Lorenz Kellhuber Standards Trio | 13.02.2026

Donaukurier | Karl Leitner
 

Lorenz Kellhuber, geboren 1990 in München, ist sicherlich einer der herausragenden und talentiertesten Pianisten des jungen europäischen Modern Jazz. Seine Kompositionen und seine Einspielungen mit Moritz Baumgartner und Felix Henkelhausen sorgen regelmäßig für Begeisterung. Wenn einer dem Format des Piano Trios immer wieder neue Aspekte abgewinnen kann, dann er. Doch der Virtuose, der an diesem Abend im Rahmen der Reihe „Art Of Piano“ am Bösendorfer Flügel des Neuburger Birdland Jazzclubs sitzt, fährt zweigleisig, denn zusammen mit seinen amerikanischen Kollegen, dem Drummer Jesse Simpson aus Kalifornien und dem Kontrabassisten Joe Sanders aus Milwaukee, ist er zudem als „Standard Trio“ und mit dem Great American Songbook aktiv.

Manch einer mag ja vielleicht enttäuscht sein ob der Aussicht, wieder mal einen Abend mit „nur“ den üblichen Standards des Jazz verbringen zu dürfen, mit Stücken, die vermeintlich sowieso bekannt sind, zumindest ihrem Namen nach. Genau die aber verrät Kellhuber nicht, sondern lockt seine Zuhörerschaft auf eine äußerst geschickt eingefädelte Spurensuche, indem er die Melodien, die die Stücke des Abends identifizierbar machen, nur andeutet, mal mehr, mal weniger deutlich, indem er die markanten Themen, die sie ja erst zu Klassikern machten, nur in Teilen oder in verschlüsselter Form ausbreitet. Was einerseits dazu führt, dass man das gespielte Stück zwar irgendwie kennt, aber nicht genau weiß woher. Und andererseits immer auf der Suche ist nach neuen versteckten Hinweisen und verräterischen Indizien. Selten lauschte ein Publikum so andächtig und aufmerksam einem Pianisten und seinen Kollegen wie an diesem Abend, selten folgte es seinen phantasievollen, verspielten Linien, seinen Improvisationen und wurde so reichlich dafür belohnt. Nicht mit den Namen der Stücke, denn die verrät Kellhuber bis zum Ende nicht, sondern mit der Virtuosität seines Spiels, seiner schier grenzenlosen Schaffenskraft als Gestalter und seiner Hingabe an das, was er hier tut. Wenn man ihm zuhört und gleichzeitig auch beobachtet, offenbart sich einem seine spirituelle wie auch körperliche Verbundenheit mit der Essenz dessen was in „How Deep Is The Ocean“, „Stella By Starlight“, „This Ain’t What They Used To Be“ oder „Invitation“ steckt. Die Originalaufnahmen von Duke Ellington bis Miles Davis sind Geschichte, was hier zählt ist allein die Interpretation.

Und die geht dermaßen in die Tiefe, dass Kellhuber mit dem Flügel regelrecht zu verschmelzen scheint, in manchen Sequenzen tief vornüber gebeugt am liebsten in sein Instrument hineinkriechen würde und die Musik ihn komplett durchdringt. Diese Intensität bemächtigt sich auch des Publikums, die Schönheit des Augenblicks packt einen emotional und am Ende dieses Abends, der einem so viel Genuss brachte, einem aber auch Konzentration und hohe Aufmerksamkeit abverlangte, kommt dann als Zugabe noch das hingehauchte „Peace“ von Horace Silver, dessen Identität wiederum nur angedeutet statt voll umfänglich offengelegt wird. Aber so sehr einen diese so ungemein spannende Spurensuche auch bereichert, geht es doch am Ende um deutlich mehr als nur um Identifizierung, nämlich um den kreativen Prozess, der nötig ist, um auf vermeintlich bekanntem Terrain immer wieder Neues entstehen zu lassen. – Ein tolles Konzert eines tollen Trios!