Javon Jackson Superband | 30.11.2007

Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

Wer irgend Musik erleben möchte im unmittelbaren Prozess ihres Entstehens, ohne Netz und doppelten Boden, dabei in Herzschlagnähe, dem sei der Birdland Jazzclub wärmstens auf die Seele gebunden. Zumal wenn eine Band wie diese teilhaben lässt an Lust und Kunst der Improvisation: Javon Jacksons Superband!

„Someday my prince will come“ – Der Schneewittchen-Klassiker, den Jimmy Cobb seinerzeit an der Seite von Miles Davis mit seinem subtil swingenden Schlagzeug veredelte, klingt zugleich relaxed und so spannend, dass man auch nicht einen Ton verlieren möchte, so süffig ist Javon Jachsons Saxophon, so vielgestaltig und fein lässt Ronnie Mathews die Töne aus dem Bösendorfer perlen. Vor allem dem Piano-Altmeister aus Brooklyn ist viel Raum gegeben an diesem Abend zwei Tage vor seinem 72. Geburtstag, seine leicht fließenden Läufe und Arpeggien aus der Rechten fließen zu lassen, elegant, lyrisch, beredt, nicht zuletzt im bluestrunkenen Solofeature „Willow Weep For Me“.

Javon Jacksons Saxophon vereint in ausgeklügelten und immer auf den Punkt gebrachten Soli offensiven Biss und quecksilbrige Flüssigkeit, balladeske Opulenz und vollendet warmen Sound, sei es in Wayne Shorters „One By One“, sei es in Benny Golsons „Whisper Not, das Birdland-Fans erst kürzlich von seinem Urheber selbst gespielt erleben durften. Der Abend lebt dazu wesentlich vom überaus elastischen Groove, den der 78jährige Jimmy Cobb in den Keller legt, jener Drummer, der schon Miles Davis „Kind of Blue“, dem wohl wichtigsten Jazzalbum des 20. Jahrhunderts, ein Gutteil seiner zeitlosen Schönheit schenkte. Nat Reeves Bass ist erdig, kernig, bluesgetränkt, dabei von fein gewiegter Würze.

Javon Jacksons Superband hat keinerlei Anlass für Kraftmeierei, so natürlich sind sie mit allen Wassern des Hudson River gewaschen, Heraklits „Alles fließt“ verpflichtet, so wenig bedürfen sie verkopfter Avantgarde oder verkrampfter Traditionspflege. In der Musik der Band verflechten sich wie selbstverständlich die Ingredienzien des Jazz: Blues und roots, Gospel und Soul, swing, Spontaneität, musikalische Intelligenz, individuelle Klasse und kommunikatives Miteinander. „I Mean You“: Selten gab es eine Band, die so elegant driftend durch die scharfkantigen Kurven einer Thelonious Monk Komposition geschlenzt wäre, ohne ihr die markante Monk-typische Tücke zu nehmen. Superband? Da hat keiner den Mund zu voll genommen. Kein Jota fehlt.