■ ■ From Bach To Now: Helmut Lörscher Trio | 09.10.2026

Neuburger Rundschau | Peter Abspacher
 

Seit einem Vierteljahrhundert gibt es die Kooperation der altehrwürdigen Neuburger Barock-Konzerte mit dem Birldland-Jazzclub bereits. Diese spannungsreiche Verbindung hat der zwischendurch ein wenig in die Jahre gekommenen Konzertreihe ein Stück neues, pralles und inspirierendes Leben eingehaucht. Der Auftritt des Helmut Lörscher Trios im Birdland-Keller zu Beginn der Barock-Konzerte 2026 setzte in diesem Sinn einen phänomenalen Akzent.

Für Fans der klassischen Barockmusik von Telemann bis Bach, der Jazzmusik für sich genommen und auch für alle Musikliebhaber, die sich eine inspirierende Verbindung dieser beiden Welten wünschen – mithin für alle drei Fraktionen war dieser Abend ein herrliches Vergnügen. Helmut Lörscher am Bösendorfer-Flügel, Bernd Heitzler am Bass und der Schlagzeuger Matthias Daneck stellten ein hinreißendes Barock/Jazz-Kunstwerk nach dem anderen in den ausverkauften Gewölbekeller.

Wild, mutig, präzise in allen Details und mit tiefem Respekt vor der unvergleichlichen Qualität der neu gedachten und frech verfremdeten Bach-Werke – so erklangen wurden die Nummern dieses Abends. „From Bach to Now“, das ist ein höchst anspruchsvolles Motto. Es wurde zu exakt einhundert Prozent eingelöst.

Dazu braucht es einen herausragenden Pianisten, der seinen Bach in allen Facetten verinnerlicht hat und manche Originalzitate fast mit einer gewissen Ehrfurcht anspielt. Und der dann auf dieser Basis mit Melodien, Harmonien und gelegentlich auch mit den Rhythmen auf eine sehr freie, berechtigterweise freche Art spielt, die immer wieder für die tollsten Überraschungen gut ist. Und dazu braucht es einen Mann am Bass, der auch im Pizziccato seine Tonlinien fast so melodiös wie auf einer Bratsche oder einem Cello zu empfinden versteht.

Und einen Schlagzeuger, der Becken und Trommeln einen warmen, geheimnisvollen Klang geben kann und der allein durch die Dämpfer auf den Sticks den Gesamtklang wie bei einem klassischen Klaviertrio veredelt. Ein paar knallige Ausbrüche sind inklusive. Mit der Gefahr, dass da auch einmal etwas wie ein erratischer Block in der musikalischen Landschaft wirkt.

Was diese drei Jazzer/Klassiker aus dem langsamen Satz der italienischen Konzerts machen, aus der ebenso berühmten Badinerie in h-moll, aus dem Choral „Wie schön leucht‘ uns der Morgenstern…“ oder aus einer Musette des „Notenbüchleins für Anna Magdalena Bach“, ist oft genug atemberaubend. Der Choral mutiert zu einer Jazz-Ballade erster Güte, Helmut Lörscher führt die Choralmelodie zum Einstieg nicht nach oben, sondern in raffinierter Verwandlung nach unten und am Ende in einem kühnen Einfall und fast unkenntlich gemacht in eine sphärische Stimmung.

Seine Finger wandern nicht nur in diesem Stück mit größter Lust am intelligenten Improvisieren über die Tasten, der ganze Körper geht mit auf die Reise in neue Gefilde. Am Ende einiger Nummern wirft Lörscher die Arme hoch, quasi als (voll berechtigte) optische Botschaft etwa der Art „Das haben wir ja toll hingekriegt“. Die Badinerie perlt in einem irren Tempo dahin, kommt aber nicht gehetzt daher, mutig aufgenordet vom hier besonders geforderten Schlagzeuger und vom Teufelskerl am Kontrabass. Das hat in einzelnen Passagen – zum Beispiel auch in der Bourree aus der E-Dur-Suite – die Qualität eines Gesamt-Klangkunstwerkes mit den besten Seiten des Barock, der Jazzwelt, des Rock und einmal sogar der Zwölftonmusik.

Die Zugabe ist eine witzig-verrückte Phantasie des Piano-Zauberers Helmut Lörscher über die wunderbare Goldberg-Aria in der Manier eines Alexander Scriabin und eines W. A. Mozart. Im Birdland-Jazzclub hat Lörscher noch nie gespielt, ein wenig erstaunlich bei seiner Qualität. Und er würde gerne wieder nach Neuburg kommen, wegen des tollen Publikums und des wunderbaren Ambiente. Es sollte nicht zu lange dauern, bis es soweit ist.