Albie Donnelly’s Saxplosion | 17.04.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Liverpool und die Musik? Da fallen einem zuallererst natürlich die Beatles ein. Und die Searchers. Und bei längerem Nachdenken auch noch „Frankie Goes To Hollywood“ und OMD. Sie alle kamen aus der Stadt am Mersey River. Und dann sind da auch noch Albie Donnelly und seine „Supercharge“, die man gerne übersieht in derartigen Aufzählungen, obwohl Donnelly mit seinem Powerhouse-Rhythm’n’Blues alles andere als leise agiert und man ihn eigentlich nur schwerlich überhören kann.

Seit Mitte der 90-er Jahre lebt er in Deutschland und ist nicht nur mit seiner Stammband, sondern auch mit dem Projekt „Saxplosion“ unterwegs, das mit drei Saxofonen (Donnelly, Jürgen Wieching und Tinez van Too), Gitarre (André Tolba), Schlagzeug (Uwe Peterson) und Keyboards (Horst Bergmayer) besetzt ist und akustisch aus allen Rohren feuert. Genau so, wie man es von Donnelly gewohnt ist und wohl auch erwartet. Die Band führt ihr Publikum zurück in die Zeit, als Rhythm’n’Blues, Jump Blues und Rock’n’Roll noch die Hitlisten dominierten, als das Saxofon noch vor der Gitarre rangierte, als in den Juke Joints und Honky Tonks die Leute ausflippten und es absolut niemanden interessierte, ob das alles denn nun Blues, Jazz, Soul oder doch schon irgendwie Rock’n’Roll war.

Donnelly’s Konzert im Birdland Jazzclub beginnt mit „Everyday I Have The Blues“ von B.B. King, gefolgt von Jimmy Witherspooon’s „When The Light Goes Out“ und dem hundertfach gecoverten „Riot In Cell Block Number 9“. Damit ist die Richtung festgelegt. Donnelly’s Qualitäten als Honker in der Nachfolge von King Curtis und Big Jay McNeely, Tolba als einmal mehr sehr versierter Bluesgitarrist, Petersen als Schwerarbeiter an den Drums, dazu die Wucht des Saxofon-Armada – fertig ist das heiße Gebräu, das die Band über sein Publikum im restlos ausverkauften Club auskippt. Eigentlich ist es so wie immer bei Donnelly, wenn er irgendwo aufritt. Sein Live-Repertoire hat sich im Grunde in den letzten vier Jahrzehnten nicht wesentlich verändert und böse Zungen könnten behaupten, er spiele immer wieder das Gleiche. Aber zugegebenermaßen eben auch auf immer wieder gleich hohem Niveau. Die Präzision hinter all der Wucht, die Akribie hinter der enormen Schubkraft und ja, auch die auf humorvolle Art hingerotzte Lockerheit hinter all den erwartbaren weil auf fast jeder seiner Setlists anzutreffenden Stücken von „Harlem Nocturne“ und „Living In A Fool’s Paradiese“ bis hin zu „Caravan“ „Whiskey Drinking Woman“ und „The Boogie Woogie King“ sind schon beeindruckend. Und man muss auch unumwunden zugeben, dass man aus dem Klassiker „Caledonia“ schwerlich mehr herausholen kann als Donnelly mit Saxplosion an diesem Abend.

Kein subtiler Jazz, keine intime Atmosphäre, keine leisen Töne, auch trotz der ein oder anderen Ballade nicht. Statt dessen die pure Lust an und mit der eigenen Energie, die Freude an knackigen Rhythmen, scharfen Riffs und überdrehten Soli. Saxplosion treten an, um dem Publikum eine unbeschwerte Zeit zu bieten und die Leute nehmen das Angebot dankend an, weil die Band ihren Job mit einer Leidenschaft erledigt und mit einer Verve wie sonst kaum eine vergleichbare hierzulande. Und daran wird sich wohl – zum Glück – auch nichts ändern, so lange Albert Edward Donnelly, genannt Albie, die Fäden in der Hand hält.