Cordes Sauvages & Martin Weiss | 08.12.2005

Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

So einfach kann Jazz sein: Drei Mann hinten, drei vorn, eine Rhythmuscrew mit federleichtem swing und eine Frontline mit feingeistig meldodieverliebten Solisten. Cordes sauvages – die „wilden Saiten“ – brachten dem Audiforum Ingolstadt einen Jazzabend, an dem der Himmel voller Geigen zu hängen schien.

Strenggenommen natürlich nur eine Geige, die von Martin Weiss, einem der versiertesten Gypsy-Swinger, den die einschlägige Szene zu bieten hat. Mit leichtem Strich, hauchzartem Schmelz und lebhaftem Schwung lässt der künstlerisch durchaus erbberechtigte musikalische Enkel Stéphane Grapellis jene gute alte Zeit des Hot Club de France wieder auferstehen, als Eleganz und tänzerische Beweglichkeit noch mehr zählten als Lautstärke und maschinelle Hauruck-Rhythmen. Dazu passt, was Scotty Gottwald, Ferry Baierl und Wolfgang Kriener an Snaredrum und HiHat, Rhythmusgitarre und Kontrabass in den Rückraum zaubern: Filigran, behände und seidenweich elastisch ist die rhythmische Dynamik der Drei, immer wieder fruchtbarer Nährboden für die Solisten; neben Martin Weiss sind das der Klarinettist Stephan Holstein und der Gitarrist Helmut Nieberle, zwei Brüder im Herzen, der Erdenschwere enthoben in den leisen, detailreich und liebevoll gestalteten Melodielinien: „Just Friends“!

Da rollt dann mit freundlicher Melancholie „Martins Benz“ durchs Audi(!)forum, lächelt Einer wehmütig der verlorenen Liebe nach mit „When your love has gone“, erlebt selbst der gute alte Georg Philipp Telemann jazzigen Drive. Zwischendrin immer wieder Vorweihnachtliches, „Leise rieselt der Schnee“ z.B.: Obwohl es draußen eher neblig ist, kommt diese wohlige Vorweihnachtswärme angekrochen, versetzt mit dem optimal dosiertem Schuss Ironie, der sie vor dem Abgleiten in den Kitsch bewahrt. Dazu sind die Saiten denn doch auch zu wild, spätestens mit „Shine“, temperamentvoll, sprudelnd, rasant, lebhaft und ganz „Gypsy in my soul“.