Tight Lines feat. Mette Nadja | 07.02.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Dänemark ist die Heimat etlicher herausragender Sängerinnen des Jazz. Gitte Haenning, Caecilie Norby, Sinne Eeg und Malene Mortensen kommen von dort. Eine, die weniger bekannt ist, aber ihren Kolleginnen in nichts nachsteht, ist Mette Nadja Hansen, die in Berlin lebt und mit der Band des Tenorsaxofonisten Markus Ehrlich namens Tight Lines unterwegs ist, zu der auch Johannes von Ballestrem am Klavier, Max Leiß am Kontrabass und Julian Fau am Schlagzeug gehören.

Derzeit ist sie wegen eines Unfalls auf Krücken angewiesen, was aber beim Konzert des Quintetts im Birdland Jazzclub keinerlei Auswirkungen hat auf ihre Stimme und ihre Bühnenpräsenz, und am Ende, nach einer fulminanten Zugabe, ist es offensichtlich: Diese temperamentvolle Lady kann nicht nur Jazz, Folksongs und Blues singen, sie verkörpert auch das, was man im Sport „Danish Dynamite“ nennt. Sie ist bei ihrem ersten Besuch in Neuburg eine der ganz großen Überraschungen der letzten Zeit, erobert die Sympathien des Publikums ab der ersten Minute und verlässt schließlich als Siegerin den Ort des Geschehens.

Am Anfang ist sie noch sichtlich beeindruckt davon, „endlich mal in diesem legendären Club zu sein, von dem die Kollegen immer so schwärmen“, aber bereits nach dem „Berlin Stroll“ und Gershwin’s „They Can’t Take That Away From Me“ hat sie sich akklimatisiert und singt sich mit ihrer pfiffigen, burschikosen, offenen und ehrlichen Art – und natürlich mit ihrer Stimme – in die Herzen ihrer eben neu hinzugewonnenen Fans. Und legt damit auch gleich die Richtung fest. Das verbindende Element im Programm sind Swing und Mainstream, aber unter die Klassiker von Cole Porter bis Oscar Hammersein mischen sich auch eigene Nummern, die noch um einiges interessanter sind als die Standards, und in die Zukunft weisen. „Smartphone Behaviour“, „Boxes“, „What A Little Moonlight Can Do“ und der „Big Sis Blues“ sind echte Perlen, die mit Hilfe eines bereits etablierten Stils aktuelle Geschichten erzählen.

Und dann sind da ja noch das sehr einfühlsam vorgetragene Abendlied „I Skovens Dybe Stille Ro“ („In der tiefen Stille des Waldes“) und Gitte Haenning’s „Jeg Snakker Med Mig Selv“ („Ich rede mit mir selbst“), die sie sich für den Schluss aufspart – beides absolut herausragende Belege für die große Spannweite ihrer Stimme und ihres Ausdrucks. Natürlich wäre sie trotz ihrer jungen, frischen und unverbrauchten Stimme, mit der sie den ganz Großen des Jazz und des Blues auf der Spur ist, ohne diese Band aufgeschmissen. Die Tight Lines sind durchaus auch ohne sie vorstellbar und würden sich auf ihrem stilistischen Betätigungsfeld, das ja von vielen Bands beackert wird, gut machen. Diese Sängerin aber ist das I-Tüpfelchen, das Sahnehäubchen, das Besondere, das den Unterschied ausmacht.

Wieder einmal ein Debut im Birdland, das die große Spannbreite des dortigen Programms offenbart, eine Künstlerin vorstellt, die ein Ausrufezeichen setzt und mit ihr ein Land, das immer wieder tolle Jazzsängerinnen hervorbringt, die man hier im Süden der Republik viel zu selten zu Gesicht bekommt. Mette Nadja Hansen freilich war nach diesem beeindruckenden Konzert und der so überaus positiven Resonanz darauf sicherlich nicht zum letzten mal in Neuburg zu Gast. Dann ohne Krücken! Auf bald und gute Besserung!