Tango Transit | 16.01.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Das ist echtes Timing. Am 1. Januar wurde das Akkordeon zum Instrument des Jahres erklärt und bereits 14 Tage später ist es der Star beim Konzert von Tango Transit. Verantwortlich dafür sind Birdland-Chef Manfred Rehm, der die Band nach Neuburg eingeladen hat, und Martin Wagner, der als Meister aller Tasten und Knöpfe so virtuos mit ihm umgehen kann wie kaum ein anderer.

Dass er und seine Kollegen Hanns Höhn am Kontrabass und Andreas Neubauer am Schlagzeug eine wahrlich heiße Truppe sind, hat sich spätestens seit dem September 2023 herumgesprochen. Damals war das Trio schon mal im Keller unter der ehemaligen Hofapotheke zu Gast und hatte schwer beeindruckt. Folglich ist das Birdland-Gewölbe wieder einmal proppenvoll, die Erwartungen groß und die Voraussetzungen ideal für drei Musiker, deren Stärken Fragilität und Feinfühligkeit sind, aber eben auch Energie, Power und Vorwärtsdrang ohne Rücksicht auf irgendwelche Grenzen. Man nennt sich zwar Tango Transit, ist aber nicht nur in der Nachfolge Astor Piazzollas unterwegs, sondern auch in Sachen Bolero, Calypso, Samba, Rumba, Jazz oder Blues – auch bei Bedarf wie bei „Busy Waiting“ mit all dem gleichzeitig in einem einzigen Stück – dreht mit halsbrecherischen Bearbeitungen von „Ein Jäger aus Kurpfalz“ und „zwischen Berg und tiefem Tal“ das deutsche Volkslied auf links.

Mit „Night In Egypt“ und dem „Transsylvanian Tango“ treibt man sich in schwer zugänglichen Weltgegenden herum, zollt in „Vienna April“ dem Wiener und mit „Waltz For Angie“ dem Musette Walzer Anerkennung und landet schließlich bei Pink Floyd’s „Money“. Was für ein sonderbares Sammelsurium, was für eine abenteuerliche Songauswahl, möchte man meinen. Freilich nur auf den ersten Blick, weil natürlich sehr wohl eine Klammer existiert, die das alles so wunderbar zusammen hält und funktionieren lässt. Zum einen sind das die komplexen rhythmischen, melodischen und harmonischen Strukturen, die die Band ihren Stücken angedeihen lässt. Sogar ein Klassiker wie Piazolla’s „Libertango“ muss sich eine komplette Neuausrichtung gefallen lassen. Dazu kommen das enorme Können der Musiker und die Tatsache, dass das Trio bereits seit knapp 20 Jahren unverändert besteht. Das schweißt zusammen, sorgt für blindes Verständnis und für Musik wie aus einem Guss, auch wenn es metrisch über Stock und Stein geht. „Als wir angefangen haben, mussten uns noch die Eltern zu den Auftritten bringen, weil keiner einen Führerschein hatte“ sagt Wagner. Beständigkeit zahlt sich aus.

Das Programm des Abands nennt sich nach dem letzten Album der Band und heißt „Akrobat“. Wenn damit gemeint ist, dass drei Herren waghalsige Kunststücke vollführen, bei denen es ganz besonders auf absolute Verlässlichkeit ankommt und auf perfekt aufeinander abgestimmte Abläufe, dann ist er optimal gewählt. Wenn das Ergebnis dann auch noch gut ausschaut bzw. sich gut anhört und man auf ein Fangnetz bzw. auf Noten verzichten kann, was dem Ganzen bei aller Stringenz eine enorme Lockerheit verleiht, dann verspricht das einen wirklich großen, denkwürdigen Abend mit Musik, die ohne vorherige Planung nicht funktionieren würde, die aber immer wirkt, als sei sie eben gerade erst entstanden. Und für einen solchen steht das Trio denn auch. Zwei Zugaben sprechen eine deutliche Sprache.