L.A.? – Das bedeutet nicht immer und automatisch Los Angeles, im Jazz schon gleich gar nicht. Wenn man nämlich die sechs Herren der Hot Stuff Jazz Band und das begeisterte Publikum im Audi Forum fragte, wären sich alle darin einig, dass das Kürzel an diesem Abend nur für niemand anderen als „Louis Armstrong“ stehen kann. Um „Satchmo“, den ersten Superstar des Jazz, dreht sich alles bei diesem, dem 199. Konzert der Reihe „Jazz im Audi Forum“, um dessen Kompositionen, die fast alle ein ganzes Jahrhundert auf dem Buckel haben, und damit gleichzeitig auch um New Orleans, der Stadt, aus der er stammte, der Crescent City, von der aus er seinen Siegeszug um die ganze Welt antrat.
Und natürlich auch um Lil Hardin, seine Ehefrau und Pianistin, um seinen Kollegen Fats Waller, seine beiden wichtigsten Bands, „The Hot Five“ und „The Hot Seven“ und all die berühmten Kompositionen, die er tatsächlich geschrieben hat oder die ihm posthum zugeschrieben werden, „“C’est Si Bon“, „Hello Dolly“, „Wonderful World“ und all die anderen. Heinz Dauhrer (Trompete), Butch Kellem (Posaune), John Brunton (Gitarre, Banjo), Gary Todd (Kontrabass), Hermann Roth (Schlagzeug) und der Klarinettist Alexander von Hagke, der im Audi Forum tatsächlich zum allerersten Male mit seinen Kollegen auf einer Bühne steht und sich vom ersten Augenblick an komplett integriert zeigt, sind quasi so etwas wie „The Hot Six“. Nicht, weil sie wie eine Horde junger Wilder mit Swing, Oldtime- und Traditionnal Jazz den Saal rocken würden, sondern weil sie innerlich brennen für „ihre“ Musik. Die Herren sind Überzeugungstäter, das merkt man ab der ersten Minute, ab den ersten Tönen von „Sleepy Time Down South“, der Nummer, der trotz ihres Titels ein Abend mit alles anderer als einschläfernder Musik folgt.
Die Band hat – ohne Alexander von Hagke – oftmals im Birdland Jazzclub in Neuburg gespielt, noch nie zuvor aber im Audi Forum. Doch auch in dieser weitaus größeren Location schafft sie es, ihr Konzert in einer geradezu familiären Atmosphäre ablaufen zu lassen. An diesem Abend gibt es nur Fans, auf der Bühne, vor der Bühne, und wer anfangs noch keiner war, der wird bis zum Ende einer. Dieses Sextett mag nicht in jeder Hinsicht perfekt sein, dafür verfügt es über Charisma und Seele. Dauhrers mit Augenzwinkern moderierten Geschichten offenbaren souveräne Bühnenpräsenz und jeder einzelne in der Band spielt mit Hingabe an die gemeinsame Sache und mit Herzblut.
Und das Repertoire? – Die Melodien kennt jeder, der sich auch nur ansatzweise irgendwann einmal mit Jazz beschäftigt hat. Der „Savoy Blues“, Ain’t Misbehavin’“, der „Basin Street Blues“ und „On The Sunny Side Of The Street“, „St. James Infirmary“ und natürlich „Do You Know What It Means To Miss New Orleans“. Die Arrangements hingegen, speziell zugeschnitten auf das Format des Sextetts, gehen zumindest in Teilen auf das Konto der Band, die damit alles andere ist als eine reine Tribute-Formation. „Nicht nur nachspielen, sondern interpretieren“ lautet die Devise und dies auf eine Art und Weise, die nicht auf Party und verschwitzte Leiber aus ist – was mit Armstrong sicher auch möglich wäre – sondern zu Herzen geht. „Hot Stuff“, der innerlich wärmt, was ganz besonders gut tut angesichts des nasskalten Nebels anschließend draußen auf der Plaza auf dem Weg zum Parkplatz.

