Bix Beiderbecke und Frank Trumbauer, Coleman Hawkins und Roy Eldridge, Charlie Parker und Dizzy Gillespie, Nat und Cannonball Adderly. Saxofon und Trompete, eine ewige Allianz im Jazz, eine der festen Konstanten durch all die Jahre zwischen Dixieland, New Orleans Jazz und Swing bis hin zu Bebop, Hard Bop und Soul Jazz, ganz egal, ob hot oder cool. All die Subgenres, die Stilistiken, die unterschiedlichen Soundvarianten aus all den Zeitaltern des Jazz hat Frank Roberscheuten im Visier, als er zusammen mit seinem International Hiptett im Birdland Jazzclub gastiert und sein Programm „Getting Together“ vorstellt.
Er selber spielt Klarinette, Alt- und Tenorsaxofon, von ihm stammt das Konzept, das alles umfasst, was in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinsichtlich der Partnerschaft beider Instrumente von Bedeutung war. Die Band zusammenzustellen, die an diesem Abend auf der Bühne steht, sei nicht einfach gewesen, sagt er, denn es gäbe nun mal nur recht wenige Musiker, die all diese Stile perfekt spielen können und dies auch wollen. Nun, der souveräne Kontrabassist Jos Machtel, Niederländer wie Roberscheuten auch, das Riesentalent Malo Mazurie an der Trompete und der Magier Guillaume Nouaux am Schlagzeug, beide aus Frankreich, und der am Tegernsee geborene Meisterpianist Bernd Lhotzki können, wollen und tun dies auch, und zwar auf absolut überzeugende Art.
Bands, die sich mit traditionellem Jazz beschäftigen – und traditionell ist schon angesichts der Jahrgänge zweifelsfrei alles, was an diesem Abend erklingt – laufen ja oft Gefahr, ähnlich zu klingen. Bei Roberscheuten und seinen Kollegen liegt der Fall anders. Dieses Quintett entwickelt sich im Laufe der beiden Sets immer mehr zu einem Ensemble mit den Eigenschaften des Chamäleons, das bei Bedarf die Farbe ändert und sich immer wieder neu erfindet. Die Band kopiert nicht, aber sie empfindet Ären nach, deren Sounds und Spielweisen, richtet den Fokus auf die Traditional New Orleans Jazzband, auf das, was LesterYoung, Illinois Jaquet sowie Louis Armstrong oder Clifford Brown hinterlassen haben. Roberscheuten ordnet als Moderator für das Publikum das umfangreiche Material, sofern es für die Setlist relevant ist, erklärt, macht Querverweise, als leite er im Birdland einen Workshop, was in gewisser Weise auch tatsächlich der Fall ist. Denn selten hat man in so kurzer Zeit so viel gelernt und dabei auch noch Klassiker wie „Jumpin With The Symphony Sid“, „Robin’s Nest“, Hank Jones‘ „Vignette“ und Horace Silver’s „Strollin’“ in solch druckvollen, spritzigen und von echter Leidenschaft geprägten Versionen gehört.
Auch hier wird der Unterschied zu manch anderem Ensemble ähnlicher Ausrichtung deutlich. Wo sonst allzu oft vieles einfach abläuft, hört man hier das Herzblut förmlich pochen. Die Musiker freuen sich gemeinsam über jeden gelungenen Coup, sind eine verschworene Einheit und spielen wie aus einem Guss. Schade, dass niemand daran dachte, ein Band mitlaufen zu lassen. Man hätte aus den beiden Sets ein erstklassiges Live-Album machen können. Ohne auch nur einen Ton zu verändern, ohne nachträglich irgendetwas zu korrigieren. Was für eine tolle Band, was für ein tolles Konzert. Selbst eingeschworene Traditionnal-Fans haben sie viel zu selten auf dem Schirm. Das ist ein Fehler, den man unbedingt korrigieren sollte.

