’s Song“ vor und „Ebony Moonbeams“ nach der Pause, beides Kompositionen, nein, Geniestreiche aus der Feder George Cables‘, die durch ihre Moll-Attitüde die Handschrift eines echten Könners verraten. Allein für diese beiden Preziosen hätte sich das Eintrittsgeld gelohnt.

Wie das alles mit Kontrabass geklungen hätte, kann man sich nachträglich anhören, wenn man die unter Jeremy Pelt’s Namen erschienene CD mit dem Titel „The Art Of Intimacy, Vol.1“ einlegt. Beim Konzerts freilich stellt sich bereits nach fünf Minuten die Frage nach dem ja eigentlich angekündigten Trio gar nicht mehr. Das Duo zieht die Jazzfans im Birdland dermaßen in seinen Bann, dass eine Alternative zu diesem Format über­haupt kein Thema mehr ist, und das Wort „Ersatz“ kommt einem gar nicht erst in den Sinn.


Oded Tzur Quartet | 28.02.2020
Neuburger Rundschau | Reinhard Köchl
 

Coltrane ist weiß, schmächtig, trägt braune Locken und eine Hornbrille. Ansonsten ist fast alles noch so wie 1967: der Anzug, die Krawatte, die fordernden Bewegungen, so als würde er mit seinem Tenorsaxofon ringen, es niederkämpfen wollen. Und vor allem der Sound seines Horns! Im Keller unter der Hofapotheke erklingt gerade als Zugabe „Afro Blue“, die Leute in den vollbesetzten Reihen sitzen entweder mit offenen Mündern da, wiegen ekstatisch ihren Kopf oder reiben sich verwundert Augen und Ohren. Kann das sein . . . ?

Die Reinkarnation des größten aller Saxofonisten, eines Türöffners von der Vergangenheit zur Zukunft, einen, den die Jazzwelt seit seinem Ableben vor 53 Jahren schmerzlich vermisst, trägt an diesem Abend den Namen Oded Tzur. Gerade mal 35 Lenze zählt der auf den ersten Blick unscheinbare junge Mann, der in den Niederlanden das Licht der Welt erblickte, in Israel aufwuchs und heute in New York lebt, wo nach wie vor das Herz seiner Musik schlägt. Er und seine Band spielen gerade den alten Coltrane-Klassiker, und es klingt, als stünde der Meister höchstpersönlich da oben. Aber Tzur ist weiß Gott kein billiger Plagiator, kein Trittbrettfahrer wie Hundertschaften von Kollegen vor ihm. „Sein“ Coltrane klingt viel ausgebuffter, kalkulierter, strategischer. Dass dabei ein mindestens ebenso dichtes Intensitätslevel wie beim Original entsteht, ist nur eines von vielen weiteren Talenten dieses mehr als verblüffenden Newcomers.

Jeder einzelne Ton gerät bei ihm zum Erlebnis, die Addition all dieser Töne entwickelt sich von einer Ansammlung leuchtender, farbiger Kerzen zur berstenden Naturgewalt, einem kontrollierten Freisetzen von Energie. Oded Tzur, den die indische Meisterflötistin Hariprasad Chaurasia in die Geheimnisse der Mikrotonalität einführte, beherrscht die Kunst der Dramaturgie intuitiv tatsächlich wie weiland John Coltrane. Zeitverlauf und Harmonik, ruhige Tempi und Mut zu üppigen, wuchtigen Melodien zeichnen jede seiner ausladenden Kompositionen aus, die Namen wie „20 Years“, „The Dream“ oder „Here Be Dragons“ tragen. Sie beginnen fast immer an der Grenze der absoluten Hörbarkeit und zwingen das Publikum dazu, mitunter gar den Atem anzuhalten. Dabei haucht Tzur minutenlang in sein Mundstück, ertastet sich förmlich die Melodie. Pianist Nitai Hershkovits – die zweite sensationelle Neuentdeckung dieses außergewöhnlichen Konzertes – drückt im Gleichklang die Tasten empfindsamer als jede Katze auf Samtpfoten. Der Bass des Griechen Petros Klampanis tickt dazu wie der ruhige Puls eines buddhistischen Mönches und Drummer Johnathan Blake schrappt so leise mit seinen Sticks über die Becken, als würde sie der Wind im Kellerverlies bewegen.

