Doppelpass Trio | 26.01.2007

Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

Was hat Jazz mit Fußball zu tun? Klar, auch beim Jazz geht’s um passgenaues Zusammenspiel, um Abstimmung, Integration, Laufwege, Spielaufbau und den punktgenauen Abschluss. Ganz praktisch jedoch verbinden sich die beiden spielfreudigen Lebenswirklichkeiten in unseren Tagen im Fernsehen, genauer gesagt in der Sendung „Doppelpass“ im Deutschen Sportfernsehen. Wontorra, Lattek und Co. mit ihrer Hintermannschaft leisten sich ein Jazz-Trio, das live „on the air“ zu hören und zu sehen ist. Zwei der drei sportverbundenen Jazzer waren jetzt im Neuburger Birdland Jazzclub zu erleben, nicht zum ersten Mal übrigens.

Im Jazzkeller unter der Hofapotheke sind der Bassist Thomas Stabanow und der Pianist Walter Lang wahrlich keine Unbekannten. Beide haben mehrfach und in verschiedenen Formationen die Jazzfreunde in der Ottheinrichstadt erfreut. Dennoch und nicht allein ob des in Neuburg noch unbekannten Dritten im Bunde lieferte das Konzert die eine oder andere Überraschung – wie ein gutes Fußballspiel ja auch. Nicht zuletzt ein klug zusammengestelltes Programm gab dazu den einen oder anderen Aha-Effekt: Wer rechnet schon bei Walter Lang, der ja in letzter Zeit förmlich auf Romantik und Sensibilität abonniert scheint, mit explosivem Hardbop und temperamentvoll rasanten Läufen wie in Art Blakeys „Moanin'“, Eddie Harris „Listen Here“ oder Miles Davis „Milestones“? Und der Offensivdrang von Thomas Stabenow, dessen Bass Walt Disneys Filmmusik zu „Alice in Wonderland“ ein sehr eigenwilliges Gespräge verpasst, erfreut dabei ebenso wie sein Dribbling über den „Broadway“.

Klar, dass Lang und Stabenow in souveränem Miteinander musikalische Doppelpässe am laufenden Band produzieren, in blindem Verständnis improvisieren, interagieren, das Spiel vorantragen, auch mal Ruhe hineinbringen und den Ball halten. Klar auch, dass beide spieltechnisch absolut Champions-League taugliche Klasse beweisen. Schade gleichzeitig, dass der etatmäßige Drummer Hajo van Hadeln krankheitsalber nicht auflaufen konnte. Erfreulich wiederum, dass mit Martin Kolb ein Mann von der Ersatzbank fast ohne Warmlaufen einspringen konnte und mehr und mehr ins Spiel fand bis aus einem Duo mit Begleitung sich mehr und mehr ein Trio herausschälte. Erfreulicherweise befand man sich im Jazzclub und nicht im Fernsehstudio. So konnte ein Konzert genossen werden, das nicht den Zeitzwängen der kurzen Musik-Happen unterworfen war, wie sie in der Glotze von der Werbung dominiert werden. Das ist es schließlich, was der Jazzclub der bunten Welt der Medien voraushat: Musik ereignet sich hier unmittelbar und unzerschnipselt – live und in voller Länge!