International Hot Jazz Quartet | 23.03.2013

Neuburger Rundschau | Christian Wurm
 

Aus dem Dixieland entwickelte sich in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhundert durch Beimischung von Blues, Swing und Ragtime und zusätzlich gewürzt mit feurigen Improvisationen, der sogenannte „Hot Jazz“. Auch nach fast hundert Jahren hat dieser Jazzstil nichts an seiner Frische und Lebendigkeit verloren, zudem er am Samstagabend von absoluten Meistern ihres Faches im Birdland Keller kredenzt wurde.
Engelbert Wrobel (Klarinette, Saxophone), Duke Heitger (Trompete), Paolo Alderighi (Piano) und Bernhard Flegar (Drums) vermitteln vom ersten Ton an eine enorme Spielfreudigkeit auf höchstem technischen Niveau und haben das Publikum mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit sofort fest im Griff.
Dazu trägt vor allem auch Engelbert Wrobel bei, der neben seinen Instrumenten auch das Metier des
Conférenciers beherrscht und immer wieder kleine Anekdoten und Kalauer einfließen lässt.

Was das Musikrepertoire betrifft, überwiegen temporeiche und funkensprühende Dixieswing- und Ragtime-Titel wie „Swinging The Elks“ von Jelly Roll Morton, oder Klassiker wie „Sheik Of Araby“ und „Tiger Rag“. Aus den arttypischen zweistimmigen Bläsersätzen der Leitmelodien entwickeln sich dabei funkensprühende Improvisationen, bei denen sich Heitger und Wrobel immer wieder gegenseitig puschen und in höchsten Höhen treiben. Für weitere Farbtupfer sorgen unter anderen das kraftvolle „Mission To Moscow“, das Benny Goodman eigentlich für Bigband arrangierte, aber hier auch in Quartettbesetzung ausgezeichnet funktioniert. Ein weiterer Kontrapunkt ist die wunderschöne Ballade „Prisoner Of Love“ von Leicester Young, in dem das von Wrobel samtig weich geblasene Saxophon nur von Alderighis Piano begleitet wird. Und dass Duke Heitger auch ein veritabler Sänger ist, beweist er bei der gefühlvoll vorgetragenen Slow-Fox-Ballade „Do You Know What It Means To Miss New Orleans“, womit wir wieder beim Entstehungsort des Hot Jazz‘ angelangt sind.

Natürlich konnten die Protagonisten nach dem stürmischen Schlussapplaus nicht ohne Zugaben das Podium verlassen. Das endgültig letzte Stück war mit „Sweet Georgia Brown“ noch einmal ein regelrechter Gassenhauer. Dieser wurde aber so frisch und modern interpretiert, als wäre er erst kürzlich geschrieben worden.

-Ein wahres Jazzvergnügen, meisterhaft zelebriert-