Heller-Breuer Quintett | 17.02.2006

Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

Normalerweise bläst er ja die Posaune, gilt mit Recht als einer der besten seiner Zunft auf dem Alten Kontinent. Am Klavier macht er immerhin eine solide Figur als Sideman in der Band seiner Tochter: Hermann Breuer, der Töchterchen Carolyn in deren Breuer-Heller-Quintet redlich unterstützte. Die junge Dame ist der Nachwuchsliga längst entwachsen, hat sich einen eigenen guten Namen erworben in der europäischen Jazzszene mit ihrem nonchalant eleganten, leider auch reichlich risikofreien Spiel auf dem Alt- und Sopransaxophon.

Carolyn Breuer beherrscht die Kunst der Verbindlichkeit, des guten Tons, der runden Schwünge, geistreich, beredt, technisch versiert: „Shy Girl“ in „Palermo“. Darin steht ihr beim Gig im Neuburger Birdland Paul Heller in seiner Rolle als Alter Ego am Tenorsaxophon in nichts nach. Auch er ist auf Schmusekurs ins Schmeichelreich, luftig, flauschig, wunderbar, sein Spiel ein „Snapshot“ aus sonnigen Urlaubstagen.

Den swingenden Background garantieren dabei Sava Medan am Bass und Guido May am Schlagzeug als freudig interaktives Rhythmusgespann von exquisiter Qualität und hohem Unterhaltungswert. Ausgezeichnet aufeinander geeicht und jederzeit präsent sorgen sie für abwechslungsreich groovende Bewegung und bereichernde ulkige Momente. So ganz übrigens mag Vater Hermann nicht im Hintergrund bleiben: Mit Gewinn fürs Publikum, denn der Posaunen-Gentleman hat noch allemal was zu sagen, flüssig, schlüssig, glockenhell glänzend: „Bobcat“! Zu selten freilich. Was dem blondgelockten Abend ansonsten zumindest in der Frontline entschieden fehlte waren Biss, Mut zum Risiko, wenigstens einmal der Schritt an die Kante des Erprobten.