Quartetto Magritte | 21.03.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Maurizio Minardi, aus Bologna stammender Komponist, Orga­nist, Pianist und Akkordeonist, kommt viel herum, lebte zeitweise in London, hat sich aktuell in Paris niedergelassen, hat einen besonderen Bezug zu Belgien und ist an diesem Abend zum ersten Mal im Birdland Jazzclub in Neuburg zu Gast. Man könnte ihn durchaus als Glo­betrotter bezeichnen, nicht nur wegen seiner intensiven Reisetätigkeit und di­versen Standortwechsel, sondern auch, weil er seine Nase permanent in diverse musikalische Genres steckt, am liebsten gleichzeitig, und dabei mit Jazz, Klassik, Rumba, Habanera, Tango, World- und sogar elektronischer Musik arbeitet.

Bisher hat er es auf 15 Alben gebracht, und noch 2026 soll ein weiteres veröf­fentlicht werden, dessen Inhalt er zusam­men mit dem Kontrabassisten Maurizio Congiu, dem Gitarristen Barthelemy Seyer und Jonathan Edo an Schlagzeug und Cajon vorstellt. Das Konzert beginnt mit „La Grande Famiglia“, das wie auch der Bandname eine starke Verbindung zu dem belgischen Maler René Magritte und dessen Surrealismus aufweist, geht weiter mit einer Verbeugung vor dem Schauspieler Marcello Mastroianni und führt über „Brixton Village“ direkt zu Jo­hann Sebastian Bach und „Barokko Non Troppo“. Die Musik und die Musiker ge­nügen höchsten Ansprüchen und die akustische Reise durch diverse Weltge­genden, die vor der Pause auch noch nach Mittelamerika und zu Consuelo Velázquez und deren Ohrwurm „Besame Mucho“ führt, ist wirklich spannend, aber der letzte Kick fehlt noch. Dem ers­ten Set haftet viel Behutsames, Bedächti­ges an, das Feuer will nicht so recht lo­dern, der Funke nicht so recht auf das überaus zahlreich erschienene Publikum überspringen.

Das ändert sich schlagartig und grund­legend nach der Pause. Jetzt ist das Quartetto so richtig präsent, emotional näher am Publikum, jetzt wollen es die Musiker wirklich wissen. Mit Gato Bar­bieri’s „Last Tango in Paris“ legt die Band gleich mehrere Gänge zu, hat bei „Anastasia“ aus Minardi’s Feder inklusi­ve des dazugehörigen Balkan-Groove das Auditorium längst geknackt und hat ab „Penguin“ und „Questa non é una rumba“, das sich wieder auf Magritte be­zieht, im Grunde ein Heimspiel. Wurde der Jazz den geografisch-stilistischen, genreübergreifenden Stücken dieses viel­farbigen Konzerts über weite Strecken eher untergemischt, übernimmt er ausge­rechnet dort die Führung, wo man es am wenigsten erwartet. Bei der Zugabe nämlich und ausgerechnet bei dem Chansonnier Jacques Brel – dem zweiten Belgier, der im Hintergrund mitmischt an diesem Abend – und dessen „Le Port d’Amsterdam“. Minardi’s Bearbeitung unterscheidet sich fundamental vom Ori­ginal, und das ist gut so, denn pures Ko­pieren wäre für einen wie ihn, der auch ein Ass im Arrangieren ist, nun wirklich reine Zeitverschwendung. Und so rundet sich trotz anfänglicher Startprobleme der Abend schließlich zu einem in der Tat erfreulichen Ereignis, das die Seele an­rührt und den Intellekt herausfordert, das den Horizont erweitert und ein erneuter Beleg dafür ist, wie vielfältig und bunt die Palette dessen ist, was da Woche für Woche im Birdland in Sachen Jazz und mitunter durchaus auch darüber hinaus angeboten wird.