Kerstin Schulz & 4 Of A Kind | 13.12.2025

Donaukurier | Karl Leitner
 

„Alle Jahre wieder …“ – kommen Kerstin Schulz und ihre Band 4 Of A Kind in den Birdland Jazzclub nach Neuburg. Weit ist die Anreise der Musi­ker ja nicht. Schulz und Kontrabassist Michael Harnoß leben in Neuburg, Pia­nist Jens Lohse und Schlagzeuger Tom Diewock sind Ingolstädter und Tenorsa­xofonist Christof Zoelch ist in Eichstätt zu Hause. Seit Jahren ist das Quintett als Aushängeschild der regionalen Jazzsze­ne Stammgast im Birdland und legt auch beim diesjährigen Gastspiel im Keller unter der ehemaligen Hofapotheke Zeug­nis davon ab, dass der Prophet im eige­nen Land sehr wohl etwas gilt, und dass man eine Sängerin oder eine Band, die mit Jazz zu tun haben, nie in- und aus­wendig kennt, nur weil man sie des öfte­ren schon auf einer Bühne erlebt hat.

Und so ist das Birdland-Gewölbe wie­der mal restlos ausverkauft, ziehen Schulz und die Band einmal mehr gänz­lich neue Saiten auf und bestätigen all jene in der Wahl ihrer Abendgestaltung, mit der sie gute Livemusik der jahres­zeitlich bedingten Alternative in Form des Weihnachtsmarktes am Karlsplatz draußen vor der Tür den Vorzug geben. Schulz, stimmlich prächtig in Form und längst erfahren genug, sie für ihre Zwe­cke optimal einzusetzen, steht wie ge­wohnt im Mittelpunkt. Sie ist für die Songauswahl verantwortlich, die sich wie erwartet deutlich unterscheidet von der des letzten Jahres, und dafür, dass Jazz, Blues und Pop gleichermaßen zu ihrem Recht und die Liebhaber von inti­men Balladen wie etwa Hoagy Carmi­chaels „Nearness Of You“ oder „Bob Dorough’s „But For You“ ebenso auf ihre Kosten kommen wie jene, die es mehr mit Tom Waits, U2 oder den Eu­rythmics haben. Schulz beweist einmal mehr, dass sie sich in jedem Genre wohl fühlt und sogar im Bereich des Soul und dem des Chansons eine hervorragende Figur abgibt.

Dennoch wäre sie aufgeschmissen ohne ihre ersklassig besetzte Band, die sie nicht nur unterstützt, sondern gleichbe­rechtigter Partner ist. Sie verfügt über alle Tugenden einer wirklich guten Jazz­band, die Musiker beweisen durch die Bank Sinn für aussagekräftige Soli und setzten die Arrangements bravourös um. Durch sie bekommt jeder einzelne Song genau das klangliche Umfeld, das er braucht, um seine optimale emotionale Wirkung zu entfalten, sich deutlich vom Original abzuheben und trotz höchst un­terschiedlicher Herkunft als „typisch Kerstin Schulz & 4 Of A Kind“ identifi­zierbar zu sein. Und durch die Detailar­beit von Sängerin und Band kommen auch die „Exoten“ – Lisa Wahlandt’s „Wunsch“ und Pink Martini’s „Sympa­thique“, wofür Schulz vom Englischen ins Deutsche und ins Französische wech­selt – ihren Platz im Programm.

Sie vervollständigen nicht nur die breite stilistische Palette, dienen nicht nur der Struktur des Konzerts, sind nicht nur wichtig für die Dynamik des Abends, sondern ein weiteres Mosaiksteinchen im Erscheinungsbild dieser Band, die zwar in erster Linie „nur“ in der Region unterwegs ist, die man aber – als deren Botschafter sozusagen – in dieser Form auch bedenkenlos auf Tour durch die Re­publik schicken könnte. Und noch eins wird deutlich: Es ist absolut zweitrangig, ob Musiker in arbeitsrechtlicher Hinsicht Amateure oder Profis sind, ob sie haupt- oder nebenberuflich auf der Bühne ste­hen, in der Bildergalerie an den Club­wänden verewigt sind oder nicht. Auf die Klasse kommt es an.