Max Light Quartet | 27.03.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

2021 und 2023 war er noch als „Angestellter“ in den Bands von Noah Preminger und Christian Sands zu Gast im Neuburger Birdland Jazzclub, nun kommt er erstmals als Chef seiner eigenen Formation. Die Rede ist vom in Brooklyn, New York, beheimateten Gitarristen Max Light, der jungen, wegen ihrer ganz besonderen Ausdrucksweise nicht mehr zu überhö­renden Stimme des Jazz, die sich immer lauter zu Wort meldet. Ganz aktuell mit einer Europatournee, die ihn auch an die Donau führt.

Zusammen mit seinen Kollegen, dem Pianisten Julian Shore, dem Kontrabas­sisten Walter Stinson und dem Schlag­zeuger Steven Crammer, stellt der Gitar­rist auf unnachahmliche Weise eine Mi­schung aus bereits in vielen Konzerten erprobten und brandneuen, bislang noch unveröffentlichten Stücken vor, die erst im Herbst offiziell ercheinen sollen. Da ist das rhythmisch über Stock und Stein galoppierende „Authentication Two Step“, in dem es um ständig wechselnde Passwörter bei der Arbeit am Computer geht, da ist das zäh fließende „Pumpkin Pie“, das sich wie ein ein flauschiger Schal um die Gehörgänge legt, und da ist „Unlearning“, das mit einem einfachen, kammermusikalischen Intro anfängt, sich dann verselbständigt, zu wachsen und zu leben beginnt, seiner eigenen Wege geht, manchmal gleichmäßig da­hin strömt, dann aber immer wieder ur­plötzlich seine Fließgeschwindigkeit än­dert, anfängt zu strudeln, scheinbar außerhalb jeder Normierung, aber den­noch irgendwie einer Gesetzmäßigkeit folgend.

Ob es sich um das swingende „The Things You“ handelt, das daherkommt wie eine Reminiszenz an den klassischen Bebop, oder um das seinem Vater gewid­mete „Dad“, in dem Light quasi ein akustisches Gemälde an die Wand des Birdland hängt – immer beruft er sich auf komplexe aber fest umrissene Struk­turen, auf lange Spannungsbögen wie in „Chaotic Neutral“, das beginnt mit Tö­nen wie aus Glas. Dann wieder beißt sich einer der Musiker während der Im­provisation an einer Figur fest, bettet sie ein in das komplexe Gesamtkonstrukt, macht sie sozusagen zu einem Ohrwurm innerhalb eines Stückes, das doch eigent­lich so gar nichts von einem Ohrwurm an sich hat. Ja, es geht in der Tat aben­teuerlich zu, wenn wie etwa in „Caregi­ving“ jeder der Beteiligten, als sei er ein personifizierter Sampler, seinen Part ein­bringt, wiederholt, abwandelt, immer weiter modifiziert, während der Solist darüber improvisiert. Oder wenn in „Tal­king To You“ aus der Feder von Victor Lewis sich mehrere Rhythmen verkan­ten, ineinander verkeilen, obwohl Light das Stück „dearrangiert“, wie er es nennt, also dessen Kern offenlegt.

Bei Light und seiner Band weiß man nie genau, was als nächster Schritt kommt, was aber weniger daran liegt, dass endlose Improvisationen die Orien­tierung erschweren würden, sondern an der Komplexität, die schon in deren Pla­nungsphase so ungemein bedeutsam ist und sich recht schnell als Markenzeichen Light’s entpuppt. Als Komponist liebt er es, Umwege zu gehen, überraschend dort abzubiegen, wo es auch einen geraden Weg gäbe, und doch gleichzeitig, die Koordinaten akribisch gespeichert und das Ziel klar vor Augen, nachvollziehbar zu bleiben und die Zuhörer nicht orien­tierungslos zurückzulassen. Das Max Light Quartet im Birdland: Absolut span­nend, in gewisser Hinsicht fast so etwas wie eine Offenbarung.