Jeff Hamilton Trio | 02.06.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Es gibt Anlässe, die Wellen schlagen, bevor sie überhaupt stattgefunden haben. Das Gastspiel des amerikanischen Stardrummers Jeff Ha­milton, Grammypreisträger und Bird­land-Fan seit den Neunziger Jahren, ist so einer. Da wird wegen der erwartbar großen Nachfrage extra das Neuburger Stadttheater gebucht, da wird das Kon­zert außerplanmäßig auf einen Dienstag­abend gelegt und der Saisonabschluss vor der Birdland-Sommerpause ist ja so­wieso alljährlich ein ganz besonderes Er­eignis.

Jeff Hamilton also, der mit Diana Krall, Barbra Streisand, Willie Nelson und vie­le Jahre mit Oscar Peterson gespielt hat und nur selten mit einem eigenem Trio unterwegs ist, der Mann mit dem sensa-tionellen Rhythmusgefühl, der Eleganz und Leichtigkeit auf so geniale Weise verbindet, der erzählt, dass er, wenn er eine Europa-Reise plant, zuerst den Birdland-Termin vereinbart und alle an­deren dann um ihn herum bucht, sorgt in der Tat für Aufsehen. Und er hat diesmal als Gastgeschenk sein neues Trio mitge­bracht, seinen Landsmann Jon Hamar am Kontrabass und den Japaner Tadata­ka Unno am Klavier, und dazu auch noch „Sybille’s Day“ und „The Midnight Sun“, zwei ganz spezielle Kompositio­nen, die er explizit zwei Freunden vor Ort widmet und nur in Neuburg spielt und sonst nirgends. „I Have The Feeling I’ve Been Here Before“ heißt eine seiner wunderschönen Balladen, die zu einem persönlichen Statement und zugleich zu einem Highlight des Abends wird.

Die knapp zwei Stunden beginnen mit „Pionciana“ und enden mit „Easy Wal­ker“ und was dazwischen liegt, hebt die­ses Konzert weit über das hinaus, was man üblicherweise von dem eines Piano-Trios erwarten darf. Hier geht es nicht um einen im Zentrum des Interesses ste­henden, herausragenden Pianisten – der Unno gleichwohl ist – sondern um eine Einheit, die aus drei gleichberechtigten Komponenten besteht, deren swingende Musik ihre Magie auch aus der Tatsache schöpft, dass die drei so hervorragend harmonieren, dass Standards wie „Polka­dots And Moonbeams“ so völlig neu konzipiert sind, dass der Szenenapplaus nicht nur für besonders gelungene Soli gilt, sondern völlig zurecht auch für Stel­len, an denen die Arrangements beson­ders trickreich sind. „Wenn Du einen Song spielst, den jeder kennt, dann klei­de ihn vorher neu ein!“ Das war der Rat Ray Brown’s, Hamilton’s Kollegen bei Oscar Peterson, und der hält sich seither daran, macht Standards zu neuen Kom­positionen, indem er sie veredelt, auf je­des Detail Wert legt, sie mit Nonchalan­ce, Eleganz und in transparentem Sound quasi neu erschafft. Und sie per Setlist in Beziehung setzt zu eigen Stücken wie Unno’s „The Magic Of Mr. Wess“ und dessen seinem ehemaligem Boss Roy Hargrove gewidmeten „Roy Said So“, Hamar’s „BYOB Blues“ und schließlich John Clayton’s lässig shuffelnden „Blues for Stephanie“ und Richard Rodger’s „Isn’t That Romantic“, letzterer komplett runderneuert und mit Tschaikowski aus­geschmückt.

Für Jeff Hamilton, der sich sichtlich freut, endlich wieder in Neuburg zu sein, Freunde und Bekannte zu treffen, ist der Abend ein ganz besonderer, wie er im­mer wieder glaubhaft versichert. Was umgekehrt auch gilt, denn seine musika­lischen Gastgeschenke hinterlassen einen unvergesslichen Eindruck. Mit ihnen im Nachhall ist denn auch der „Jazz-Ent­zug“ während der Birdland-Sommerpau­se weniger schmerzlich. Die dauert bis zum 11./12. September. Die neue Saison wird eröffnet mit dem Doppelkonzert von Jeff’s Namensvetter Scott Hamilton.