Das nach seinem Leader am Piano benannte Pablo Held Trio mit mit Robert Landfermann am Kontrabass und Jonas Burgwinkel am Schlagzeug feiert in diesen Tagen sein 20-jähriges Bestehen, blickt auf zwei Jahrzehnte im Spannungsfeld zwischen Komposition und Improvisation zurück und setzt seit Jahren Maßstäbe im internationalen Jazz. Ralph Towner sah in ihm ein „wegweisendes Beispiel für die Weiterentwicklung des Klaviertrios im Jazz“ und John Scofield bezeichnet es als „eine der großartigsten Bands unserer Zeit“. Und nun, zum Abschluss seiner Jubiläumstour, gastiert die Combo im Birdland Jazzclub, dem Ort, an dem man von Anfang an an sie geglaubt und sie gefördert hat, wofür Held sich ausdrücklich bedankt.
Das Trio ist bekannt für die außergewöhnlich einfühlsame Kooperation ihrer Mitglieder, die sich ganz bewusst der Lust am kalkulierten Risiko hingeben, immer wieder – wie auch diesmal im Birdland – für intensive, unvorhersehbare Konzerte voll kreativer Energie, spontaner Interaktion und überbordender Improvisationskunst sorgen und somit ein Plädoyer für die Freiheit im Jazz abgeben, eine Freiheit, die zwar nicht grenzenlos ist, aber dennoch enorm viel Platz bietet, um sich auszutoben.
Immer wieder holt man sich Gäste mit an Bord. Anlässlich des Albums „Unity“, dessen Titelsong in der Zugabe die einzige „gebundene“ Nummer des Abends ist, war das der Gitarrist Nelson Veras. Auf der Jubiläums-Tour ist es der amerikanische Tenor- und Sopransaxofonist Emilio Modeste, der mit gerade mal 26 Jahren bereits in den Bands von Wallace Rooney, Ron Carter und Stanley Clarke gespielt hat und mit dem Trio Helds absolut auf einer Linie liegt, Lust hat, die ihm gewährten Freiheiten so richtig auszuleben und damit die Band ebenso bereichert wie diesen denkenswerten Abend im Birdland. „Ohne ihn würden wir anders klingen, anders spielen, anders an das Konzert herangehen“ sagt Held und spielt damit darauf an, dass die Band sich und ihre Musik ständig neu erfindet.
Das gilt für die der Kollegin Alice Coltrane gewidmete „Ode To Turiya“ und seine kompositorische Verbeugung vor Billy Hart ebenso wie für Helds eigene Stücke wie „Mind Waves“ und „Menuet For Seers“. Modeste improvisiert mit Pausen und eruptiven Ausbrüchen, lässt scheinbar ungezügelte Leidenschaft ebenso zu wie intime Momente, dosiert wohl überlegt, geht dann wieder bis an die Grenzen dessen, was innerhalb des weit gesteckten Rahmens möglich ist. Und das ist wahrlich eine ganze Menge. Er schleudert einzelne Single-Notes ansatzlos in die Runde und kommentiert damit das, was seine Kollegen tun, dann wieder brechen von Emotionen gespeiste Ströme geradezu aus ihm heraus und Modeste überlässt sich ganz der Flut, spielt mit vollem Körpereinsatz, unterstützt vom Drive eines Trios, das – obwohl in solchen Momenten nichts wirklich vorhersehbar ist – mit allem rechnet und sich dabei pudelwohl fühlt.
Es ist keine einfache Musik, die das Quartett bietet, und ja, man muss sich schon auf sie einlassen. Tut man dies, wird man entführt in eine völlig eigene musikalische Welt, in die man nur hier und heute eintauchen kann, weil Held und sein Trio am nächsten Abend, bei der nächsten Tour, mit einem anderen Gast, schon wieder ganz anders klingen. – In der Tat ein echtes Highlight im Birdland-Programm.

