The Paris-Munich Connection feat. Fabien Mary | 18.09.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Münchens Partnerstadt in Frankreich ist Bordeaux, nicht Paris. Gleichwohl könnte man beim Gastspiel der Paris-Munich Connection im Birdland Jazzclub in Neuburg auf die Idee kommen, es wäre so, denn in dem Quartett dieses Namens arbeiten der französische Trompeten-Star Fabien Mary und die Herren Daniel Nagel am Kontrabass, Julian Schmidt am Flügel und Schlagzeuger Xaver Hellmeier als München-Fraktion absolut überzeugend, mannschaftsdienlich und souverän zusammen, gerade so, als täten sie dies schon ihr gesamtes Musikerleben lang. Jazzer können so etwas, denn ihre Sprache ist international und hat mit deren Herkunftsland herzlich wenig zu tun.

Die Band funktioniert, obwohl Mary ganz vorne an der Bühnenkante steht, die Ansagen macht und die Stücke einzählt, paritätisch. Keiner ist der Star, keiner beansprucht das alleinige Rampenlicht. Weil es allen gleichermaßen zusteht. Das bringt die Band auch dadurch zum Ausdruck, dass sie keinen einzigen Song aus Mary’s aktuellen Alben „Neuver Let Me Go“ und „Left Arm Blues“ spielt, sondern sich auf eine eher allgemeine Setlist einigt, auf den Inhalt des American Songbook Of Jazz, auf dessen Grundlage sich alle solistisch hervortun können und nicht der Komponist automatisch auch auf der Bühne alleine die Richtung vorgibt.

Was die Musiker an diesem Abend aus diesem Konzept machen, ist so etwas wie eine perfekte Präsentation von Hard Bop zwischen Chick Corea und Horace Silver, Joe Henderson und Charlie Parker’s „Bird Feathers“ in der Zugabe. Bei der Songauswahl scheint man ganz besonderes Augenmerk gelegt zu haben auf markante Themen, denn – ob Kenny Dorham’s „Short Story“, das von Clifford Brown seiner Gattin gewidmete „LaRue“ oder Cedar Walton’s „Insight“ – es geht immer um Titelmelodien, die man zwar irgendwie im Hinterkopf abgespeichert hat, auch wenn man sie wie so oft aus dem Stand nicht gleich benennen kann.

Deren ganze Schönheit entfaltet sich deswegen auf so nachdrückliche Weise, weil die Band erstens mit enormer Energie zu Werke geht und man nie das Gefühl hat, hier werde nur aus Verlegenheit auf bereits etabliertes Material zurückgegriffen. Und weil zweitens in ihr Musiker zusammengefunden haben, die bestens und vorbildlich kooperieren. Da sind Marys lange, reichlich verzierte, nicht selten in verschärftem Tempo vorgetragene Bögen, sein melodiebetontes Spiel, das an Chet Baker und besagten Kenny Dorham erinnert und einhergeht mit der technischen Brillanz eines Freddie Hubbard. Da ist Schmidt, der immer wieder solistisch Türme aufbaut und seine Klanggebäude so wunderbar strukturiert, da ist das unermüdliche Kraftpaket Xaver Hellmeier, das doch ganz ohne Kraftmeierei und akustische Wucht auskommt, und da ist Daniel Nagel am Kontrabass, der für den eigentlich vorgesehenen Giorgos Antoniou eingesprungen ist und mit wunderschöner Tongebung und auch als Solist absolut beeindruckend agiert.

Hier haben sich vier Musiker gesucht und gefunden, das spürt man in jeder einzelnen Sekunde dieses so überaus gelungenen Abends. Und weil’s so schön war, wünscht man sich automatisch eine möglichst baldige Neuauflage. Nun, zumindest Fabien Mary kommt als Teil der European All-Stars im Rahmen des Birdland Radio Jazz Festivals am 19. November erneut nach Neuburg.