Rudi Trögl Quartett | 08.02.2008

Neuburger Rundschau | Christian Wurm
 

Sie läuft und läuft und läuft… die Reihe „Art Of Piano“; und das, ohne zu stottern.
Inzwischen sind wir bei der Nummer 111 in der Reihe der Pianotriokonzerte angekommen.
Man könnte meinen, die Möglichkeiten für Erneuerungen und Neuentdeckungen im Rahmen einer solch klassischen Jazzbesetzung seien inzwischen ausgeschöpft.
Doch weit gefehlt. Carsten Daerr am Piano, Oliver Potratz am Bass und Eric Schaefer am Schlagzeug beweisen uns das Gegenteil. Zwar beginnt das Konzert mit dem Stück „Dümpeln“, aber es dümpelt mitnichten dahin; im Gegenteil.
Die Kompositionen, die durchwegs von den einzelnen Bandmitgliedern stammen, sprühen vor Phantasie und Entdeckergeist. Viele Stücke sind denn auch spontan auf Reisen durch asiatische und arabische Länder entstanden, wie Titel mit Namen wie  „Cairo Tombs“  „Singapur“ oder „Hängende Gärten“ belegen.
Es handelt sich sozusagen um Reiseskizzen, Miniaturen und Stimmungen, die vor Ort eingefangen und musikalisch umgesetzt und interpretiert wurden. Dabei werden aber keine pseudoethischen    Muskelemente verarbeitet, sondern eigene, europäisch geprägte Spielarten zwischen moderner Klassik und Jazz. Diese Vorgehensweise trägt auch einen Teil zum eigenständigen Stil des Trios bei. Es herrschen weniger durchgängie Melodiefolgen vor als vielmehr einzelne Akkordfolgen, eben Miniaturen, in denen immer wieder neue Klänge improvisatorisch erforscht werden.Teilweise geschieht das, indem Carsten Daerr in den Klavierkorpus seines Flügels greift und abwechselnd oder gleichzeitig mit einer Hand die Tasten drückt und mit der anderen die Saiten zupft.
Das kurzweilige Konzert bleibt immer spannend. In meist treibenen Rhytmen geht es ständig vorwärts, wie bei „rollenden Rädern eines Flugzeuges, kurz bevor es abhebt“ – so die Erklärung von Carsten Därr zum Stück „Manila“. Und im akkustischen „Heavy Metal Punk Jazz-Stück“ mit dem Namen
„Negativ FX“ fließen noch Dub- und Reaggaesequenzen mit ein.
Eine der wenigen ruhigen Stücke rundet das ganze Konzert schließlich noch ab. In „Der Regenmacher“  setzen Oliver Poratz und Erich Schaefer auch noch kleine Spieluhren und Glöckchen ein. Schwebende Klänge im Feenland.
Wie schön, das dieses ausgezeichnete Konzert vom Deutschlandfunk mitgeschnitten wurde.

Deutschlandfunk-Sendetermine:

1. Teil:  in „Jazz Live“, 20.10.2008. 21.05 Uhr bis 22.00 Uhr
2. Teil:  in „Klanghorizonte“, 03.11.2008, 01.05 Uhr bis 02.00 Uhr