Nduduzo Makhathini Trio | 06.03.2026

Neuburger Rundschau | Reinhard Köchl
 

Ist doch nur ein Trio! Wirklich? Oder steckt tatsächlich mehr hinter dem Phänomen Nduduzo Makhathini, diesem südafrikanischen Hünen, der auf dem Papier vor allem als Pianist fungiert? Doch das ist höchstens ein Viertel der ganzen Wahrheit. Was der 43-Jährige zu vollbringen vermag, erfahren bei seinem mittlerweile dritten Besuch im Neuburger Birdland-Jazzclub die Menschen aus Nah und Fern erneut am eigenen Leib. Es gibt keinen freien Platz mehr, viele sind wiedergekommen, weil Makhathini sie schon bei seinen Neuburg-Gastspielen 2021 und 2023 völlig in seinen Bann schlug.

Mittlerweile zählt der Leiter der Musikschule der Universität von Fort Hare in Südafrika, Akademiker, Intellektuelle und Heiler (!) als der wichtigste Jazzmusiker seines Kontinents. Und er hat sich weiterentwickelt, sein ohnehin schon überbordendes Spiel am Flügel noch mehr in den Vordergrund gestellt, ohne dabei seine kommunikativen Fähigkeiten zu vernachlässigen, seine Gabe, spontan Brücken zum Publikum zu bauen, ein tiefes Urvertrauen und eine selten gehörte Spannung zu schaffen.

Ohne Zweifel: Die mystische Kraft seiner Klänge wirkt auch dieses Mal wieder. Er spricht, philosophiert; über den Begriff „Heimat“. Die ist für ihn kein bestimmter Ort, sondern ein Gefühl. Alle Menschen würden in der Musik eine gemeinsame Heimat finden. Oder „Mutter“, aus der jeder entstammt und in die Welt entlassen wird, um seinen eigenen Weg zu gehen. Nduduzo Makhathini will uns mit dem Song „Mama“ zur Mutter zurückführen, zu diesem heimeligen Gefühl der Vertrautheit. Dabei klimpert der Pianist nicht bloß etwas auf den Tasten herunter, er spricht und singt immer wieder mit sanfter, gelegentlich ins Falsett fallender Stimme. Auch ohne der Zulu-Sprache mächtig zu sein, spürt man, was für Geschichten Makhathini hier gemeinsam mit seinem neuen Bassisten Dalisu Ndlazi und dem Schlagzeuger Francisco Mela ausbreitet. Sie erzählen von stiller Trauer, sublimierter Wut und leichter Zuversicht. In epischen Suiten, die unter anderem den Wassergeistern gewidmet sind, setzt er sich mit der Unterdrückungs- und Kolonialgeschichte in seiner Heimat auseinander.

Von bitter-markerschütternden Anklagen ist der Ausnahmekünstler jedoch weit entfernt. Er versöhnt auseinanderdriftende Pole, zeigt die Gemeinsamkeiten von Musikstilen auf. Mal beginnt sein Vortrag mit einer milden Wohlfühl-Ballade, einem schwebenden Räucher-Prozess in Noten, bei denen man sein Patschuli-Parfüm bis in die hintersten Reihen erschnuppern kann. Bis Makhathini, Ndlazi und Mela, die pausenlos miteinander kommunizieren, ohne erkennbaren Bruch in einen südamerikanischen Rhythmus überleiten, dann in einen Blues münden, der schließlich bei einer Art Wiener Walzer endet. Die Stücke tragen Namen wie „Schwarz“, „Frieden“ oder „Vogel“. Nummern wie „Uxolo“ oder „Izinkonjana“ erinnern in ihrer leichtherzigen Vermischung von Gospel- und Kwela-Musik an Abdullah Ibrahims erhebende Anti-Apartheid-Hymne „Mannenberg“. Es gibt mystische Beschwörungsformeln, die nicht nur die Musiker in einen tranceähnlichen Zustand versetzen, einem Strudel gleich, der jeden immer tiefer hinabzieht. Viele seiner Kompositionen kreiseln um ein tonales Zentrum wie in einer Beschwörungszeremonie und leben von einer tiefen spirituellen Grundstimmung.

Das alles verfängt auf verblüffende, überzeugende Weise, weil es nie wie plumper Populismus daherkommt, sondern immer authentische Züge trägt – dieses Charisma, dieses Lachen, diese pure Freude just in diesem einen Augenblick.

Das ist auch bei der Zugabe „Ithemba“ (Hoffnung) so; ein Stück von strahlender, erhabener Schönheit, geradezu gelöst und geläutert. Dieser Mann kann tatsächlich mit Musik heilen!