Théo Ceccaldi Trio „Django“ | 19.02.2022

Donaukurier | Karl Leitner
 

Die Liste französischer Jazzgeiger ist beeindruckend. Stéphane Grapelli, Didier Lockwood und Jean-Luc Ponty stehen ganz oben. Hart auf den Fersen ist ihnen Théo Ceccaldi, einer der jungen Wilden des französischen Jazz. Zusammen mit Valentin Ceccaldi am Kontrabaß und Guillaume Aknine an der elektrisch verstärkten Gitarre wird er ei­gens für dieses eine Konzert im Neubur­ger Birdland Jazzclub aus Paris eingeflo­gen. Wenn man einen wie ihn am Haken hat, scheut man weder Mühe noch Kos­ten.

Das Programm des Abends heißt zwar „Django“ und bezieht sich auch auf das Erbe des Erfinders des Gypsy Swing, und irgendwie irrlichtert der Meister auch im Gewölbe des Jazzkellers herum, richtig greifbar wird seine Musik aber nur phasenweise. Ceccaldi, der Derwisch an der Geige, hat nämlich eine diebische Freude daran, Reinhardts Stücke, etwa dessen „Rhythme Futur“ oder sein „Blues En Mineur“, zu zerlegen, zu ver­fremden, neu zusammenzusetzen, eigene Vorstellungen zu integrieren. Kompositi­onsfetzen Reinhardts tauchen zwar auf, manchmal freilich erkennt man sie erst auf den zweiten Blick und manchmal auch gar nicht. Und Ceccaldi grinst, so­fern er sich mal eine Atempause gönnt, von der Bühne, erklärt, die Annahme, der Abend sei als eine Hommage an Reinhardt gedacht, sei im Grunde ja ein Missverständnis und von der eben gehör­ten Suite mit dem Titel „Six Pouces Sous Mer“ bezögen sich im Höchstfall drei Akkorde auf Reinhardt.

Ceccaldi spielt mit vollem Risiko und mit vollem Körpereinsatz. Manchmal kommt er wie auf Samtpfoten daher, dann wieder fährt er die Krallen aus, pendelt zwischen Zeitlupe und Raserei, zirpt, schleift, zupft, spielt weite Bögen und rasante Pizzicati. Sein Einfallsreich­tum hinsichtlich dessen, was er spielt und wie er dies tut, scheint unerschöpf- lich. Bruder Valentin am Kontrabass ist der unerbittliche Pulsge­ber, teils stoisch vorwärts marschierend, teils röhrend, schnarrend und schnurrend, bei Bedarf aber auch ganz subtil und zärtlich. Und Aknine schließlich ist der Mann für die Sounds, die Klangfarben zwischen scheinbar aus dem Off herüberwehenden Echos und bodenständigen Rockriffs.

Die beiden Sets zu je 50 Minuten ver­gehen wie im Fluge. Die Energie, die vor allem Théo Ceccaldi verströmt, ist im Saal spürbar, überträgt sich aufs Publi­kum. Bereits nach der einleitenden Num­mer brandet heftiger Applaus auf. Was dann kommt, trägt stellenweise dramati­sche Züge. Man sitzt angespannt im Au­ditorium und schaut und hört dem Trei­ben dort oben auf der Bühne fasziniert zu. Das Publikum ist absolut gebannt, und das angesichts einer Musik, die ja eigentlich alles andere als eingängig ist und den Erwartungen widerspricht, die man angesichts der mit der Überschrift „Django“ geschürten Assoziation „Gypsy Swing“ ja durchaus hätte haben können.

Nein, mit einer herkömmlichen Sicht­weise hat dieses Trio nichts zu tun, stellt vielmehr Reinhardt in ein komplett neu­es, selbst entwickeltes Umfeld, knallt das Ergeb­nis dem Publikum jedoch nicht einfach vor die Nase, sondern nimmt es an der Hand und entführt es umsichtig in seine Welt. Was sich jenes genüsslich gefallen lässt. Ein Klangfestival auf 14 Saiten!