Kenny Washington Quartet | 07.02.2020

Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

Mit feiner Gesangskunst verwöhnte Kenny Washington die Freunde des swingenden Jazz im Neuburger Birdland. Die sanfte Stimme des US-Amerikaners erfreute mit angenehm lässigem Timbre und herrlich unaufgeregter Präsentation. Bombensichere Intonation, glasklare Textverständlichkeit und eine rhythmisch ausgefuchste Phrasierung zeichneten das Konzert eines Vokalkünstlers erster Klasse aus.

Völlig unangestrengt spannte die Stimme ihre Bögen und setzte den einen oder anderen ungewöhnlichen Akzent auch in weidlich bekannte Songs. Begeisternd wirkten nicht zuletzt die – z. T. a cappella vorgetragenen Stücke im Scatgesang, in denen Washington die Stimme ohne Text als reines Instrument einsetzte. Immer wieder trat der Sänger auch in den Hintergrund, um seiner ausgezeichneten Band Raum zu geben, deren Groove dampfte, wie wenn sie dem Kessel noch ein paar zusätzliche Atmosphären zusetzen wollte, solistische Energieschübe inklusive: Paul Kirby mit perlendem Pep am Bösendorfer, Martin Zenker mit vitalem Groove am Bass und Kim Minchan mit agiler Präsenz am Drumset!

Auch die Balladen kamen nicht zu kurz mit allem Schmelz wärmender Zärtlichkeit und selbstbewusstem Schmusefaktor, immer diesseits Kitsch verdächtiger Geschmacksgrenzen, soultrunken, entspannt, berührend. Gespeist aus allen Quellen der populären Musik des 20 Jahrhunderts verschmolzen in Kenny Washingtons Gesang die Genres von Jazz, Soul, R‘n‘B und Pop. Sie flossen in eins wie Kaffee und Milch in einer wohl balancieren Melange.

In so selbstverständlichen Sprüngen wechselte die Stimme zwischen den Registern, dass ihr spektakulärer Umfang zunächst gar nicht wirklich bewusst werden mochte. So verbindend wirkte sie, dass auch der Spagat zwischen den Klassikern aus dem Great American Songbook und dem Repertoire des modern Jazz völlig umstandslos bewältigt wurde, die Songs trotz aller Unterschiede mühelos ins Ohr gingen. So cool, entspannt und souverän war zudem das Zusammenspiel aller vier Akteure auf der Bühne, dass nichts anderes als ein großer Jazzabend entstehen konnte im Neuburger Birdland.