Eine Fanfare bläst an, attackiert, schneidet, drängt und dringt einem Fanal gleich durch die Luft. Schnell wird klar, worum es hier geht, wichtiger denn je: Freiheit! Mir dem Dave Douglas Quartet war eine Formation im Birdland zu Gast, die radikal ernst machte damit, Freiheit auszuloten ohne zugleich die Bindung zu verlieren.
Akzentuierter Groove, gewitterartige Trommeln, ein mächtiger, rollender Bass, ein wirbelndes Piano, das wahre Blütenstürme in den Keller wirft, und darüber ein schier strahlender, feuerspeiender Trompetenton, auch mal gedämpft a la Miles voller Glut und versammelter Explosionskraft, stets von ungemein starker Präsenz. Die freilich erstickt keine Sekunde, was sonst noch geschieht an diesem denkwürdigen Abend im Birdland.
Der Weg ist das Ziel, alle vier haben reichlich Gelegenheit zum je eigenen Beitrag, Ingebrigt Häker-Flaten mit wuchtigem, mächtigem, drängendem Bass, gern auch mal mit voluminösem Doppelgriff, Rudy Royston mit einem Schlagzeug, das unvermittelt zwischen sanfer Zurückhaltung und grollender Vehemenz wechseln kann, Marta Warelis mit einer wahren Pracht an pianistischer Vielfalt, Variablität, voller Eigensinn und Spielwonne.
Jeder Moment voller Spannung, nie vorhersehbar, dennoch aber immer aus einem Guss, nie beliebig, voller Phantasie indes, stets getragen von gemeinsamem interaktivem Puls, kommunikativer Inspiration und kreativem Flow, auch in jenen leisen Passagen, die den Wirbel strukturieren, in denen man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hört wie in Zeitlupe. Da tastet sich die Musik ins Gewölbe, sucht sich ihren Weg wie von selbst, aufmerksam, achtsam, behutsam in den Augenblick hinein, den sie doch vollkommen erfüllt. Grandios nicht nur an diese Stelle vor allem Marta Warelis am Bösendorfer. Dann wieder raue See, stürmischer Drang bis zur Wirrsal, Musik als Spiegel des Chaos unserer Tage, endlich im Abebben des Orkans Douglas‘ Trompete wie die Stimme des Rufers.
Freiheit, Intuition und Aufmerksamkeit bilden eine Einheit bei diesen »Four Freedoms«, die sich ganz und gar nicht eindimensional erschließen, sondern nur im Miteinander zu finden sind. Freiheit steht ja nie für sich, sie ist kein Egotrip, sie ist nur zu haben im Miteinander, in gemeinsamer Entfaltung gegenseitiger Ermöglichung, zu der alle ihren Teil beitragen. So entsteht Großes, allemal an diesem Abend auf der Bühne des Birdland.

