Wenn eine Konzertreihe Jubiläum feiert, tut sie das am besten mit Musik. Wobei es sich natürlich immer gut macht, wenn der Rahmen, in dem die Feierlichkeiten ablaufen, auch noch ein besonderer ist. Ein sehr schönes Beispiel, wie man eine Jubiläumsveranstaltung geschmackvoll gestalten kann, ist das 200. Konzert anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Reihe „Jazz im Audi Forum“.
Ein eigens per Beamer zum Leben erwecktes Bühnenbild mit Aufnahmen aus dem letzten Vierteljahrhundert, eine kleine Dokumentation mit Fotos und Presseberichten, einführende Worte von Seiten des Veranstalters und der Musiker und ein bis auf den letzten Platz besetztes Auditorium ergeben den idealen Rahmen dafür. Nicht pompös, nicht übertrieben, dafür mit Gespür für den Anlass und mit Aussagekraft konzipiert. Und dann ist da natürlich die Musik. Nach viel Swing, viel Oldtime- Traditional- und Big Band-Jazz in den vergangenen Jahren ist es zum Jubiläum der „Blues for all Seasons“ der in Nashville, Tennessee geborenen, lange Zeit in Kapstadt und jetzt in Deutschland lebenden Sängerin Titilayo Adedokun, der „Blues für alle Jahreszeiten“, aber auch für alle Gelegenheiten, zum Mitsingen, Mitklatschen, Tanzen, Weinen, Lachen und Feiern.
Einmal mehr hat Birdland-Chef Manfred Rehm, der seit dem ersten Tag für das Audi Forum das Programm zusammenstellt, genau die richtige Wahl getroffen. Eine großartige Stimme, die nicht nur im Blues, sondern auch im Soul und in der Gospel-Szene verwurzelt ist und im Laufe ihrer Karriere auch schon im Opern-Fach zum Einsatz kam, und eine nicht minder großartige Band mit Reinhard Greiner (Trompete, Flügelhorn), Carsten Goedicke (Piano, Keyboards), Vlado Grizelj (E-Gitarre), Uli Fiedler (Kontrabass, E-Bass), Harry Alt (Schlagzeug) und nicht zuletzt der bewährten Allzweckwaffe Stephan Holstein (Alt- und Tenorsaxofon, Klarinette)liefern einen Querschnitt durch das weite Feld des Blues zwischen Bobby Bland’s „Members Only“ und Screamin‘ Jay Hawkins‘ „I Put A Spell On You“ auf der einen Seite, Klassikern wie „Let The Good Times Roll“ und „Everyday I Have The Blues“ auf der anderen, zwischen Doc Pomus‘ hinreißender Ballade „There Is Always One More Time“ sowie „Further Up On The Road“ und „Route 66“, mit denen die Band nach weit über zwei Stunden in die Zielgerade einbiegt.
Das Septett schafft es, ein wohl dosiertes und strukturiertes Programm so zu präsentieren, als handle es sich um eine lockere Session. Sicher, man kann darüber streiten, ob es Gassenhauer wie „O Sole Mio“ und „Down By The Riverside“ unbedingt gebraucht hätte, aber was soll’s, bei einer Party muss nicht jeder einzelne Ton anspruchsvoll sein und alle sollen auf ihre Kosten kommen. Jene, die ein Konzert besuchen und zuhören wollen und jene, die sich lieber gerne bewegen, egal zu welcher Musik, solange sie nur in die Beine geht. Miss Adedokun bedient beide Gruppen, fordert die Leute unablässig auf zu tanzen, fährt aber gleichzeitig zwischen den Songs mit ihren Ansagen die Stimmung wieder zurück. Dennoch schafft sie es, dass am Ende alle zufrieden, ja, begeistert nach Hause gehen, weil sie einfach eine gute Zeit hatten und als ansonsten eher dem Jazz zugewandtes Auditorium auch mal Gelegenheit bekamen, in die Blues-Szene hineinzuschnuppern, zumindest in dessen Mainstream-Abteilung. – Also dann: Respekt vor so viel Durchhaltevermögen, auch in Zeiten, in denen, gerade in Ingolstadt, so viele Formate und Reihen gestrichen werden. Auf die nächsten 25 Jahre „Jazz im Audi Forum“. Die „Allotria Jazzband“ am 23. April wartet schon.

