Mark Helias Opben Loose | 21.02.2013

Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

Im ersten Moment wirkte eher zufällig, was die Drei auf der Bühne des Birdland da dem Publikum boten. Erst aufs zweite oder dritte Hinhören, im sich Einlassen auf die Musik, offenbarte sich, wenn nicht Plan – wie auch, wenn’s um Improvisation geht – so doch Konzept. Im eher sparsamen Setting und unter Verzicht aufs wilde Kerle Spielen zeigte sich ein wunderbar eingegroovtes Avantgarde-Trio besonderer Art.

Vertraut mit dem freien Spiel der Kräfte, das den Abend zeitweise wie eine Zeitreise in die mittleren 60er erscheinen ließ, brachten Tony Malaby, Tom Rainey und Merk Helias unter dem Signum „Open Loose“ eine ganze Menge Poesie zur Geltung, in manch verschreckendem Moment pure Schönheit, die sich herausschälte aus einem nur vordergründig zuweilen chaotischen, beeindruckend lautmalerischen Klangkosmos von hoher erzählerischer Kraft.

Malabys Tenorsaxophon assoziierte Polizeisirenen, Schreie, Hupen, Bremsen, Maschinenkreischen und was immer, es klagte, weint,e schrie, sang und säuselte, nie kraftmeierisch, sondern auch in hohen Tempi immer sinnig, sinnlich, eindrucksvoll. Tom Rainey unterlegte am Schlagzeug in seinerseits hochmelodiöser Qualität die Solostimme mit kraftvollen, mal dunkel rollenden, mal hell zischenden Rhythmen, ausgetüftelten Metren, die sich auch dem kundigen Ohr nicht immer unmittelbar erschlossen, und experimentellen Klängen, die er dem Set entlockte. Mark Helias‘ Bass brodelte förmlich in dunkler Wucht und knorriger Präsenz mit jeder Menge „Krytonite“ in Sound und Groove.

Epische Klangcollagen, Actionszenen, innere Sammlung, sanfte Balladen, Herz und Krawall wechselten in munterer Folge: Großes Kopfkino im Jazzkeller!