Olaf Polziehn Trio with Troy Davis, feat. Leroy Jones | 17.11.2006

Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

Wie heglich, pfleglich und dabei äußerst unterhaltsam und ersprießlich eine gute Band mit den Klassikern des Jazz umgehen kann, zeigte einmal mehr das Olaf Polziehn Trio im Neuburger Birdland Jazzclub. Mit Troy Davis am Schlagzeug und Gast Leroy Jones an der Trompete hat sich der Kölner Pianist der Mitwirkung zweier ausgezeichneter Jazzer aus New Orleans versichert.

In der ursprünglichen Heimatstadt des Jazz ist die Musik nach wie vor eine innig gepfegte Familienangelegenheit. Immer wieder bringt die Stadt am Mississippi-Delta exzellente Musiker auf die Bühne. Leroy Jones ist einer davon, technisch brillant, variabel im Ausdruck, unverkennbar im Ton, hörbar traditionsgebunden und gleichzeitig phantasievoll im Einsatz der Mittel der Gegenwart. Wie gefühlvoll er sein kann, zeigt er mit „My Funny Valentine“, wie explosiv er andererseits zu blasen in der Lage ist mit „Sweet Georgia Brown“ oder einer eleganten „Bourbon Street Parade“. Cole Porters „What Is This Thing Called Love“ erweist Jones als einen Meister seines Instruments, der ohne Zweifel als gewichtige Trompetenstimme in einer Reihe mit seinen Landsleuten Wynton Marsalis, Nicolas Payton, Terence Blanchard und Irvin Mayfield steht. Mit herrlich nostalgischem Feeling erklingt „Do You Know What It Means to Miss New Orleans“, ein Song, der seit Kathrina eine eigentümliche Bedeutung gegenwärtiger Bedrängnis erhalten hat, ist doch die besungene Stadt seit dem verheerenden Hurrikan noch längst nicht mal aus dem Gröbsten raus.
Drummer Troy Davis aus dem New Orleans benachbarten Baton Rouge sitzt als geballtes Energiebündel hinter seiner Schießbude, lässt beim „Limehouse Blues“ ein Schlagzeugsolo raus, das auch den letzten Trommelskeptiker mitreißen muss, bewährt sich dann wieder als fintenreicher rhythmischer Stilist und achtsamer Gentleman von sensibler Melodiosität. Bassist Ingmar Heller festigt mit einem weiteren Gig im Birdland seinen Ruf als verlässlicher, vielseitiger, einfühlsamer und timegenauer Bassist. Im Duo mit Olaf Polziehn spielt er Ellingtons „Pitter Patter Panther“, das der Duke seinerzeit mit Jimmy Blanton eingespielt hat, dem ersten eigentlichen Virtuosen des Kontrabasses. Dazu gehört Mut, kaum ein Bassist wagt sich an die halsbrecherischen Figuren Blantons heran. Heller spielt, interpretiert und variiert sie mit Bravour. Musikalischer Kopf der Band ist Olaf Polziehn, was sich spätestens mit seiner Komposition „Troy’s Bag“ zeigt, einem Stück, das er seinem Drummer auf den Leib geschneidert hat, das gleichzeitig die klassischen Klänge aus New Orleans, Chicago und dem New York der 20er unnd 30er intellektuell durchleuchtet und in eine zeitgemäße Form bringt. In quirlig wendigem Fluss zieht Polziehn alle Register des Swingpianos mit feinem Anschlag, lässigem Groove, feuriger Dynamik und farbig vollem Klang, nicht zuletzt sensitiver Gefühlstiefe im hauchzart solo dahingetupften Klassiker „Embraceable You“.