Sarah McKenzie Quartet | 29.05.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Beide verfügen über betörende Stimmen, beide sind exzellente Pianistinnen, beide sind stilistisch enorm vielseitig. Dass die Australierin Sarah McKenzie deswegen immer wieder mit der Kanadierin Diana Krall verglichen wird, ist verständlich, aber dennoch nur die halbe Wahrheit. Erstere komponiert mehr, gibt an diesem Abend im Birdland Jazzclub in Neuburg ein Konzert, das eindeutig zu den Highlights der Saison gehört und sorgt für begeisterte Ovationen, die es auch für die Krall einst an gleicher Stelle gab, nur ist das ziemlich genau 30 Jahre her.

Eigentlich präsentiert das Konzert McKenzies zwei Stars. Sie selber und Ulf Wakenius, der etliche Jahre bei Oscar Peterson gespielt hat und heute zu den führenden Jazz-Gitarristen weltweit gehört. Hinter ihnen steht eine Backline, die es wahrlich in sich hat und weit mehr ist als lediglich eine Rhythm-Section, denn Drummer Sebastiaan de Krom (Wynton Marsalis, Jamie Cullum) und Kontrabassist Pierre Boussaguet (Monty Alexander, Diana Krall) sind unverzichtbarer Teil des Konzepts, in dem es um Singer/Songwiter-Swing, um Bossa Nova und betörende Balladen geht, um eine Bandchefin, die zwar die Fäden zieht und im Mittelpunkt steht und ohne die es dieses außerordentliche Quartett nicht gäbe, die aber immer Teil der Band bleibt, Musikerin, Sängerin, Arrangeurin, nie eine Diva, die auf das alleinige Rampenlicht pocht.

Der Abend ist eine echte Offenbarung und reich an Highlights. Das bekannte „Girl From Ipanema“ ist im Mittelteil völlig unerwartet und zeitversetzt auf dem Dancefloor unterwegs, mit „Paris In The Rain“ im Kopf möchte man sich als Zuhörer augenblicklich auf einen Spaziergang entlang der Seine begeben, auch wenn das Wetter nichts taugt, bei „Schneller!“ jagt man mit der kompletten Band über eine Autobahn, träumt bei „Corcovado“ am Strand von Rio und findet sich bei „The Secrets Of My Heart“ plötzlich im Umfeld des großen Michel Legrand wieder, dem das Stück nicht umsonst gewidmet ist. Und bei Jobim’s „Once I Loved“ geht McKenzie dann volles Risiko. Nur ihre Stimme und ein paar begleitende Figuren auf der Gitarre. Das ist Gänsehaut pur. Das ist Magie.

Wakenius ist kongenialer Partner, begnadeter Solist und ein Meister des Zitats. Mit Augenzwinkern arbeitet er Oscar Peterson, Rimski-Korsakow’s „Hummelflug“ und die Beatles in seine Soli ein und liefert sich mit McKenzie’s variantenreichen Piano-Läufen ein ums andere Mal Duelle, die belegen, dass es hier zwar einerseits fortwährend um kompakte Songstrukturen und auskomponierte Abschnitte geht, aber eben auch um die Lust an der Improvisation, um rhythmische Herausforderungen wie Dave Brubeck’s „Blue Rondo A La Tark“ und „That’s It! I Quit!“, aber auch um Balladen wie „Secrets Of My Heart“.

Was für ein denkwürdiger Abend, was für außergewöhnliche Musik, welch hinreißende Songs und was für eine herausragende Band. Für die kurze Zeitspanne knapp vor dem Ende des Konzertjahres 2025/26 im Birdland scheint Clubchef Manfred Rehm noch einmal alle Register gezogen zu haben. Zur Überbrückung der Sommerpause sozusagen. Mit dem hervorragenden Quartett rund um Sarah McKenzie im Gewölbe unter der ehemaligen Hofapotheke an diesem Abend und mit dem Gastspiel des Jeff Hamilton Trio am Dienstag im Stadttheater Neuburg, dem letzten Kracher der Saison.