■ ■ 16. Birdland Radio Jazz Festival – Vorschau | 07.10.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Am 18. November 2011 gab der legendäre Jazzpianist Cecil Taylor ein umjubeltes Konzert im brechend vollen Neuburger Birdland Jazzclub, das anschließend auch im Radio ausgestrahlt und auf CD veröffentlicht wurde. Das war die Geburtsstunde des seither jährlich im Oktober und November in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfund stattfindenden „Birdland Radio Jazz Festivals“. Seither unverändert begrenzt auf acht Termine, wollen Birdland Chef Manfred Rehm und die Verantwortlichen des BR gemeinsam möglichst viele Facetten, Spielformen und Epochen des Jazz dem Publikum vor Ort und dem an den Empfangsgeräten vorstellen.

Heuer geht die 16. Folge des Festivals über die Bühnen des Audi Forums, des Stadttheaters Neuburg sowie des Birdland Jazzclubs, wie immer aufgezeichnet vom BR und zeitversetzt in den Folgemonaten ab 23 Uhr in den Formaten von BR2 und BR-Klassik gesendet. Eine Ausnahme bietet das letzte Konzert des Festivals, das stets jungen, viel versprechenden Musikern und Bands vorbehalten ist, dessen zweites Set im Rahmen einer vierstündigen Jazznight zwischen 22 Uhr und 2 Uhr morgens live übertragen wird. Im Anschluss daran sendet der BR dann weiter aus dem im Birdland-Büro eigens zu diesem Zweck eingerichteten Studio Ausschnitte vom gesamten Festival, angereichert mit Gästen am Mikrofon, Interviews und einer Gesprächsrunde. Das führt zu der paradoxen aber natürlich höchst erfreulichen Situation, dass im Club selber zwar nur etwa gut 100 Leute Platz finden, über Radio aber viele Tausend hinzugeschaltet sind, denn der BR überträgt diese Jazznight nicht nur im eigenen Sendegebiet, sondern speist sie auch ins ARD-Nachtprogramm ein und verbreitet sie übers Internet-Radio weltweit.

Sieht man sich die Namen der Künstler und Bands an, die heuer eingeladen wurden, wird schnell klar: Es geht den Machern hinter den Kulissen nicht darum, möglichst bekannte Namen zu präsentieren – obwohl die schon auch dabei sind – , sondern wie in all den Jahren zuvor um stilistische Vielfalt bei gleichzeitig hoher Qualität. Und so kann man mit Olivia Trummer in jazzigem Soul und Blues schwelgen, sich mit dem Lotus Flower Trio Assoziationen hingeben, mit dem Pablo Ziegler Trio eintauchen in die Welt des Tango Nuevo, mit dem „Cannonsoul“-Projekt der European All-Stars sich an den großartigen Cannonball Adderly und seine unvergessliche Musik erinnern, mit Larry Fuller ein sensationell gutes Piano-Trio erleben oder dem Gitarristen Etienne Wittich dabei zuhören, wie er in der internationalen Jazzszene gerade durchstartet.

Dass die wenigsten das komplette Festival persönlich im Konzertsaal werden miterleben können, ist klar. Darum geht es auch nicht, denn schließlich kann man im Radio alles nachhören, auch wenn das zeitlich verzögerte Live-Erlebnis per Rundfunk nicht das gleiche ist wie das vor Ort. Aber man kann für sich nach Belieben auswählen, mit bereits Bewährtem auf Nummer sicher gehen, oder aber Neues entdecken. Die Programmhefte des Birdland Jazzclubs und die Website www.birdland.de geben Auskunft darüber, was man im Einzelnen erwarten darf, Platzreservierungen sind möglich über birdland.de/Programm/Vorschau.