Ganz langsam schwillt das laue Lüftlein dann zum Sturm an, mächtig, bedrohlich, faszinierend. Ein reißender Strudel entsteht, der alles verschlingt. Wer die Augen schließt, wähnt sich von Coltranes legendären Kumpanen McCoy Tyner, Jimmy Garrison und Elvin Jones umgeben. Sie (oder sind es tatsächlich ihre Erben?) kleiden den alten Modern Jazz der 1960er charmant und leidenschaftlich in ein zeitgemäßes Outfit, frönen lustvoll ihrer Spiellaune, agieren funky, swingend und orientalisch zugleich, gönnen sich authentische, niemals kitschige Emotionalität und fangen jede Eruption der Gefühle mit ihrem feinen Intellekt wieder ein.

Gerade deshalb gerät die zum Niederknien schöne Interpretation des alten Elvis-Schmachtfetzens „Canʼt Help Falling In Love“ in dauerhaft gedimmter Lautstärke zum Kino der akustischen Empfindungen. Zum ersten Mal darf man dabei erleben, wie Schweiß auf der Haut, Tränen im Gesicht und ein inniger Kuss klingen könnten. Ganz, ganz selten in den zurückliegenden Jahren reagierte das Publikum im Birdland enthusiastischer, frenetischer. Einer hatte sie alle von den Stühlen gerissen. Chapeau Oded Tzur!


Oded Tzur Quartet | 28.02.2020
Donaukurier | Karl Leitner
 

Es gibt wohl niemanden im Kellergewölbe des Birdland, der nicht das Besondere des Augenblicks spürt, als das Oded Tzur Quartet nach knapp zwei Stunden zum großen Finale ansetzt. Man erlebt dort ja immer wieder großartige Konzerte, aber Ereignisse, von denen eine derart spürbare Magie ausgeht, sind selbst an diesem Ort selten.

Der in Tel Aviv geborene und in New York lebende Tenorsaxofonist Oded Tzur, Schlagzeuger Jonathan Blake, Kontrabassist Petros Klampanis und Pianist Nitai Hershkovits sind etwas ganz Großem und völlig Neuem im Jazz auf der Spur. Das, was die vier Herren derzeit auf den Bühnen der Welt von sich geben, ist einzigartig. Es geht um die Stücke ihres Albums „Here Be Dra-gons“, ihrem ECM-Debut, mit denen Tzur und seine Band es schaffen, indische Ragas und Skalen mit dem Modern Jazz zu verschmelzen, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Mit filigranen Tönen, die wie ein Lufthauch, aus anderen Sphären herüberwehen, steigt das Saxofon in die Komposition ein, daraus entwickeln sich Klangwolken und ein Flow, der immer mehr anschwillt und sich nach und nach in solistischen Ausbrüchen entlädt. Folgt man Tzurs Li­nien, die er in diesen Momenten höchster Konzentration spielt, ist da zwar eine für europäische Ohren deutlich spürbare Fremdartigkeit vorhanden, aber eben auch eine starke innere Verbundenheit, die man auf wundersame Weise vom ers­ten Augenblick an zu ihnen aufbaut. Man wird als Zuhörer regelrecht fortgetragen von diesen Stücken, die vor aller Augen und Ohren zuerst als zarte Pflänzchen sprießen, sich dann öffnen, erblühen und sich schließlich in voller Pracht offenbaren.

Man kann sich bedenkenlos in diese Musik versenken, denn auch wenn Tzur Neuland betritt, nimmt er einen doch fürsorglich an die Hand und es stellt sich das prickelnde Gefühl ein, zwar auf dem sicherem Terrain des etablierten Modern Jazz zu stehen, gleichzeitig aber ein überaus spannendes Abenteuer in Terra Incognita zu erleben. Das Birdland scheint elektrisch aufgeladen zu sein an diesem Abend und die Energie, die von dieser Band ausgeht, ist quasi mit Händen greifbar, selbst dann, wenn die Mu­siker mit einer Leichtigkeit zu Werke ge­hen, die fast zur Schwerelosigkeit hin tendiert.

