Manfred Rehm zum 85. Geburtstag | 04.09.2026

Neuburger Rundschau | Peter Abspacher
 

Wenn berühmte Jazzer aus der ganzen Welt die Treppen in den alten Hofapothekenkeller herunterschreiten und den Begrüßungsbeifall auf der Birdland-Bühne genießen, dann geht ganz bescheiden hinter ihnen ein Mann, ohne den all das in Neuburg nicht möglich wäre: Manfred Rehm. Der Impresario und Spiritus Rector des Birdland Jazzclubs nimmt seinen Stammplatz am Rande des Kellergewölbes ein und freut sich – wie das oft weit angereiste Publikum – auf das, was gleich beginnen wird.

Von sich selbst macht Rehm kein Aufhebens. Der gelernte Vermessungsingenieur war schon als Schuljunge AFN-Hörer und begeisterter Fan der Jazzmusik eines Louis Armstrong, eines Duke Ellington oder der legendären Ella Fitzgerald. Seinen 85. Geburtstag nimmt er nicht so wichtig. „Alter ist nur eine Zahl, die wenig sagt, und ich selbst bin auch nicht so bedeutend, dass es bei einem runden Geburtstag viel zu feiern gäbe.“ Wirklich wichtig ist etwas anderes, so der Birdland-Chef: „Entscheidend ist, das was man tut, mit Freude und innerem Feuer zu tun – das war in meinem Beruf als Vermesser so und in meiner Leidenschaft für die (Jazz-)Musik gilt das erst recht“.

Dabei ist der Jazz – als Radiohörer, als Saxofonist und Querflötist in den früheren Birdland-Bands, und seit 1985 als Vorsitzender des Clubs und Organisator mehrerer Tausend Konzerte – für Manfred Rehm schon so etwas wie ein zweiter Beruf. Besser gesagt eine Berufung, die ihn inzwischen bereits Jahrzehnte über die reguläre Altersgrenze hinaus erfüllt. Fast jeden Tag kommt Rehm aus dem Ostend in seinen Club, oft mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Auch diese körperliche Betätigung hält ihn jung, neben der tiefen Freude und der unerschöpflichen Kraft, die er aus der Begegnung mit Weltklasse-Jazzern aus den USA, Lateinamerika, aus ganz Europa und manchmal auch aus Asien oder Australien zieht.

Diese Pianisten, Schlagzeuger, Bassisten oder Saxofon-Virtuosen spielen nicht selten altersmäßig in der gleichen Liga wie Rehm, manchmal sogar noch eine höher. Wenn sie auf der Bühne die ersten Töne produzieren, dann bestätigt sich die Überzeugung des Impresarios von der begrenzten Bedeutung des Alters. Manfred Rehm auf seinem Stamm-Stehplatz quittiert es mit einem zufriedenen Lächeln.

Um die 100 Konzerte organisiert Rehm pro Jahr, gut 80 im Birdland-Keller, die übrigen im Audi-Forum in Ingolstadt oder im Stadttheater. Momentan steht sein Plan bis Ende 2027, alle Verträge sind fix. Das weltweite Renommee, das sich das Birdland Neuburg über die Jahre erworben hat, macht seine Arbeit leichter. Einerseits, denn viele Bands sehen es als Ehre, in Neuburg zu spielen, in einem intimen Club mit einer einmaligen Atmosphäre. Sie treten oft für ein Freundschafts-Honorar an, wenn sie auf einer Europatournee neben Paris, Mailand und Wien auch Neuburg besuchen.

Andererseits macht der Ruf des Clubs auch die ehrenamtliche Arbeit von Manfred Rehm anspruchsvoller. „Jeden Tag, an dem ich hier im Büro sitze, gehen Dutzende Anfragen bei mir ein, von Agenten vieler Bands oder von Jazzern, die liebend gerne bei uns auftreten würden“, erzählt Rehm. „Und zwar nicht irgendwelche, sondern solche, die ich von der Qualität gut verantworten könnte.“ Ab 2028 gibt es wieder Chancen, auch für bisher kaum bekannte Namen.

Die eine Frage darf zu einem 85. Geburtstag nicht fehlen: Wie lange noch möchte Manfred Rehm weitermachen? Darauf antwortet er indirekt. 2019, als er von der damaligen Kulturstaatsministerin Monika Grütters den Ehrenamtspreis der Bundesrepublik Deutschland erhielt, wurde er schon einmal gefragt: wie lange noch? Zehn Jahre antwortete Rehm damals spontan. Das wäre irgendwann im Jahr 2029. Und dann „überlegen wir neu“, sagt Rehm heute.