Seit etlichen Jahren schon eröffnet die SwingIN Big Band die Jazzsaison im Audi Forum nach der Sommerpause und seit Jahren tut sie es mit Kompetenz, Spielfreude und als professionell agierender Klangkörper. Diesmal, zu Beginn der Spielzeit 2026/27, legt sie freilich noch eine Schippe drauf, zieht deutlich hörbar sämtliche Register und bietet den Jazzfreunden im ausverkauften Auditorium nicht nur das erwartbar gute, sondern ein absolut herausragendes Konzert.
Weil sich weder Oliver Wasilesku als Bandleader noch Band-Senior Erhard Rigol, der immer wieder auch wenig gespielte und höchst interessante Kostbarkeiten aus der Big Band-Literatur für das Orchester ausgräbt, sich mit dem Erreichten zufrieden geben, präsentiert der 19 Damen und Herren umfassende Klangkörper wieder einmal ein nahezu komplett neues Programm, das diesmal den 2022 verstorbenen US-Arrangeur Dave Wolpe und dessen Arbeit in den Vordergrund stellt und deutlich macht, warum er selber und seine Kollegen wie Nelson Riddle, Henri Mancini oder Gordon Goodwin für Big Bands im Endeffekt richtungsweisender sind als so mancher Solist, der aus ihnen hervorging.
Die Band, deren Mitglieder zwar aus der Region kommen, die aber längst eine Qualität erreicht hat, mit der man sie voller Stolz auf eine Tour durch die Säle der Republik schicken könnte, bietet diesmal etliche Besonderheiten. Man erfährt an diesem Abend, dass Wasilesku nicht nur ein umsichtiger Leader, sondern auch ein toller, sicherer Sänger ist, dass Gastvokalistin Olivia Wendt mit ihrer Stimme und ihrer Bühnenpräsenz einen Saal auch dann im Handumdrehen aufmischen kann, wenn sie quasi nach einem „Kaltstart“ sofort präsent sein muss – von beiden könnte man sich künftig auch mehr als nur jeweils zwei Gesangsstücke vorstellen – und dass, wenn der Papa dirigieren muss und somit verhindert ist, dessen Part am Klavier auch mal Sohn Oskar übernehmen kann.
Mindestens ebenso bedeutsam ist an diesem Abend freilich auch die Souveränität, mit der die Band an ihre nicht eben leichte Aufgabe herangeht, denn die von Rigol ins Spiel gebrachten Vorlagen haben es durchaus in sich. Können, Disziplin, Teamgeist, absolute Konzentration bei der ebenso nötigen Lockerheit – Faktoren wie diese kann man schon lange beobachten bei Konzerten der Band. Und doch gibt es anscheinend eine Steigerung.
Hat man die Band eigentlich jemals derart lebendig und spielfreudig erlebt? War sie jemals so voller Energie? Strotzte sie je dermaßen vor Selbstbewusstsein, dass sie im Vertrauen auf das eigene Können den alten Klassiker „Old Man River“ in den Saal wuchten lässt, als wäre auf dem Mississippi seinerzeit nicht ein gemütlicher Schaufelraddampfer sondern ein PS-starker Katamaran unterwegs gewesen? Ist sie, wenn sie sich von Balladen wie „Somewhere Over The Rainbow“ oder „Makin‘ Whoopee“ geradezu tragen lässt, nicht noch ein Stück mutiger, sich ihrer Fähigkeiten noch bewusster als vordem? Es sieht so aus und hört sich so an, denn Zaghaftigkeit, Zurückhaltung und Zaudern gibt es nicht an diesem Abend. Und so sind die gut anderthalb Stunden zwischen George Gershwin’s „Summertime“, Charlie Parker’s „Yardbird Suite“, John Lewis‘ „Django“ und all den Preziosen dazwischen genau die richtige Einstimmung auf die mit Spannung erwartete neue Saison mit „Jazz im Audi Forum“.

