Ein Besuch im Birdland lohnt immer, auch wenn’s mal nicht die ganz großen Namen sind. Impressario Manfred Rehm hat ein gutes Händchen dafür, die Bühne des international renommierten Jazzclubs auch dem einen oder anderen Insidertipp zur Verfügung zu stellen. Diesmal war es der französische Trompeter Fabien Mary, der sich mit einem regsamen und wendigen Münchener Trio die Bretter teilte, die den Jazz bedeuten.
Paris darf die Ehre in Anspruch nehmen, die europäische Stadt zu sein, die dem Jazz schon immer die Arme öffnete und von vielen Musikern, nicht zuletzt Miles Davis, als Wiege der Freiheit und des Respekts erlebt wurde. Kein Wunder, dass die Jazzszene hier so vielseitig ist, von vitaler Avantgarde ebenso geprägt wie von elegantem Swing und dem Sound der Frühmoderne. Als Vertreter des letzteren erweisen sich der Trompeter Fabien Mary und seine drei Mitstreiter aus München, der Stadt, in der der Jazz erst später, dann umso nachhaltiger Wurzeln schlug.
Die Vier legten los wie die Feuerwehr, ließen erst mal im uptempo die Fetzen fliegen. Ein paar PS mehr waren da schon zu spüren im frischen Groove des Quartetts.
Fabien Marys Trompete gleißte, glänzte, flatterte wie zu besten Hardbop-Zeiten, energisch und virtuos, sprang behände über Stock und Stein, fegte um Ecken und Kanten, getragen von einer Rhythmusgruppe kongenialer Klasse, schwungvoll, hochmotiviert und entschlossen.
Julian Schmidt brillierte am Bösendorfer mit hellem Sound, glasklarem Anschlag und vitaler Eloquenz, Xaver Hellmeier am Schlagzeug mit agilem Groove und impulsivem Punch. Eine Überraschung des Abends war der kurzfristig eingesprungene Bassist Daniel Nagel, bei weitem kein Notnagel, mit rundem Ton, starkem Groove und fingerflinkem Spielfluss.
Dass Fabien Mary und seine Kombattanten auch anders können als den »Walk on the Highline« zeigten sie mit Clifford Browns Ballade »Laura« mit einer Intensität, die gar an den im Birdland zu Recht hoch verehrten Säulenheiligen Dusko Goykovich erinnerte.
Ein Konzert mit feinem Hardbop a la Kenny Dorham, Lee Morgan oder Clifford Brown, nicht zuletzt bei »Tadd’s Delight« auf den Spuren des wegweisenden ersten Quintetts von Miles Davis, in dem er gemeinsam mit John Coltrane den Jazz zu kreativen Höhen führte. Da durfte natürlich auch der Hinweis auf beider 100. Geburtstag 2026 nicht fehlen. Zeitlose Musik, aktuell wie eh und je!
Wie heißt doch das Motto des Birdland so schön? »Jazz lives!« An einem solchen Abend ganz besonders.

