Eric Revis Quartet | 15.03.2014

Neuburger Rundschau | Dr. Tobias Böcker
 

Das sind die Konzerte, zu denen die Fans von sonst woher nach Neuburg strömen. Einen leibhaftigen Grammy-Gewinner bekommt man auch im Star-verwöhnten Birdland nicht alle Tage zu sehen. Eric Revis lieferte bei seinem fulminanten Gig im Neuburger Jazzclub auch gleich den Beleg dafür, dass er die höchste Auszeichnung, welche die Musikbranche weltweit zu vergeben hat, mit allem Recht entgegen nehmen durfte: Virtuosität, Präsenz, Volumen, Groove und eine sehr markante individuelle Klangsprache an seinem Instrument zeichnen den 1967 in Los Angeles geborenen Wahl-New-Yorker aus.

Längst ist es ja nichts Besonderes mehr, dass die Bassisten aus dem Hintergrund der Bühne nach vorn streben als Leader eigener Projekte, nicht mehr nur zuständig fürs groovende Fundament und harmonische Stabilität, sondern selbstbewusst fit für musikalische Impulse aus der Tiefe des Geschehens, treibende Kraft im Energiestrom der Band. Umso intensiver ist das zu erleben in einem Line-up, das auf Harmonieinstrumente wie Klavier oder Gitarre gänzlich verzichtet und mit Schlagzeug, Bass, Alt- und Tenorsaxophon für ein Höchstmaß an Transparenz und Dichte zugleich sorgt. Chad Taylor, Eric Revis, Darius Jones und Bill McHenry, allesamt ausgesprochene Meister ihres Fachs, spielen denkbar tight und prägnant zusammen im Zeichen jener heißen Zeiten, als der Jazz sich zunehmend von festen Formen löste.

Auf dem schier kochenden Groove des Schlagzeugs tanzen sich die Solisten musikalisch schier die Füße wund, reißen dabei die Fenster postmoderner Musealität weit auf und fachen frischen Wind ins Gewölbe. Satt im Sound, virtuos in den Linien, freimütig, frisch und punktgenau platziert in charakterstarker Eigenständigkeit ist die Musik der Band zugleich getragen von jener ungemein spannungsreich pulsierenden Energie, die aus der Mitte von Eric Revis‘ Bass entspringt. Wie gesagt: Selbst im Birdland ein seltenes Erlebnis!