Der kongolesische Pianist Patrick V. Mabiala und der kubanische Posaunist Denis Cuní Rodríguez haben sich über Facebook kennengelernt. Der eine war auf der Suche nach einem Duo-Partner, der andere meldete sich auf dessen Annonce. Nicht nur die Anfänge der daraus entstandenen transatlantischen Kooperation sind recht unorthodox, sondern auch deren hörbares Ergebnis, was all jene bestätigen können, die an diesem Abend den Weg in den ausverkauften Birdland Jazzclub gefunden haben.
Donnernde Ostinati bieten die harmonisch-rhythmische Basis für die Stücke Mabiala’s, Rodríguez legt seine Melodien darüber, manchmal kommt noch eine Gesangsspur dazu, dann wieder verliert sich einer der beiden Partner in improvisierten Girlanden, folgt der Spur einer akustischen Träumerei. Monotone Endlosschleifen erzeugen mit zunehmender Dauer eine seltsame Atmosphäre zwischen entspannter Konzentration und Trance, die man in der afrikanischen Musik mit ihren Wurzeln in der Tradition, der Emotionalität und der Spiritualität immer wieder findet. Die beiden Protagonisten präsentieren unter dem Titel „Del Congo a Cuba“ die Erkenntnis, dass es in musikalischer Hinsicht durchaus Gemeinsamkeiten zwischen Zentralafrika und der Karibik gibt, was ja auch überhaupt nicht verwundert, wenn man bedenkt, woher einst schwarze Arbeitssklaven nach Übersee „exportiert“ wurden.
Die Form des „Call & Response“ aus dem historisch ähnlichen gelagerten Genre des Roots-Blues findet hier keine Anwendung. Hier geht es vielmehr um Fundament und Überbau, ganz gleich, ob die Rhythmen, Gesänge und Melodien und die daraus resultierenden Kompositionen nun auf rituelle Hintergründe anspielen, die Ernte, eine dörfliche Tanzveranstaltung oder die Freude am gemeinsamen Singen thematisieren. Zu letzterem animieren die Musiker auch das Birdland-Publikum, das sichtlich und hörbar Gefallen findet an diesem scheinbar spontan initiierten Gemeinschaftsgefühl und an dieser ganz speziellen Art von Musik. Und dass das Ganze schließlich auch noch ohne die eigentlich beim Thema „Afrika meets Cuba“ erwartbaren Trommeln funktioniert, ist eine weitere Besonderheit dieses Konzerts, dessen Klänge einerseits recht fremdartig wirken und offene Ohren voraussetzen, zu denen man andererseits aber auch schnell eine gewisse Vertrautheit verspürt, sofern man sich auf sie einlassen kann.
Rodríguez und Mabiala bieten Einblick nicht nur in eine ganz spezielle musikalische Tradition, sondern gewähren damit ihrem Publikum Zugang zu vielen weiteren Aspekten ihrer Kultur, zu deren Reichtum und Schönheit, arbeiten mit Emotionen, verbinden Unterhaltung mit Information. Ihre Moderationen sind Teil der Performance und wichtig, unterbrechen wegen ihrer Ausführlichkeit aber auch den Flow, der das gesamte Konzert durchweht und schwerpunktmäßig eindeutig afrikanischen Ursprungs ist und nicht aus der Karibik stammt, mit Salsa oder Merengue also gar nichts zu tun hat, dafür aber um so mehr auf seine Verwurzelung in den Tribes sowie deren Rhythms und Chants hinweist. – Rodríguez & Mabiala: Ein Konzert, das innerhalb des Birdland-Programms zwar eine Sonderstellung einnimmt, genau damit aber auch einmal mehr Ausdruck ist für die enorme stilistische Vielfalt im Angebot des Clubs.

