Diese Band hat im Grunde ein ganz einfaches Erfolgsgeheimnis. Man konzentriert sich möglichst auf tausendfach gehörte Gassenhauer und Evergreens, bereitet Ohrwürmer und alte Hits so auf, dass sie – sofern sie nicht eh schon Jazz sind – zumindest nach Jazz klingen und kredenzt sie einem Publikum, das gekommen ist, um genau diese Art von Musik zu hören. Das Konzept geht auf, das Birdland ist bis auf den letzten Platz gefüllt und am Ende des Konzerts stehen drei Zugaben. Ja, es gibt sie auch im Jazz, die berühmte leichte Muse, und ab und zu findet sie auch im Birdland statt, weil der Club ja schließlich allen Facetten dieses weit verzweigten Genres eine Heimstatt sein will.
Die Band, die nach dem Motto „Von Joplin bis Jobim“ die ganze Palette von Ragtime bis Latin, von Schlager bis Easy Listening, aus dem Effeff beherrscht, nennt sich „Swingin‘ Ladies + 2“ und besteht aus dem aus Burscheid angereisten Engelbert Wrobel am Tenor- und Sopransaxofon und an der Klarinette, der australischen Kontrabassistin Nicki Parrott und den beiden Pianisten Stephanie Trick aus St. Louis, Missouri, und Paolo Alderighi aus Mailand, aus vier kompetenten und versierten Musikern und Musikerinnen, die ihr Handwerk beherrschen, aus immer wieder mal gern in Neuburg gesehenen Garanten für Unterhaltung im besten Sinne.
Am auffälligsten sind natürlich die beiden Pianisten, ob vierhändig, jeder für sich oder in verschiedenen Duo-Konstellationen, die ihr Talent bei „Blueberry Hill“, „The Girl From Ipanema“, „Agua De Beber“ und „Tea For Two“ ebenso unter Beweis stellen wie bei Louis Armstrong’s „Swing That Music“ und George Gershwin’s „Lady Be Good“ und jeden einzelnen Titel gemeinsam auf den Punkt spielen. Ob Stride Piano, Ragtime oder Boogie – sie sind der Blickfang und geben den Ton an. Es gibt durchaus auch Schwachpunkte. Wer es stimmlich mit Ella Fitzgerald aufnimmt, muss notgedrungen scheitern, und ob Doris Day unbedingt Teil des Programms sein muss, sei dahingestellt. Manchmal läuft die Band durchaus Gefahr, in allzu seichtes Fahrwasser zu geraten, dann aber überrascht sie wieder mit ausgeklügelten, spritzigen Arrangements wie bei „Wochenend und Sonnenschein“, das man von den Comedian Harmonists kennt, bei Ellington’s „Pitter Panther Patter“ und dem erwähnten „Tea For Two“, den drei Highlights des Abends, an denen die Pianisten entscheidenden Anteil haben.
Ja, die Swingin‘ Ladies und ihre beiden Kollegen treffen genau den Nerv des Publikums, aus dessen Reihen bereits bei Nennung von Titeln wie „Dream A Little Dream Of Me“ oder „Bei dir ist es immer so schön“ ein erwartungsvolles „Aaah!“ ertönt, weil es ganz genau weiß, wie die nun folgende Melodie klingen wird. Zum Glück gibt es Momente, in denen die Band die oft und immer wieder gern gehörte Stücke auflädt mit einem originellen Solo hier, einem unerwarteten Break dort, einer witzigen Nuance an überraschender Stelle. Und so wird die musikalische Reise, die vom Broadway bis zur Copacabana und von New Orleans bis ins Berlin der Dreißiger Jahre führt, am Ende zum Erfolgs-Trip, zur Win Win-Situation für alle. Die Band bekommt heftigen Applaus, das Publikum seine Lieblingssongs und das Birdland Aufmerksamkeit auch von Leuten, die auch ohne einen vorher abgelegten Jazz-Master einfach nur gut unterhalten werden wollen.

