Larry Porter Reunion Trio | 15.05.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Am 12. September 1991 fand im Neuburger Birdland Jazzclub das Eröffnungskonzert der Reihe „Art Of Piano“ statt. Im Zentrum des Interesses standen der eben erst aus der Bösendorfer-Manufaktur in Wien angelieferte Flügel der Baureihe M 200 und der Pianist, der ihn für den Club ausgewählt hatte, Larry Porter. Er hatte ihn vor dem Transport donauaufwärts auf Herz und Nieren geprüft und anschließend entschieden. „Der da“ sollte es sein. Und jetzt, 35 Jahre und 277 „Art Of Piano“-Konzerte später, treffen die beiden wieder aufeinander, „der da“ und der aus Cleveland stammende und in Berlin lebende Meisterpianist, der wegen seiner technischen Brillanz und seines Spielwitzes weltweit hoch geschätzt wird.

Wenn zwei, die eine Verbindung fürs Leben haben, sich nach langer Zeit wieder treffen, darf das getrost gefeiert werden. Ähnliches freilich gilt für das Reunion Trio, das deswegen so heißt, weil sich Porter, der kanadische Kontrabassist Scott White und der Drummer Heinrich Köbberling nach 20 Jahren Pause wieder zusammengetan haben, um ihrem Publikum mit Duke Ellington, Earl Hines, Ray Bryant und allen voran Thelonious Monk ein paar ihrer gemeinsamen Lieblinge vorzustellen, und auch Porter’s neueste Kompositionen, die mindestens ebenso wenn nicht noch interessanter sind als die Adaptionen.

„Skater’s Dance“ vor der Pause zum Beispiel, für das der Eiskunstlauf Pate stand, ein Walzer mit wunderschöner, auf traumhaften Harmonien ruhender Melodie, in dem Pirouetten, Sprünge und Hebefiguren quasi gleich mit eingebaut sind. Oder „Nuevos Amigos“ mit schrägem Bogen-Intro White’s, das wie durch ein Wunder zu einer überaus süffigen Angelegenheit wird. Oder „Coffee’s Ready“, einer witzigen Kombination von Samba und nachmittäglichem Kaffeekränzchen, oder – das vermutlich beeindruckendste Stück des ganzen Konzerts – „Teardrops“, die für das ukrainische Volk geschriebene Ballade, die richtig unter die Haut geht.

Das Trio hält auf sehr überzeugende Weise die Balance zwischen Modern und Mainstream, arbeitet mit Verästelungen, Verzweigungen und Nebenarmen, folgt einem kompositorischen Konzept mit Fixpunkten, gönnt sich aber auch improvisatorischen Freiraum. Ohne freilich diesen Punkt auf die Spitze zu treiben, diesen Aspekt über Gebühr ausufern zu lassen. Und dann sind da diese Eleganz, dieser subtile Umgang mit den fremden und den eigenen Stücken, die feine Besenarbeit Köbberlings, die klar umrissenen Linien White’s, der kraftvolle aber eben auch subtile Stil Porter’s, die bei minimaler akustischer Verstärkung eingebauten Akzentverschiebungen, die variierenden Betonungen, die sich absolut kunstvoll verknüpfen und zusammen mit dem sich permanent ändernden Level an Intensität zu einer Art Markenzeichen für dieses Trio werden.

Eine Wiedersehensfeier ist nur dann wirklich schön, wenn auch die Rahmenbedingungen passen, in diesem Fall die Musik. An diesem Abend im Birdland tun sie das auf ganz vorzügliche Weise. Und auch die Chemie stimmt. Zwischen Porter und „seinem“ Flügel, zwischen den Musikern, zwischen jenen und ihrem Publikum. Und am Ende steht der oftmals nach einem Treffen geäußerte Satz im Raum: „Schade, dass man sich so selten sieht!“ In der Tat, das stimmt. Aber daran könnte man ja was ändern.