Swingin‘ Ladies + 2 | 02.05.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Diese Band hat im Grunde ein ganz einfaches Erfolgsge­heimnis. Man konzentriert sich mög­lichst auf tausendfach gehörte Gassen­hauer und Evergreens, bereitet Ohrwür­mer und alte Hits so auf, dass sie – so­fern sie nicht eh schon Jazz sind – zu­mindest nach Jazz klingen und kredenzt sie einem Publikum, das gekommen ist, um genau diese Art von Musik zu hören. Das Konzept geht auf, das Birdland ist bis auf den letzten Platz gefüllt und am Ende des Konzerts stehen drei Zugaben. Ja, es gibt sie auch im Jazz, die berühmte leichte Muse, und ab und zu findet sie auch im Birdland statt, weil der Club ja schließlich allen Facetten dieses weit verzweigten Genres eine Heimstatt sein will.

Die Band, die nach dem Motto „Von Joplin bis Jobim“ die ganze Palette von Ragtime bis Latin, von Schlager bis Easy Listening, aus dem Effeff beherrscht, nennt sich „Swingin‘ Ladies + 2“ und be­steht aus dem aus Burscheid angereisten Engelbert Wrobel am Tenor- und So­pransaxofon und an der Klarinette, der australischen Kontrabassistin Nicki Par­rott und den beiden Pianisten Stephanie Trick aus St. Louis, Missouri, und Paolo Alderighi aus Mailand, aus vier kompe­tenten und versierten Musikern und Mu­sikerinnen, die ihr Handwerk beherrs­chen, aus immer wieder mal gern in Neuburg gesehenen Garanten für Unter­haltung im besten Sinne.

Am auffälligsten sind natürlich die bei­den Pianisten, ob vierhändig, jeder für sich oder in verschiedenen Duo-Konstel­lationen, die ihr Talent bei „Blueberry Hill“, „The Girl From Ipanema“, „Agua De Beber“ und „Tea For Two“ ebenso unter Beweis stellen wie bei Louis Arm­strong’s „Swing That Music“ und George Gershwin’s „Lady Be Good“ und jeden einzelnen Titel gemeinsam auf den Punkt spielen. Ob Stride Piano, Ragtime oder Boogie – sie sind der Blickfang und ge­ben den Ton an. Es gibt durchaus auch Schwachpunkte. Wer es stimmlich mit Ella Fitzgerald aufnimmt, muss notge­drungen scheitern, und ob Doris Day un­bedingt Teil des Programms sein muss, sei dahingestellt. Manchmal läuft die Band durchaus Gefahr, in allzu seichtes Fahrwasser zu geraten, dann aber über­rascht sie wieder mit ausgeklügelten, spritzigen Arrangements wie bei „Wo­chenend und Sonnenschein“, das man von den Comedian Harmonists kennt, bei Ellington’s „Pitter Panther Patter“ und dem erwähnten „Tea For Two“, den drei Highlights des Abends, an denen die Pianisten entscheidenden Anteil haben.

Ja, die Swingin‘ Ladies und ihre beiden Kollegen treffen genau den Nerv des Pu­blikums, aus dessen Reihen bereits bei Nennung von Titeln wie „Dream A Little Dream Of Me“ oder „Bei dir ist es im­mer so schön“ ein erwartungsvolles „Aaah!“ ertönt, weil es ganz genau weiß, wie die nun folgende Melodie klingen wird. Zum Glück gibt es Momente, in denen die Band die oft und immer wie­der gern gehörte Stücke auflädt mit ei­nem originellen Solo hier, einem uner­warteten Break dort, einer witzigen Nu­ance an überraschender Stelle. Und so wird die musikalische Reise, die vom Broadway bis zur Copacabana und von New Orleans bis ins Berlin der Dreißiger Jahre führt, am Ende zum Erfolgs-Trip, zur Win Win-Situation für alle. Die Band bekommt heftigen Applaus, das Publi­kum seine Lieblingssongs und das Bird­land Aufmerksamkeit auch von Leuten, die auch ohne einen vorher abgelegten Jazz-Master einfach nur gut unterhalten werden wollen.