Ken Peplowski & Christof Sänger Trio | 06.04.2019

Donaukurier | Karl Leitner
 

Man kennt sie fast alle, diese Stücke von Ray Noble, Jerome Kern, Richard Rodgers und George Gershwin, die im Goldenen Zeitalter des Jazz, als jener noch Pop war, die Spatzen von den Dächern pfiffen. Aber natürlich ist es wie immer: Man hört sie und man kommt partout nicht auf den Namen. Ist das nicht „Comes Love“? „Body And Soul“? „Cherokee“? – Ach ja, natürlich, warum ist einem das nicht gleich eingefallen.

Wenn der Klarinettist/Tenorsaxofonist Ken Peplowski, der Pianist Christof Sänger, der Kontrabassist Rudi Engel und der Schlagzeuger Tobias Schimmer sich aus dem Real Book ein gutes Dutzend passender Standards aussuchen und daraus ein Programm machen – in diesem Fall eines für das Konzert im Neuburger Birdland Jazzclub – dann tun sie eigentlich nichts anderes als unzählige andere Kollegen vor ihnen auch. Wobei jedoch die Betonung auf „eigentlich“ liegt.

Wie nämlich vor allem Peplowski immer den richtigen Ton findet für die Stimmung des jeweiligen Songs, wie er mit dem Sound des Saxofons dessen Seele freilegt, sich einfühlt in die darin beschriebene Situation, das ist schon etwas ganz Besonderes. Man vergleicht ihn zwar oft mit Benny Goodman, aber er interessiere sich im Grunde für jede Art von Musik, sagt er, für „alles zwischen Ornette Coleman und den Beatles“. Vielleicht ist damit seine Offenheit, die auch beim Konzert im Birdland sofort auffällt, erklärbar. Als Saxofonist versucht der Mann aus Cleveland/Ohio, den Frank Sinatra einst als „eine meiner größten Inspirationen“ bezeichnete, einen dunklen, holzorientierten Ton zu erreichen, seine Erfahrungen als Klarinettist also quasi auf das Saxofon zu übertragen. Ja, er klingt schon ziemlich speziell, dieser Ken Peplowski.

Sein Partner Christof Sänger ist ein begnadeter Techniker. Dessen Spezialität sind diese kreiselnden, rasend schnellen Figuren der rechten Hand, die er gelegentlich mit der Stride Technik der 20er Jahre in Verbindung bringt. Das Ergebnis ist frappierend. Sänger mag im Grunde ein konventioneller Jazzpianist sein, „aber eben einer, wie ihn Deutschland noch nicht besessen hat“, wie ein namhafter Kritiker bereits vor Jahren schrieb.

Das richtige Gespür für den optimalen Umgang mit den Originalen, die Gabe, das Wesentliche aus den – zwar oftmals, aber selten auf so souveräne Art – dargebotenen Klassikern herauszuarbeiten, ein herzlicher Umgang mit dem Auditorium: All das kommt natürlich bestens an beim Publikum. Dessen Reaktion wiederum freut den Künstler. „Am liebsten würde ich euch alle mitnehmen, wenn ich in zwei Wochen wieder im Birdland spiele“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Im Birdland in New York.“ – Einfacher dürfte da ein Wiedersehen mit Christof Sänger zu bewerkstelligen sein. Der gastiert bereits am kommenden Donnerstag mit der Barrelhouse Jazzband im Audi Forum.