Randy Ingram Trio | 13.03.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Der Kurztrip mit seiner New Yorker Band durch Europa umfasst nur sechs Stationen. Auf das Konzert im Birdland Jazzclub in Neuburg folgen nur noch die in Köln, Madrid, Rom, Brüssel und Kopenhagen. Was allein schon ziemlich deutlich veranschaulicht, wel­ches Kaliber Birdland-Chef Manfred Rehm mit dem Ausnahme-Pianisten und Komponisten Randy Ingram da wieder mal für die Reihe „Art Of Piano“ an Land gezogen hat. Der, den das Fachma­gazin Jazz Times schlichtweg als „be­gnadeten Musiker“ bezeichnet, revan­chiert sich für die Einladung mit einem sagenhaften Konzert, das zehn Preziosen und einen Geniestreich umfasst und dem Publikum einen Einblick davon vermit­telt, wie es sich anhört und anfühlt, wenn ein sensibler, empfindsamer Künstler musikalisch offenbart, was ihn im In­nersten bewegt.

Seine Band mit der Bass-Instanz Drew Gress und Karl-Henrik Ousbäck, den man für sein feinnerviges, behutsames und doch ungemein intensives Drum­ming gar nicht genug loben kann, bildet zusammen mit Ingram eine absolute Ein­heit und ist ebenso handverlesen wie das, was an diesem Abend auf der Setlist steht. Cole Porter’s „Everything I Love“ dient noch der Einstimmung, was dann folgt, stammt aus zwei unterschiedlichen Quellen. Da sind zum einen die Stücke aus Ingram’s aktuellem Album „Aries Dance“, in denen höchste Spielkultur auf kompositorische Meisterschaft und aus­geklügelte Arrangements auf bestechen­de Ästhetik treffen, wobei wunderschöne Harmonien den Weg ebnen mitten hinein in höchst anspruchsvolle Stücke wie „Towards Polaris“ und „Shokunin“, was japanisch ist und so viel wie „Handwer­ker“ bedeutet.

Und da sind Ingram’s Bearbeitungen von Titeln aus der Feder oder dem Re­pertoire seines großen Vorbilds, des le­gendären Pianisten Bill Evans, die im Juli auf einem eigenen Album erscheinen sollen. Dessen berühmtes „Turn Out The Stars“ gehört ebenso dazu wie dessen Version von „My Foolish Heart“, die der Grund dafür war, dass Ingram sich ent­schloss, Pianist zu werden. Aber worum es auch immer geht: Wie Ingram es im­mer wieder mit der Wiederaufnahme des jeweiligen Themas und dem Einbiegen auf die Zielgerade schafft, dass sich die Stücke am Ende auf so wunderbare Wei­se runden, verrät den wahren Meister.

Überhaupt hat so manche Nummer im Programm ihre eigene Geschichte. „It Won’t End This Way“ etwa. Das Klage­lied wurde komponiert 2016 anlässlich der ersten Wahl Donald Trumps und 2019 schon einmal im Birdland aufge­führt. „Leider müssen wir diese Nummer immer noch spielen“, sagt Ingram, und Trauer und Zorn sind ihm in der Tat an­zumerken. Bei Walzern hingegen habe er grundsätzlich das Gefühl, fliegen zu können, wie er verrät, was er mit „Loft“ denn auch gleich demonstriert. Und der Geniestreich? Der heißt „Penelope“, stammt von Wayne Shorter und ist pure Hingabe eines Musikers an seinen Stoff. Hier kehrt Ingram sein Innerstes nach außen. Niemand weiß, welche Empfin­dungen der Anlass für diese akustische Großtat sind, aber es muss etwas sein, das ihn in der Seele anrührt, etwas, das ihn befähigt, an dieser ganz besonderen Stelle des Konzerts Lyrik pur zu kreie­ren, die meilenweit entfernt ist von jegli­cher Süße. Der Titel des letzten Stückes trifft es haargenau. „You And The Night And The Music“ – Welch großartiges Gesamtpaket!