Randy Brecker & The AMC Trio + 1 | 23.09.2022

Donaukurier | Karl Leitner
 

Eine neue Com­puter-Software? Ein soeben auf den Markt geworfenes Hybrid-Fahrzeug? – Nein, die Initialen von Peter Adamkovic (Klavier), Martin Marincak (Kontrabass) und Stanislav Cvanciger (Schlagzeug). Die drei kommen aus der Slovakei und ergeben zusammen ein Piano-Trio, das sich ganz dem Mainstream Jazz ver­schrieben hat, und zwar der Variante, die sich dem Rock annähert. Hinsichtlich des Konzerts, das die drei gleichberech­tigten Instrumentalisten und Komponis­ten im Neuburger Birdland Jazzclub ge­ben, ist das aber längst nicht alles.

Verstärkt um den Gitarristen Samuel Marincak und zusammen mit dem legen­dären Trompeter Randy Brecker laden sie mit geschmackvollen, angenehm zu hörenden Melodien ein zu einem Trip in Richtung Fusion, Rock und sogar Folk und spielen genau das, womit sie, dem Applaus und den beiden stür­misch gefor­derten Zugaben nach zu ur­teilen, an­scheinend den Nerv des Publi­kums punktgenau treffen. „Music For The Peo­ple“ heißt ei­nes der Stücke des Abends, und das stimmt absolut.

Immer wenn es geht, lädt das Trio sich Gäste ein. Ulf Wakenius, Philip Catheri­ne, Bill Evans und Eric Marienthal schlüpften bereits in die Rolle des „Gast­stars“, nun trifft es Randy Brecker. „Die­se Songs kommen mir als Trompeter sehr entgegen“, sagt er im Konzert, und Wakenius attestierte ihnen auf ihrer Homepage: „Sie haben ein außerge­wöhnliches Talent für schöne Melodien mit osteuropäischem Einschlag“. Die Melodien, ja, sie sind die Basis. Fast im­mer beginnen die Kompositionen mit ei­ner kleinen Figur der Gitarre oder des Klaviers, dann folgt das Thema, poppig aber auch irgendwie unwiderstehlich. Ab diesem Zeitpunkt „läuft“ die Nummer, groovt, pulsiert. Dann geht es mal weni­ger, mal mehr in Richtung Rock. Der Grad der Elektrifizierung, der Verstär­kung und der Lautstärke, die Sounds des Gitarristen, dessen verzerrte Soli und Feedbacks, der von den Becken auf Hi Hat und Sna­re Drum verlagerte Beat des Schlagzeugers, diese Einzelteile ergeben ein Klangbild, das man eher mit Rock in Verbindung bringt, gehören aber nun mal zu dessen Stilmitteln. Und ja, es gibt so­gar reine Rockstücke im Programm. Wo­bei die stilistische Einordnung aber nur am Rande interessant ist. Viel wichtiger ist, dass man das ganze Konzert über eine spielerische Leichtigkeit empfindet, sogar dann, wenn der Gitarrist einen Heavy-Akkord ins Rennen schickt.

Und Brecker? Dem ist dergleichen nicht fremd, hat er doch selbst mit Bruce Springsteen, Aerosmith, Frank Zappa und Steely Dan gespielt. Aber eben auch in Jazzbands mit Charles Mingus und Horace Silver. Er war immer auch ein Ensemblespieler, nicht zuletzt mit sei­nem Bruder Michael als The Brecker Brothers. Auch im Birdland drängt er sich nicht in den Vordergund, begreift sich als teil eines Teams, auf dem Funda­ment des Quartetts an seiner Seite kann er aber auch zeigen, welch hervorragen­der und mit allen Wassern gewaschener Solist er doch ist und aus welcher Kin­derstube er eigentlich kommt. Ein Star ohne jegliche Allüren und eine Band, die ganz genau weiß, wie man Stücke schreibt und spielt, die Anspruch haben, aber auch Spaß machen. „Music For The People“ eben und genau richtig an die­sem Abend.