Für ein durchaus anspruchsvolles Programm von zwei Stunden Dirigent und zugleich Pianist zu sein, die SwingIn Bigband über alle möglichen Klippen für die einzelnen Register von der Saxofon-Gruppe über die Posaunen, die Trompeten und die Rhythmusgruppe sicher zu führen – das wäre eigentlich schon genug Herausforderung. Vor allem, wenn man weiß, dass für diesen rundum gelungenen Saison-Auftakt im ausverkauften Audi Forum nur magere drei Proben möglich waren.
Aber Oliver Wasilesku, der Maestro nicht am Pult, sondern am Flügel, legte noch eins drauf. Der Chef der Musikschule Neuburg zeigte sich diesmal in zwei Titeln auch als beeindruckender Sänger. Absolut sauber in der Intonation, mit einer noblen Stimmführung ohne Forcieren und mit einer beseelten, ganz natürlichen Emotion gestaltete er etwa den Song „I`ve got you under my skin“. Und bei dieser Nummer gab es auch noch ein erfreuliche Premiere. Am Flügel gab Wasileskus 15jähriger Sohn Oskar (in Neuburg bisher vor allem als hervorragender Schlagzeuger bekannt) seine Debüt als Jazz-Pianist auf der großen Bühne des Audi Forums.
Er sei nur ein ganz kleines Bisschen nervös, meinte Oskar vor seinem Auftritt auf Fragen der Saxofonistin und souveränen Moderatorin des Abends, Verena Gutsche. Genau so spielte er dann, ruhig, als ob gar nichts dabei wäre. Diese Art des Musizierens kennzeichnete auch die komplette Bigband. Die einzelnen Instrumenten-Gruppen waren sehr gut aufeinander abgestimmt, in der Lautstärke sauber ausgesteuert – und sowohl im Tutti als auch bei vielen und oft genug technisch schwierigen Soli voll auf der Höhe. Das gilt von der 1. bis zur 4. Trompete, von Posaune eins bis Posaune vier, vom 1. bis zum 5. Saxofon genauso wie für den stets präsenten Bass oder Gitarre und Schlagzeug..
Dass vieles musikalisch nicht ohne war und dass da durchaus auch mal etwas hätte schiefgehen können, war an kleinen Gesten des Bandleaders zu sehen. Oliver Wasilesku stand in entscheidenden Momenten, bei heiklen Tempo-, Takt- und Stimmungswechseln kurz auf, gab ein paar Sekunden lang präzise Zeichen und setzte sich dann wieder ans Piano. Nicht nur als Gag wischte er sich manchmal ganz leicht über die Stirn. „Puh, es ist alles gut gegangen“, das war die Botschaft.
Und meistens nicht nur gut, sondern sehr gut. Schon das Eingangsstück „All of me“ kam locker und mit rhythmischer Finesse über die Rampe. Der Song „Teddy the Toad“ entfaltete seinen musikalischen Witz besonders bei den Posaunen. Sie ließen das Quaken der Kröte, um die es in diesem Titel geht, auf pfiffige Weise anklingen. Mit Charme und sichtbarer Spielfreude begleitet von den anderen Instrumenten – nicht zuletzt von originellen Einwürfen des Pianisten.
Oliver Wasilesku konnte sich hier voll auf seine Rolle als Pianist konzentrieren. Denn die Bigband aus Halbprofis, wenigen Profis und mit Herzblut aufspielenden Amateuren war so sattelfest, dass der Chef einfach mit Freude zuhören konnte. Bei Songs wie „Summertime“, „Over the Rainbow“, „Out of the Doghouse“ und bei dem Titelö „Django“ (eine Art Trauermarsch von 1954 auf die kurz zuvor verstorbene Jazzlegende Django Reinhard) war das ein bisschen anders. Hier war Wasilesku als Impulsgeber mehr gefordert, besonders bei den diffizilen Übergängen im „Django“. Und der Einsatz wurde ihm mit einer mehr als erfreulichen Leistung aller Bandmitglieder gedankt.
Einen eigenen Akzent setzte die Sängerin Olivia Wendt. Ihre kraftvolle Alt/Mezzo-Stimme füllt den ganzen Raum beim Song „Just friends…“. Und beim dem berühmten Lied des Mackie Messer von denen im Lichte und denen im Dunkeln. Ein kleiner Hang zum Exaltierten, zur etwas überschießenden Emotionalität scheint hier auch durch. Das packt die Zuhörer, aber ein Stückchen weniger davon wäre vielleicht noch schöner.

