Keys, Sax, Bass & Voice
Wasilesku – Zoelch – Schiekofer | 06.12.2025

Neuburger Rundschau | Peter Abspacher
 

Dass Oliver Wasilesku ein sehr guter Jazz-Pianist und ein guter Arrangeur ist, das weiß jeder, der sich in der regionalen Musikszene halbwegs auskennt. Am Samstag im proppenvollen Birdland-Jazzkeller zeigte der Chef der Musikschule Neuburg noch eine neue, starke Seite: Über ein zweistündiges Programm hinweg trat Wasilesku in musikalischer Personalunion als Sänger und Pianist gleichzeitig auf.

Und das in einer Qualität, die das Publikum zu berechtigten Beifallsstürmen mitriss. Überhaupt stellte dieses Instrumental-Trio unter dem Namen „Keys, Sax, Bass & Voice“ einen Sound in das Kellergewölbe, der sich vor den dort oft gastierenden Starensembles aus aller Welt nicht verstecken muss. Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? So könnte man nach diesem fulminanten Konzert einer regionalen Combo aus Neuburg und Eichstätt fragen. Das heißt nicht, dass Impresario Manfred Rehm auf „local heroes“ umstellen sollte. Aber dieser Abend zeigte in idealer Weise, was mit Bordmitteln möglich ist.

Bei diesem Sound vermisst niemand ein Schlagzeug. Der bestens aufgelegte Bassist Ulrich Schiekofer und der souveräne Bandleader Oliver Wasilesku ersetzen Trommeln und Becken auf eine hochmusikalische, elegante Art – im perfekten Zusammenspiel mit dem ebenso empfindsamen wie ausdrucksstarken Christof Zoelch am Altsaxofon.

So werden viele der (Liebes-)Lieder aus der Zeit zwischen 1932 und 1952 zu Jazz-Preziosen. Wasilesku gibt mit seinem feinen, sauberen Bariton-Tenor Songs wie „Saturday Night ist the loneliest Night..“, „The Touch of your Lips“ oder „How Deep is the Ocean“ Tiefe und Emotion. Und das mit größter Sicherheit im Spiel auf dem Bösendorfer-Flügel. Diese doppelte Konzentrationsleistung mit Gesang und Piano wirkt so leicht – und ist doch so schwer. Wasilesku wandelt sich gleichsam in einen Gesangs-Pianisten oder Klavier-Sänger.

Vom ersten, hinreißenden Bass-Solo im „Saturday Night…“ bis zu den improvisatorischen Spaziergängen in der Zugabe „Santa Clause….“ spielt Ulrich Schiekofer einen vitalen und wie ein Schweizer Uhrwerk zuverlässigen Kontrabass-Part. Christof Zoelch gibt seinen Motiven, Melodien und virtuosen Einwürfen in jedem Ton Charakter und Power, auch die Zerbrechlichkeit und der elegische Grundton einiger Songs wird in seiner Interpretation spürbar.

„Harlem Nocturne“ ein reines Intrumentalstück wird bei dieser Qualität aller drei Jazzer zu einem
zu Herzen gehenden, dichten, mit tollen Unisono-Passagen veredelten Glanzstück. Mehrfach setzt das Publikum zum üblichen Szenenapplaus nach den Soli an, wird dann aber schnell wieder ganz ruhig. Die Leute spüren, diese Musik darf man auch nicht für ein paar Sekunden durch rauschenden Applaus überdecken und damit „stören“. Das ist ein großes Kompliment.