Kaisa Mäensivu – Sasha Berliner – Nicole McGabe – Mareike Wiening | 28.03.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Sie lernten sich vor ein paar Jahren in New York kennen und schätzen, gründeten dort ein Quartett, das sich mit Modern Jazz beschäftigt, und blieben – auch wenn sie mittlerweile in verschiedenen Ecken der Welt leben – in Kontakt. Aktuell sind sie gemeinsam auf einer Tour unterwegs, was viel zu selten vorkommt, wie Schlagzeugerin Mareike Wiening betont, „weil das jedes Mal eine terminliche und logistische Herausforderung ist“. Im bis auf den letzten Platz besetzten Neuburger Bird­land Jazzclub wird das Publikum Ohren­zeuge bei ihrem „Mädelsabend“ der ganz anderen Art.

Kontrabassistin Kaisa Mäensivu ist aus Helsinki angereist, Wiening aus Wien, die Altsaxofonistin Nicole McGabe und die Vibrafonistin Sasha Berliner aus Los Angeles. Vier international renommierte und mit Preisen dekorierte Künstlerin­nen, vereint in einem Kollektiv, das streng nach demokratischen Regeln funktioniert. Jede steuert eigene Kompo­sitionen bei und sagt sie auch selber an, jede bringt sich solistisch ein, es gibt keinen Leader, niemand drängelt sich vor, niemand steht im Rampenlicht. Oder, besser gesagt, sie stehen alle ge­meinsam dort und entwerfen zusammen einen eigenständigen Sound für all die Stücke, die sie mit ihren eigenen Bands, nicht aber in dieser Besetzung veröffent­licht haben. Der wird bestimmt von einer vom Bass und dem Vibrafon erzeugten weichen, samtenen Eleganz, von einem harmonischen Bett, auf dem man es sich als Zuhörer bequem machen kann, vor­angetrieben durch elastisches Drum­ming, koloriert durch die Pirouetten des Saxofons.

Manchmal geht’s funky zur Sache, wenn die Band sich etwa Thelonious Monk’s „Wee See“ vorknöpft, oder auch bei Mäensivu’s „The Lemur“, während bei McGabe’s „A Song To Sing“ weit ausgreifende Harmonien die Szenerie bestimmen und das energetisch hochpro­zentige, spannungsgeladene „Miscon­ception“ aus Wiening’s Feder wiederum eine ganz andere Sprache sprechen. Und dann sind da ja auch noch die Balladen, in denen das Vibrafon flirrend das glit­zernde Sonnenlicht auf der glatten Ober­fläche eines Sees reflektiert. Die hand­verlesenen Adaptionen werden einge­passt in dieses große akustische Gemäl­de, in dieses schwebende und gleichzei­tig fließende Umfeld, was etwa zu der wunderschönen, von Berliner arrangier­ten Version von Billy Strayhorn’s „U.M.M.G.“ (Upper Manhattan Medical Group) führt oder in der Zugabe zu dem in diesem Kontext völlig unerwarteten „Jitterbug Blues“ aus dem Jahr 1947 und damit zu Muddy Waters, den die Band mit diesmal McGabe als treibender Kraft auf geradezu hinreißende Art neu belebt.

Eine Band, die keinen eigenen Namen trägt, nie einen eigenen Tonträger aufge­nommen hat, deren Repertoire aus Stü­cken besteht, die ihre Mitglieder eigent­lich gar nicht für diese Gruppe geschrie­ben haben, eine Band, die sich viel zu selten trifft. Und doch ist sie eine ver­schworene Einheit, wie man im Birdland hören und sehen kann, mit einem Kon­zept aus Komposition und Improvisati­on, das trotz der viel zu seltenen Mee­tings dennoch so trefflich funktioniert, mit künstlerischer Interaktion auf einer gemeinsamen Basis, mit einer ganz eige­nen Art Musik, die Spuren hinterlässt. An diesem Abend in Neuburg ganz si­cher und vermutlich auch auf den ande­ren Stationen ihrer Tour, auf der das Quartett derzeit zwischen Spanien und Finnland unterwegs ist.