Zur allgemeinen Überraschung funktioniert das Konzept Tzurs auch bei Stü­cken wie „ Can’t Help Falling In Love“, das durch Elvis Presley bekannt wurde, der einem im Zusammenhang mit Jazz ja als allerletztes in den Sinn käme, und bei John Coltrane’s „Afro Blue“ in der Zuga­be, bei der der grandiose Jonathan Blake sich als trommelnde Naturgewalt ent­puppt.

„Tzur und seine Kollegen sind definitiv an etwas dran“, schrieb das US-Jazzmagazin Downbeat anlässlich der Veröf­fentlichung dieser Kompositionen. Dem Konzert im Birdland nach zu urteilen, sind sie tatsächlich fündig geworden. Es kann sogar sehr gut sein, dass alle, die an diesem denkwürdigen Abend anwesend waren, zu Ohrenzeugen wurden, als im großen Haus des Jazz sich eine neue Tür öffnete.


Mallets & Friends „The Lady Sings The Swing“ | 22.02.2020
Neuburger Rundschau | Julia Abspacher
 

Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah: Im Neuburger Birdland gastieren nicht selten Musiker von Weltrang, die aus allen Ecken des Globus her angereist kommen. Dass aber auch die Jazzer aus der Region sich durchaus nicht zu verstecken brauchen, bewiesen Mallets & Friends am Samstagabend im Hofapothekenkeller. Die fünfköpfige Combo um Bandleader und Vibrafonist Bernhard Reitberger tritt seit über zehn Jahren gemeinsam auf, wechselnde Gastmusiker und Besetzungen sorgen aber immer wieder für neuen Klang und neue Schwerpunkte. Dieses Mal hatten Mallets & Friends, wie schon 2018, ihr Programm „The Lady Sings The Swing“ im Gepäck. Titelgebende Lady war erneut Sängerin Angelina Siegert, unterstützt wurde sie neben Reitberger von Christoph Zoelch am Saxophon, Uli Schiekofer am Bass und Jim Holzhauser an den Drums.

Anders als der Name vermuten lässt, gab es aber nicht nur Swing zu hören, hier und da mischte sich auch Blues oder gar ein Mambo in den Abend. Größtenteils blieb die Formation aber im Great American Songbook und gemäßigten modernen Variationen verhaftet, zu Irving Berlin und Hoagy Carmichael gesellten sich John Lewis und Diana Krall. Quer über alle Genres hinweg bieten die fünf Musiker einen überbordenden, vollen, facettenreichen Klang, was wenig verwunderlich ist – sind mit Gesang, Saxophon und Vibrafon doch drei Akteure zu finden, die jeder für sich mühelos in der Lage sind, die Show zu stehlen.

Vor allem Siegert sticht heraus, sie kitzelt auch aus den oft gehörten Standards noch neue Nuancen hervor. Mal ist ihre Stimme glasklar, dabei aber nie schneidend, sondern immer kontrolliert und hier und da mit einkalkulierten Brüchen, mal ist sie samtig und verschmilzt mit dem Sound der Instrumente zu einem harmonischen Ganzen. Auch lautmalerische Elemente des Modern Jazz Gesang liegen ihr, in „Popsicle Toes“ etwa verspinnen sich die Vocals mit dem Saxophon zu einem spannenden Dialog. Mühelos gelingt es ihr, musikalisches Geschick mit tiefen Emotionen zu verbinden und in ihren Gesang zu legen.

In „Mr. Zoot Suit“ dann dürfen die Instrumentalisten glänzen. Ein markanter, schwerer Beat der Rhythmussektion eröffnet die Komposition mit dumpfen Klängen, dann spielen sich Vibrafon und Saxophon wie in keinem anderen Stück in Ekstase. Im petisch-schönen „Nature Boy“ kommen die sanften Töne zum Tragen, „Orange Coloured Sky“ ist knackig, gesanglich anspruchsvoll und wartet in den Lyrics mit einigen unerwarteten Momenten auf. Insgesamt bieten die fünf, denen man ihren Spaß an der Musik an diesem Abend wahrhaft ansehen kann, entspannten Jazz, der nie aufdringlich, aber immer prägnant ist. Das Publikum jedenfalls war sich sicher, dass Mallets & Freinds in ihrer aktuellen Besetzung gerne noch das ein oder andere Mal im Hofapothekenkeller vorbeischauen dürften.