Antonio Faraó Trio | 07.02.2003

Donaukurier | Norbert Schmidl
 

Zugegeben: Mailand, die jetzige Heimat des aus Rom stammenden Pianisten Antonio Faraó, ist nicht Maranello, die Heimat der Rennwagenschmiede Ferrari. Aber wenn man Faraó spielen hört, könnte man zu dem Schluss kommen, dass die relative Nähe Maranellos zu der norditalienischen Metropole auf den Pianisten abgefärbt hat.

Er setzte sich bei seinem Gastspiel im Neuburger Jazzclub Birdland an die Tasten und legte einen Blitzstart hin. Von 0 auf 100 in ungefähr 3,2 Noten. Kraftvoll, unendlich schnell und von Anfang an sehr rund lief der musikalische Motor des Antonio Faraó Trios und schon beim ersten Stück ließ der Pianist damit viele potenzielle „Gegner“, die früher schon an gleicher Stelle in die Tasten gegriffen hatten, hinter sich. Chancen gegenzuhalten gab es nicht. Mit diesem sicheren Vorsprung im Rücken konnte es sich Faraó leisten, danach einen Gang zurückzuschalten, wobei er dennoch locker und beschwingt die Position hielt und sogar noch ausbaute.
Doch nicht nur Faraó allein zeigte sich als Meister seines Fachs. Auch die Mannschaftswertung ging an das Trio. Denn auch die Teamgefährten Martin Gjackonovsky am Bass und Dejan Terzic am Schlagzeug müssen sich vor der Konkurrenz nicht fürchten. Wenn Faraó ab und zu den Fuß vom Pedal nahm und mit angezogener Handbremse spielte, nutzten die beiden Teamplayer die sich ihnen bietenden Chancen, um dies unter Beweis zu stellen.
Doch weil Faraó eben zweifellos der Teamchef ist, zog er auch immer wieder einen kleinen Zwischenspurt an, bei dem das Tempo auf das des Blitzstarts hochgefahren wurde und wodurch das Konzert auch nie langweilig wurde. Über mangelnde Abwechslung hatten die Zuhörer bestimmt nicht zu klagen.
Das bewies das Trio noch einmal mit einem ohrenbetäubenden und atemberaubenden Finale furioso, dem noch eine locker flockige Ehrenrunde zum gemütlichen Ausklang des Abends folgte. Vollgas-Jazz aus Ferrari-Land, der ebenso wie die meisten Auftritte der roten Boliden von Erfolg gekrönt war.