Jean Philippe Bordier Quartet | 23.03.2024

Neuburger Rundschau | Peter Abspacher
 

Schon der erste Blick auf die kleine Bühne im Birdland-Keller verrät, dass dies keine ganz „normaler“ Jazzabend wird. Auf der linken Seite fehlt etwas Großes, Liebgewonnenes. Im Zentrum ist etwas platziert, was sonst rechts hinten in der Ecke untergebracht ist. Dort ist jetzt Platz für ein Vibrafon, das auch nicht gerade zu jeder Jazz-Formation dazugehört.

Das gilt noch viel mehr für die feine Visconti-Orgel, die sich einfach mal den Raum genommen hat, den sonst der Bösendorfer-Flügel des Birdland-Clubs füllt, rein physikalisch und vor allem klanglich. Auch einen Kontrabass oder ein Saxofon sucht das Publikum an diesem Abend vergeblich.

Es muss nicht immer Flügel sein, auch nicht Bass oder Sax – das könnte das Motto dieses speziellen Konzerts sein. Und es ist nicht so, dass das Publikum im ausverkauften Club wirklich etwas vermisst hätten. Das Jean Philippe Bordier Quartet bot mit der Orgel (Guillaume Naud), dem Vibrafon (Pascal Bivalski), der Gitarre (Jean Philippe Bordier) und dem Schlagzeug (Andreas Neubauer) eine französisch und manchmal auch karibisch geprägte, melodienselige und harmonisch elegante Musik.

Die Stücke, meist Eigenkompositionen des Bandleaders an der Gitarre, gehen oft genug durch ihre verführerische Rhythmik in die Beine. Zu diesem Feeling tragen die Jazzer an den Melodie-Instrumenten Orgel, Gitarre und Vibrafon sehr viel bei – aber auch der Schlagzeuger Andreas Neubauer spielt eine wesentliche Rolle. Das Schlagzeug ist nicht nur einfach so im Zentrum aufgebaut, der Mann an den Drums füllt auch musikalisch eine zentrale Funktion aus. Andreas Neubuauer gibt dem ganzen Quartett mit seiner Präsenz und mit seinem Gespür für die Akustik dieses intimen Konzertsaales eine klare, facettenreiche Struktur.

So sind die anderen drei auf die charmanteste Art eingeladen, vom sicheren Boden in hochfliegende Melodiebögen oder in frappierende harmonische wie auch rhythmische Welten abzuheben. Und alle drei nehmen diese Aufforderung zum Tanz gerne an. Die Orgel mit ihrer fast geheimnisvollen Klangfarbe und den weichen, ineinanderfließenden Akkorden setzt einen speziellen Ton. Pascal Bivalski am Vibrafon erschafft bei seinen improvisatorischen Exkursen eine flirrende Klangwelt. Und der Bandleader Jean Philippe Bordier spielt die wildesten Tonfolgen ebenso wie die innigen, lyrischen Melodien auf seiner klangvollen Gitarre mit Kraft, Gefühl und einem inneren Drive.

Bei einer tollen Nummer zu einem (anfangs) simplen Disco-Rhythmus zeigt das Quartett exemplarisch, wie viel aus fast nichts zu machen ist. Sofern man die Kunstfertigkeit des Komponisten Bordier und die Spiellust seiner Mitstreiter in eine immer dichter und intensiver werdende, aber auch leichten und durchsichtigen Musik verwandeln kann.

In der Struktur sind die Titel der Band sehr ähnlich, was bei aller Qualität Mitte des zweiten Set des Guten fast zu viel wird und einen leichten Spannungsabfall mit sich bringt. Die vier Jazzer legen aber, wie es sich gehört, mit einer rasanten Kurve zum Schluss das Beste hin. Der Titel, der die verrückte Geschichte des gerissenen Ganoven Vidoq in Jazzmusik transformiert, der unter Napoleon später Polizeichef wurde, war hinreißend.