Frank Roberscheuten International Hiptett | 08.05.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Bix Beiderbecke und Frank Trumbauer, Coleman Hawkins und Roy Eldridge, Charlie Parker und Dizzy Gillespie, Nat und Cannonball Adderly. Saxofon und Trompete, eine ewige Allianz im Jazz, eine der festen Konstanten durch all die Jahre zwischen Dixieland, New Orleans Jazz und Swing bis hin zu Bebop, Hard Bop und Soul Jazz, ganz egal, ob hot oder cool. All die Subgenres, die Stilistiken, die unter­schiedlichen Soundvarianten aus all den Zeitaltern des Jazz hat Frank Rober­scheuten im Visier, als er zusammen mit seinem International Hiptett im Birdland Jazzclub gastiert und sein Programm „Getting Together“ vorstellt.

Er selber spielt Klarinette, Alt- und Te­norsaxofon, von ihm stammt das Kon­zept, das alles umfasst, was in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinsichtlich der Partnerschaft beider Instrumente von Bedeutung war. Die Band zusammenzu­stellen, die an diesem Abend auf der Bühne steht, sei nicht einfach gewesen, sagt er, denn es gäbe nun mal nur recht wenige Musiker, die all diese Stile per­fekt spielen können und dies auch wol­len. Nun, der souveräne Kontrabassist Jos Machtel, Niederländer wie Rober­scheuten auch, das Riesentalent Malo Mazurie an der Trompete und der Magi­er Guillaume Nouaux am Schlagzeug, beide aus Frankreich, und der am Te­gernsee geborene Meisterpianist Bernd Lhotzki können, wollen und tun dies auch, und zwar auf absolut überzeugen­de Art.

Bands, die sich mit traditionellem Jazz beschäftigen – und traditionell ist schon angesichts der Jahrgänge zweifelsfrei al­les, was an diesem Abend erklingt – lau­fen ja oft Gefahr, ähnlich zu klingen. Bei Roberscheuten und seinen Kollegen liegt der Fall anders. Dieses Quintett entwi­ckelt sich im Laufe der beiden Sets im­mer mehr zu einem Ensemble mit den Eigenschaften des Chamäleons, das bei Bedarf die Farbe ändert und sich immer wieder neu erfindet. Die Band kopiert nicht, aber sie empfindet Ären nach, de­ren Sounds und Spielweisen, richtet den Fokus auf die Traditional New Orleans Jazzband, auf das, was LesterYoung, Illi­nois Jaquet sowie Louis Armstrong oder Clifford Brown hinterlassen haben. Ro­berscheuten ordnet als Moderator für das Publikum das umfangreiche Material, sofern es für die Setlist relevant ist, er­klärt, macht Querverweise, als leite er im Birdland einen Workshop, was in gewis­ser Weise auch tatsächlich der Fall ist. Denn selten hat man in so kurzer Zeit so viel gelernt und dabei auch noch Klassi­ker wie „Jumpin With The Symphony Sid“, „Robin’s Nest“, Hank Jones‘ „Vi­gnette“ und Horace Silver’s „Strollin’“ in solch druckvollen, spritzigen und von echter Leidenschaft geprägten Versionen gehört.

Auch hier wird der Unterschied zu manch anderem Ensemble ähnlicher Ausrichtung deutlich. Wo sonst allzu oft vieles einfach abläuft, hört man hier das Herzblut förmlich pochen. Die Musiker freuen sich gemeinsam über jeden gelun­genen Coup, sind eine verschworene Einheit und spielen wie aus einem Guss. Schade, dass niemand daran dachte, ein Band mitlaufen zu lassen. Man hätte aus den beiden Sets ein erstklassiges Live-Album machen können. Ohne auch nur einen Ton zu verändern, ohne nachträg­lich irgendetwas zu korrigieren. Was für eine tolle Band, was für ein tolles Kon­zert. Selbst eingeschworene Tradition­nal-Fans haben sie viel zu selten auf dem Schirm. Das ist ein Fehler, den man un­bedingt korrigieren sollte.