2021 und 2023 war er noch als „Angestellter“ in den Bands von Noah Preminger und Christian Sands zu Gast im Neuburger Birdland Jazzclub, nun kommt er erstmals als Chef seiner eigenen Formation. Die Rede ist vom in Brooklyn, New York, beheimateten Gitarristen Max Light, der jungen, wegen ihrer ganz besonderen Ausdrucksweise nicht mehr zu überhörenden Stimme des Jazz, die sich immer lauter zu Wort meldet. Ganz aktuell mit einer Europatournee, die ihn auch an die Donau führt.
Zusammen mit seinen Kollegen, dem Pianisten Julian Shore, dem Kontrabassisten Walter Stinson und dem Schlagzeuger Steven Crammer, stellt der Gitarrist auf unnachahmliche Weise eine Mischung aus bereits in vielen Konzerten erprobten und brandneuen, bislang noch unveröffentlichten Stücken vor, die erst im Herbst offiziell ercheinen sollen. Da ist das rhythmisch über Stock und Stein galoppierende „Authentication Two Step“, in dem es um ständig wechselnde Passwörter bei der Arbeit am Computer geht, da ist das zäh fließende „Pumpkin Pie“, das sich wie ein ein flauschiger Schal um die Gehörgänge legt, und da ist „Unlearning“, das mit einem einfachen, kammermusikalischen Intro anfängt, sich dann verselbständigt, zu wachsen und zu leben beginnt, seiner eigenen Wege geht, manchmal gleichmäßig dahin strömt, dann aber immer wieder urplötzlich seine Fließgeschwindigkeit ändert, anfängt zu strudeln, scheinbar außerhalb jeder Normierung, aber dennoch irgendwie einer Gesetzmäßigkeit folgend.
Ob es sich um das swingende „The Things You“ handelt, das daherkommt wie eine Reminiszenz an den klassischen Bebop, oder um das seinem Vater gewidmete „Dad“, in dem Light quasi ein akustisches Gemälde an die Wand des Birdland hängt – immer beruft er sich auf komplexe aber fest umrissene Strukturen, auf lange Spannungsbögen wie in „Chaotic Neutral“, das beginnt mit Tönen wie aus Glas. Dann wieder beißt sich einer der Musiker während der Improvisation an einer Figur fest, bettet sie ein in das komplexe Gesamtkonstrukt, macht sie sozusagen zu einem Ohrwurm innerhalb eines Stückes, das doch eigentlich so gar nichts von einem Ohrwurm an sich hat. Ja, es geht in der Tat abenteuerlich zu, wenn wie etwa in „Caregiving“ jeder der Beteiligten, als sei er ein personifizierter Sampler, seinen Part einbringt, wiederholt, abwandelt, immer weiter modifiziert, während der Solist darüber improvisiert. Oder wenn in „Talking To You“ aus der Feder von Victor Lewis sich mehrere Rhythmen verkanten, ineinander verkeilen, obwohl Light das Stück „dearrangiert“, wie er es nennt, also dessen Kern offenlegt.
Bei Light und seiner Band weiß man nie genau, was als nächster Schritt kommt, was aber weniger daran liegt, dass endlose Improvisationen die Orientierung erschweren würden, sondern an der Komplexität, die schon in deren Planungsphase so ungemein bedeutsam ist und sich recht schnell als Markenzeichen Light’s entpuppt. Als Komponist liebt er es, Umwege zu gehen, überraschend dort abzubiegen, wo es auch einen geraden Weg gäbe, und doch gleichzeitig, die Koordinaten akribisch gespeichert und das Ziel klar vor Augen, nachvollziehbar zu bleiben und die Zuhörer nicht orientierungslos zurückzulassen. Das Max Light Quartet im Birdland: Absolut spannend, in gewisser Hinsicht fast so etwas wie eine Offenbarung.

