Jens Düppe Quartet & Francesco Bearzatti | 14.11.2025

Neuburger Rundschau | Ssirus W. Pakzad
 

Witze über Trommler stellen zahlenmäßig selbst die so beliebten Bratschisten-Veräppelungen weit in den Schatten. Kennen Sie den? „Was ist das Letzte, das ein Drummer in einer Band sagt? – Hey Jungs, wollen wir nicht mal eins von meinen Stücken spielen?“ Solche „Pointen“ gründen auf einst wahren Umständen, sind aber längst überholt, weil sich immer mehr Schlagzeuger als kluge, weitsichtige Komponisten präsentieren, die ihre Musik nicht von ihrem Instrument aus denken, sondern als großes Ganzes konzipieren und anbieten.

Einer von ihnen stellte sich mit seinem Quartett und dem italienischen Tenorsaxofonisten Francesco Bearzatti als Gast im Rahmen des 15. Birdland Radio Jazz Festivals im Neuburger Birdland vor: der Kölner Jens Düppe. Der 51-Jährige ist einer, der Zurückhaltung übt, der allerlei Farben, Akzente und rhythmische Ideen zum Klangbild seiner Band beiträgt. Nur ein kurzes unbegleitetes Intro gönnt er sich und ein einziges wirkungsvolles, aber unaufdringliches Solo.

Den Rest seines Konzerts lenkt er die Geschicke seiner Mitstreiter, die zu Deutschlands (und Italiens) besten Jazzmusikern zählen, alle selbst übrigens erfahrene Bandleader: Trompeter Frederik Köster, Pianist Lars Duppler, Bassist Christian Ramond und Tenorist Francesco Bearzatti.

Im fliegenden Wechsel holt sie Düppe zu sich auf die Bühne und lässt sie im nächsten Stück dann wieder pausieren. Denn er ändert laufend die Konstellationen: vom Duo bis zur vollen Quintett-Besetzung ist alles dabei. Mal setzt das Klavier aus, mal tun es die Bläser. Ähnlich abwechslungsreich wie die instrumentalen Gegebenheiten sind Düppes Kompositionen angelegt. Sie verlaufen meist linear, selten zyklisch und stecken voller überraschender Wendungen. Im Titel „30 Little Jelly Beans“ streut er die Noten in den Raum, als würde er leckere bunte Plombenzieher auf einen Tisch purzeln lassen. Doch das Stück erfährt dann noch eine sentimentale Note, entwickelt sich dann gar zu einer Art eingängigem Pop-Song.

Andere Nummern seines Repertoires tragen impressionistisch anmutende Harmonisierungen in sich, sind höchst atmosphärisch, fast ein wenig entrückt – geeignet, um dem Publikum manchen Seufzer zu entlocken. Dock kaum haben die merklich beseelten Zuhörerinnen und Zuhörer ausgeatmet, setzt Düppe zu einer Jagd an, für die alle im Birdland reichlich Puste brauchen: „The Chase“ besitzt alles, was ein guter Jazz-Durchstarter benötigt: unbändige Energie, hohes Tempo bei Hitze entwickelnder Reibung und reichlich melodisches Halali. Es ist ein unvergessliches Konzert, das Düppe und seine Mannen liefern, und zwar vom ersten bis zum letzten Takt.