Er ist eine der großen charismatischen Figuren des Jazz, Philosoph und Heiler, Schamane und Intellektueller, Komponist, Pianist, Sänger, einer der wichtigsten Musiker seines Kontinents und in seiner Heimat Südafrika ein echter Star. Im Neuburger Birdland-Jazzclub, in dem er an diesem Abend zum dritten Male auftritt, ist er das irgendwie auch, weil er die ganz besondere Gabe hat, seine Musik für sein Publikum fühlbar, spürbar, erlebbar zu machen.
Makhathini, hineingeboren in eine Welt der Apartheid, die auch nach Nelson Mandela, Stephen Biko und Desmond Tutu nicht wirklich aufgehört hat zu existieren, ist nicht nur Künstler, sondern auch politisch aktiv und informiert bei all seinen Konzerten über seine „Philosophy Of Forgiveness“. Als spiritueller Musiker definiert er den Begriff der Heimat nicht geografisch, sondern im Zusammenhang mit dem Klang, dem Sound als Mutter aller Dinge. Er sei der Code, die gemeinsame DNA, auf die sich alle Jazzer verständigen können, und das Symbol der Mutter stehe für das Fühlen und das Empfinden, ohne das die Menschheit vor dem Aus stünde. Seinen Zuhörern dieses oftmals vergessene Lebensgefühl zurückzugeben, sei seine Aufgabe, sagt er.
Da hat er sich in der Tat etwas vorgenommen in einer Welt, in der die Offenbarung von Gefühlen, von einer aus dem Wesen des Menschen an sich kommenden inneren Lebendigkeit, nichts mehr zählt, man sich für deren Existenz vielmehr zu schämen scheint. Makhathini freilich, der sein Publikum nicht nur künstlerisch, sondern auch emotional bei sich selbst abholt, es mit musikalischen Mitteln hineinzieht in einen akustischen Sog des Empfindens mit allen Sinnen, geht ganz in seiner Mission auf. Wobei seine afrikanische Herkunft, in der nicht nur Spiritualität, sondern etwa auch überlieferte Rhythmen und Melodien oftmals eine ungleich größere Rolle spielen als hierzulande, nur das eine Element ist. Das andere ist die DNA des westlich geprägten Jazz, dessen afrikanische Wurzeln im Falle Makhathini von so entscheidender Bedeutung sind. Abdullah Ibrahim und Randy Weston mögen die Klassiker sein, der stark mit der Zulu-Kultur verbundene Nduduzo Makhathini ist deren legitimer Nachfolger.
Und obwohl er auch Entertainer und Showman ist, ist er kein Rollenspieler des Showbiz, sondern absolut echt. Was auch für sein herzliches Verhältnis zu seinen Partnern, dem Kontrabassisten Dasilu Ndlazi und dem Schlagzeuger Francisco Mela, gilt. Seine Offenheit und positive Zugewandtheit bekommt auch das Publikum zu spüren. Spränge jemand auf und finge an zu tanzen, wäre das vermutlich ganz in seinem Sinne. Aber auch bewusstes Zuhören ist ihm wichtig und er bedankt sich ausdrücklich und mehrfach dafür und so bleibt es am Ende bei einen von allen zusammen intonierten Phantasie-Refrain. Wie auch immer, Hauptsache die Vibes zwischen Bühne und Zuschauerraum stimmen, und wenn eine emotionale Verbindung zwischen beiden entsteht, was an diesem Abend binnen weniger Minuten passiert, hat er sein Ziel erreicht. Diesmal mit ganz anderen Mitteln als beim letzten Konzert vor drei Jahren, mit weniger extrovertierten Passagen, statt dessen auch mit leisem Säuseln zwischen den heftigen Böen und den plötzlichen und unerwarteten Stopps, die zu seinem Markenzeichen an diesem Abend werden. Wobei das der immensen Intensität freilich keinerlei Abbruch tut.

