Jazz & Lyrik über Attila Zoller | 13.09.2009

Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

Eine Freundschaft viele Jahre über den Tod hinaus, das ist selten. Ingeborg Drews, Journalistin, Literatin, Poetin, bleibt ihrem Freund Attila Zoller verbunden, den sie Jahrzehnte kannte. Die Herz erwärmende Buchvorstellung einer neuen Biografie des ungarischen Gitarristen zeigte einmal mehr, was für einen Verlust der Tod Attila Zollers am 25. Januar 1998 bedeutete.

Heinz Protzers jüngst erschienenes Werk „Attila Zoller. Sein Leben – seine Zeit – seine Musik“ wurde vom Neuburger Birdland Jazzclub herausgegeben. Auch dort hält man die Freundschaft mit einem der wichtigsten, zugleich in Europa ignoriertesten Gitarristen des modernen Jazz vorbehaltlos in Ehren, seinem Andenken unverdrossen die Treue.

Der „übergangene Kompromissfeind“ Zoller, musikalisch konsequent bis zur Selbstverleugnung, der ganz bewusst nie einen „Hit“ schreiben wollte, war ein ungemein freundlicher, hingebungsvoller, offener, künstlerisch freigebiger und auch sonst großzügiger Mensch. Von Visegrad nach Wien, von Frankfurt nach New York führte ihn sein Weg, der Liebe wegen und auch der Musik, und es gelang ihm, immer zu leben und zu überleben mit einem Spiel, das so warmherzig, verletzlich, offen war, dass ihm eigentlich kaum eine Chance gegeben sein konnte in einer Zeit, da der Jazz mehr und mehr vom Business der Popmusik verdrängt wurde. Immer wieder gelang es dem „Schiwy“, Auftritte zu ergattern in den verbliebenen Clubs, die sich aus den guten durch die schlechten Zeiten gerettet hatten, im Village Vanguard etwa oder dem Halfnote. Dort gab er dann Standards oder Eigenes in seiner unnachahmlichen Stilistik zum Besten, der „Struwwelpeter“ aus Ungarn, der es sich nie zu leicht machen mochte: „Wenn man so viel nachgedacht hat, wird es ja noch viel schlimmer!“

In Zeiten, in denen „die Akkorde immer kleiner werden“, wie es Zollers musikalischer Erbe Helmut Kagerer während der Buchvorstellung ausdrückt, tut es gut, Musik von einem Mann zu erleben, der „Feuer und Eis in Einem“ spielen konnte. Und so war Helmut Kagerers Beitrag zu Ingeborg Drews’ liebevoller Lesung eine ganz persönliche Hommage an den Lehrer und Freund, die sich eben dadurch auszeichnete, dass er die wunderbaren Stücke Attila Zollers in wiederum sehr eigenständiger Klangsprache interpretierte. Wer je Attila Zollers „Lasting Love“ oder seine „Peace Tune“ hört, wird nie vergessen, wie bittersüß und entschieden zugleich Musik sich anfühlen kann. Wie Ingeborg Drews es ausdrückt: „Er hatte das schönste traurige Männergesicht, das ich je gesehen habe.“